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Stadt Hannover Prostituierte hoben Geld von Konten ihrer Freier ab
Aus der Region Stadt Hannover Prostituierte hoben Geld von Konten ihrer Freier ab
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00:19 10.11.2018
Sarina Y. wird von dem Hamburger Anwalt Andrija Pancic verteidigt. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

 Sie versprachen ihren Freiern in Ludwig- und Reitwallstraße aufregende Liebesspiele zu dritt – doch das Spannendste war schlussendlich, wie viel Geld die Männer durch die Tricksereien von zwei Prostituierten verloren. Am Mittwoch wurde die 26-jährige Sarina Y. vom Amtsgericht Hannover wegen fünffachen gemeinschaftlichen Betrugs und Computerbetrugs zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss die junge Frau, die jetzt wieder bei den Eltern in Cuxhaven lebt und in einem Hotel aushilft, 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten sowie 3248 Euro ergaunerten Gewinns zurückzahlen – auch wenn sie sagt, dass ihre Mittäterin die treibende Kraft gewesen sei und alles Geld einbehalten habe.

Die 23-jährige Janina T. war im November 2017 von einem Jugendschöffengericht in Hamburg-Wandsbek wegen 17 Fällen von Betrug, Computerbetrug, Erpressung, Falschaussage und Strafvereitlung zu zwölf Arbeitsleistungen verurteilt und für sechs Monate der Aufsicht der Jugendgerichtshilfe unterstellt worden. Bei T. wurde die Einziehung von knapp 16.000 Euro angeordnet.

Die von Amtsrichterin Svenja Tittelbach-Helmrich gegen Sarina Y. verhängte Strafe beruht aus Betrügereien, die die beiden Frauen im Mai 2015 in Hannover begingen. Die Masche war immer ähnlich. Zunächst wurde den potenziellen Kunden ein Flotter Dreier für einen Preis zwischen 50 und 60 Euro angeboten. Doch noch bevor die Prostituierten irgendwelche sexuellen Dienstleistungen erbrachten, forderten sie ihre Freier auf, das Geld per Online-Banking zu überweisen. Dabei spähten sie die PIN aus; während eine der Frauen das Opfer anschließend ablenkte, ging die andere mit EC- oder Kreditkarte zu einem Geldautomaten und hob Bares ab. Die Beträge schwankten zwischen 490 und 1782 Euro und wurden oft nur durch bei der Bank hinterlegte Auszahlungslimits begrenzt.

Hatten die Prostituierten das Geld eingestrichen, offenbarten sie ihren Freiern die Abbuchung – und legten ihnen Quittungen für „Full service“ plus Getränke über die jeweiligen Summen vor. Würden die jeweiligen Beträge nicht „abgearbeitet“, werde man den Männern den Rest erstatten, erzählten die jungen Frauen ihren Opfern. Aus Angst vor Gewalt durch Zuhälter oder vor einem Bekanntwerden ihrer sexuellen Eskapaden unterschrieben einige Männer das ihnen vorgelegte Papier. „Die Sache mit der Quittung gehört zum Geschäftsmodell, dann hat man gegen den Kunden gleich was in der Hand“, erläuterte Verteidiger Andrija Pancic. Nach den erwartbaren Streitigkeiten um die Abzocke war den Kunden die Lust auf Sex aber meist gründlich vergangen.

Die Angeklagte legte ein Geständnis ab, versicherte auch, vor einem Jahr mit der Prostitution abgeschlossen zu haben. Staatsanwalt Carl Philipp Ritter attestierte Y. im Tatzeitraum „erhebliche kriminelle Energie“, würdigte andererseits, dass die 26-Jährige nun „einen anderen Lebensweg eingeschlagen“ habe. Ebenso wie der Verteidiger forderte er eine Bewährungsstrafe von einem Jahr. Richterin Tittelbach-Helmrich äußerte die Hoffnung, dass die Betrügereien der zuvor nicht vorbestraften Y. „ein einmaliger Ausrutscher“ gewesen seien und sie bald einen Ausbildungsplatz finde, um ihr Leben weiter zu stabilisieren.

Von Michael Zgoll

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