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Stadt Hannover Opfer aus Hameln schildert jahrelanges Martyrium
Aus der Region Stadt Hannover Opfer aus Hameln schildert jahrelanges Martyrium
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16:22 22.05.2017
Von Michael Zgoll
Verteidiger Bastian Quilitz und der Angeklagte Nurettin B. Quelle: Zgoll
Hannover

Gefühllos und unbarmherzig: Diese zwei Worte aus der von Staatsanwältin Ann-Kristin Fröhlich verlesenen Anklageschrift beschreiben die Tat, die dem 39-jährigen Nurettin B. vorgeworfen wird, wohl am treffendsten. Am 20. November 2016 hat der Deutsche mit türkischen Wurzeln versucht, in Hameln seine ehemalige Lebensgefährtin umzubringen - dies räumte er am Montag vor dem Schwurgericht Hannover ein. Im Zuge eines Streits um Unterhaltszahlungen, die er nicht leisten wollte, schlug er die 28-Jährige zu Boden. Stach mit einem Messer auf ihren Oberkörper ein. Traktierte ihren Kopf mit der stumpfen Seite einer Axt. Und schlang schließlich ein Seil um ihren Hals und schleifte die schwerverletzte Frau mit seinem VW Passat 208 Meter über den Asphalt. Nun muss sich B. wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Die Zuschauerbänke im Schwurgerichtssaal waren voll besetzt, auch viele überregionale Medien hatten Berichterstatter geschickt. Wie die Staatsanwältin vortrug, währte der Unterhaltsstreit von Nurettin B. mit seiner früheren Partnerin schon längere Zeit, auch das Sorge- und Umgangsrecht für den im Januar 2014 geborenen Sohn war ein ständiges Thema. 2015 gab es verschiedene Gerichtsverfahren. So wurde B. einerseits zugebilligt, sein Kind jedes zweite Wochenende sehen zu dürfen, andererseits verhängte das Amtsgericht Hameln ein Kontaktverbot gegenüber der Mutter. Vier Wochen vor der Tat, so die Anklage, bedrohte B. die Frau mit dem Tode, sollte sie nicht von ihren Unterhaltsansprüchen - die für ihn in Lohnpfändungen mündeten - Abstand nehmen: "Deine Tage sind gezählt." Diese Drohung soll er am 15. November wiederholt haben, zwei Tage vor dem Gewaltexzess in Hameln suchte ihn die Polizei für eine Gefährderansprache auf.

Die mehrstufige Attacke in der Hamelner Südstadt, nicht weit entfernt vom Bahnhof, brachte die 28-Jährige fast zu Tode. Zwei Messerstiche verletzten ihren Herzbeutel und die Bauchhöhle. Die Axtschläge führten zu einer offenen Schädelfraktur. Das Seil, an dem die Frau über die Straße geschleift wurde, war wie bei einem Galgenstrick geknotet und zog sich immer enger um ihren Hals. Hätte es sich nach gut 200 Metern - auf einer Kopfsteinpflaster-Straße - nicht von der Anhängerkupplung gelöst, wäre sie vermutlich erstickt. Das Opfer musste reanimiert werden, wurde zunächst in einer Hamelner Klinik versorgt und anschließend in die Medizinische Hochschule Hannover geflogen. Dort wurde die Frau für eine Reihe von Operationen ins künstliche Koma versetzt, war später bis März drei Monate in einer Reha-Klinik untergebracht.

Die Verteidiger Matthias Waldraff und Bastian Quilitz verlasen für ihren Mandanten eine längere Erklärung, in der B. die Schreckenstat einräumte. Er bekenne sich schuldig, "diese grausame, widerliche und abscheuliche Tat" begangen zu haben, ließ der 39-Jährige über seine Anwälte ausrichten. Für das, was er getan habe, gebe es keine Vergebung. Er habe bei der Attacke ein "tiefes und totales Hassgefühl" empfunden. B. bestritt allerdings, den versuchten Mord vorab geplant zu haben. Zu einer persönlichen Beantwortung von Fragen war B. nicht bereit.  

