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Stadt Hannover Bilder in besseren Tagen
Aus der Region Stadt Hannover Bilder in besseren Tagen
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06:47 08.12.2014
Von Andreas Schinkel
Die jesidische Familie von Samira und ihrem Mann Baschar lässt sich ablichten. Quelle: Alexander Körner
Hannover

Es dauert einige Momente, bis sich die siebenköpfige Familie vor dem Wandschirm in Position gebracht hat. Wer soll die müden Zwillinge auf den Arm nehmen? Wie gruppieren sich die drei Töchter, damit sie nicht wie Orgelpfeifen nebeneinander stehen? Dann ist es so weit, der Auslöser klickt, Vater Baschar blickt steif in die Kamera, Mutter Samira verzieht leicht den Mund, nur zwei Töchter lächeln. Im Hintergrund stimmt ein junger Mann mit seiner Gitarre die typische Lagerfeuermusik an. „Ich wär’ gern ein Star...“, beginnt er zu singen. Am Computer gibt die Fotografin Marita Heuchert den Fotos von Samiras Familie noch den letzten Schliff. „Manche Gesichter brauchen kein Make-up. Sie erzählen ganze Geschichten“, sagt sie. Es sind oftmals Geschichten großer Angst.

Wer dem Flüchtlingswohnheim an der Hildesheimer Straße am Sonnabend einen Besuch abgestattet hat, ist aus dem Staunen nicht herausgekommen. Mobile Fotostudios aus Wandschirmen und Scheinwerfern teilen das Foyer, in einer kleinen Küche bedecken Cremes, Farbpaletten und Puderdosen die Arbeitsflächen. Fotografen starren auf Bildschirme, Visagistinnen wirbeln mit dem Pinsel. Der Anlass ist keine neue Staffel einer Castingshow, sondern ein Geschenk: Jeder, der sich ablichten lässt, bekommt einen Ausdruck - professionell erstellt und gerahmt. „Wir wollen den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, sagt Markus Schmidt, Pastor einer freikirchlichen Gemeinde und Initiator der Aktion „Help Portrait“.

30 Fotografen und Visagisten hat Schmidt für seine Idee begeistern können. Sie alle verzichten auf ein Honorar. „Schon in den Tagen zuvor haben wir mit den Leitern anderer Wohnheime gesprochen und auf die Aktion in der Hildesheimer Straße hingewiesen“, sagt Fotografin Heuchert. Tatsächlich kommt etwa die Hälfte der 100 Flüchtlinge, die sich vor die Kamera stellen, aus anderen Einrichtungen. „Zudem wollen wir eine entspannte Atmosphäre schaffen“, sagt Schmidt. Musiker habe man eingeladen, Getränke und Snacks bereitgestellt. „Die Menschen erfahren dabei eine Würdigung“, sagt Heimleiterin Irene Wegener.

Samira und ihre Familie sind sichtbar erleichtert, als die Fotosession vorbei ist. Dennoch freut sich die 38-jährige Jesidin, die ihren Nachnamen nicht so gern in der Zeitung lesen möchte, auf den Ausdruck. „Das ist ein toller Moment für die ganze Familie“, sagt sie. Vor eineinhalb Jahren sind Samira und Bascha aus dem Nordirak geflohen. Damals waren die Zwillinge noch nicht geboren, Samira war hochschwanger. In ihrem kleinen Heimatdorf Markabe hatte man von Gräueltaten gehört, verübt von den Terrormilizen des „Islamischen Staats“ (IS). Als der Einmarsch des IS nur noch eine Frage der Zeit war, entschloss sich die Familie zur Flucht. „Hier sind wir in Sicherheit“, sagt Samira. Angst habe sie jetzt um ihre Angehörigen und Freunde, die sie zurücklassen musste. Berichte von Massakern und Vergewaltigungen in ihrem Dorf seien ihr zu Ohren gekommen. Samira blickt zu Boden. „Aber hier in Hannover haben wir jetzt alle Möglichkeiten“, fährt sie mit fester Stimme fort. Die Kinder können zur Schule gehen, einen guten Abschluss erreichen. Die Flucht aus dem Nordirak ist für Samira auch eine Flucht vor der Armut. Die Familie lebte von der Landwirtschaft, mehr schlecht als recht. „Es gab keine Schule. Wir waren wie blind“, erzählt sie.

Den Bericht Samiras übersetzt Ibrahim Hasso aus dem Arabischen. Er lebt seit 2001 in Hannover, spricht fließend Deutsch und arbeitet als Pförtner im Flüchtlingswohnheim. Auch er hat ein Foto schießen lassen, es zeigt einen ernsten Mann mit feinem Schnurrbart und zwei wuseligen Kindern. Hasso kommen die Erzählungen Samiras allzu bekannt vor. Auch er floh vor dem drohenden Krieg und verließ seine syrische Heimat. Schlepper brachten ihn zunächst in die Türkei, dann ging es auf Lastwagen weiter bis nach Deutschland. In Hannover hat er sich ein neues Leben aufgebaut, eine Frau gefunden und eine Familie gegründet. „Zurückzukehren kann ich mir immer weniger vorstellen“, sagt er. Es dürfte noch Jahre dauern, bis ein sicherer Frieden in der Region herrscht, meint er. Es macht ihn fassungslos, dass in seinem Land jetzt Muslime über Jesiden herfallen. „Wir haben immer in Eintracht gelebt, die anderen zu den eigenen religiösen Festen eingeladen“, erzählt Hasso. Damit sei es auf viele Jahre vorbei.

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