Völlig isoliert, Handy weggenommen, Kontaktverbot

Erschütternd war die Zeugenaussage des Opfers. Die 28-jährige, zierliche Verkäuferin schilderte, oft unter Tränen, dass im März 2013 nach ihrer Hochzeit auf Grundlage islamischen Rechts ein Martyrium begann. B. habe sie behandelt wie eine Sklavin, ihr ständig Befehle gegeben wie einem Roboter, sie regelmäßig angespuckt und geschlagen. Sie sei eine Frau, die ihre Freiheit liebe, habe sich lange Zeit als kurdische Aktivistin politisch betätigt. Doch der 39-Jährige habe sie in Eimbeckhausen (ein Ortsteil von Bad Münder) völlig isoliert, ihr das Handy weggenommen und die Kontakte zu Freundinnen verboten.

2014 trennte sich die Frau von B., zog nach Hameln um. Doch hier begannen neue Streitigkeiten um die Zahlungen und den Umgang mit dem kleinen Sohn. Die Frau forderte 768 Euro Unterhalt ein, auch klagte sie auf Herausgabe der "Morgengabe". Dabei handelt es sich um Goldschmuck im Wert von 20400 Euro, den ihr der Angeklagte nach einer Trennung hätte aushändigen müssen - dies aber nicht tat. "Es ging ihm immer nur um Geld", schilderte die 28-Jährige.

Die zierliche Frau trug vor Gericht ein Kopftuch - nach eigenem Bekunden nur deshalb, um vor der Kammer nicht die Kappe absetzen zu müssen, mit der sie die sichtbaren Spuren der Tat zu verdecken versucht. Unter fehlenden Haaren, brennender Kopfhaut und extremen Kopfschmerzen hat die 28-Jährige bis heute zu leiden, unter Verspannungen, Schulterschmerzen, Atemproblemen und Narben am ganzen Körper. An die unmittelbare Tat, so die perfekt deutsch sprechende Verkäuferin, könne sie sich nicht erinnern, auch ihr Langzeitgedächtnis habe nachgelassen. Ebenso wie ihr Sohn, der die Tat im Alter von knapp drei Jahren aus dem Passat heraus mitansehen musste, leidet die Mutter unter erheblichen Schlafstörungen und Albträumen. Die medizinische Behandlung ist noch nicht abgeschlossen.

Zu den Zeugen, die die Kammer vernahm, zählten auch zwei Frauen aus Hameln, die die Hilfeschreie gehört, die Tat in Teilen beobachtet und die Polizei verständigt hatten. Eine 49-Jährige eilte aus ihrer Wohnung im zweiten Stock auf die Straße und flehte den Mann an, seinem stark blutenden und wimmernden Opfer keine Schlinge um den Hals zu legen - vergeblich. Dann stieg B. ein und gab kräftig Gas. "Die Frau hing an dem Seil wie ein Tier", erklärte die Zeugin, die die Geschehnisse an jenem Abend als das "schlimmste Ereignis meines Lebens" bezeichnete. Ein 21-jähriger Hamelner schilderte, wie das Opfer vor seinen Augen in einer Kurve über die Straße geschleudert wurde und auf dem Bürgersteig liegenblieb. Er lockerte das Seil am Hals und leistete Erste Hilfe.

Der Angeklagte mit den kurzen schwarzen Haaren verfolgte das Geschehen im Gerichtssaal interessiert, aber ohne sichtbare Gefühlsregungen. Die Personalrefentin einer Firma, in der B. seit 1995 als Polsterer gearbeitet hatte, beschrieb den 39-jährigen als aufbrausend, aber ansonsten unauffällig. Bei der Verkündung des Pfändungsbeschlusses - es war ein Unterhaltsrückstand von 14500 Euro aufgelaufen - habe sich B. sehr abfällig über Frauen geäußert, die in Deutschland viel zu viele Rechte hätten; seine frühere Partnerin bezeichnete er als "Hexe". Dass B. auch ein anderes Gesicht hatte, wurde aus der Zeugenaussage eines Polizeibeamten deutlich, der den Angeklagten viele Jahre privat und in einem Sportverein erlebt hatte: Er habe B. immer als "lächelnden, freundlichen jungen Mann" gesehen. Nachdem der 39-Jährige von der Lohnpfändung erfahren hatte, habe er allerdings tief verzweifelt gewirkt - so verzweifelt, dass er die Mutter seines Sohns kurze Zeit später auf grausame Weise töten wollte.

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