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Stadt Hannover Vietnamese gesteht Tötung seines Chefs
Aus der Region Stadt Hannover Vietnamese gesteht Tötung seines Chefs
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21:15 11.05.2017
Von Michael Zgoll
Der 29-jährige Vietnamese hat die Tat beim Prozessauftakt gestanden. Quelle: Wilde
Hannover

Am 14. November 2016 gegen 14.30 Uhr wurde ein 36-jähriger Vietnamese in einem Asia-Imbiss im Altwarmbüchener A 2-Einkaufscenter erstochen. Seit gestern muss sich der Täter, der geständig ist, vor dem Schwurgericht Hannover wegen Totschlags verantworten. Der 29-jährige Van Hien H., ehemaliger Mitarbeiter im Lahuo, stand dem Gericht unter Vorsitz von Wolfgang Rosenbusch knapp anderthalb Stunden Rede und Antwort.

Wie der Vietnamese erklärte, hatte er am 8. November aufgrund ausbeuterischer Arbeitsbedingungen gekündigt, sei völlig erschöpft gewesen. Offizielle Inhaberin der Sushi-Bar war die 35-jährige Ehefrau des Opfers, doch ihr Mann hielt die Fäden in der Hand. Seit Mai musste der 29-jährige Angeklagte ununterbrochen arbeiten, täglich 12 bis 13 Stunden, ohne Sonn- und Feiertage, für einen Tageslohn von 50  Euro. Dass er kündigte, kam nicht gut an.

Freundin zeigte Chef an

Offenbar drohte der Chef H. daraufhin mehrfach, ihm Schläger auf den Hals zu hetzen, seine Freundin zu entführen oder ihre Wohnung anzuzünden. In Facebook- und Whatsapp-Protokollen sollen diverse Beschimpfungen dokumentiert sein, auch die Ehefrau soll dem Mitarbeiter gedroht haben. Die Freundin von H., eine vietnamesische Betriebswirtschaftsstudentin, erstattete am 13. November Strafanzeige gegen den Restaurantbesitzer, weil er in Begleitung eines türkischen Bekannten vor ihrer Wohnung in Stöcken aufgetaucht war. Daraufhin verbot die Polizei dem Geschäftsmann, sich dem Domizil der Frau in nächster Zeit zu nähern.

Am Tattag, so der Angeklagte, sei er ins A 2-Center gefahren, um dem Paar zum wiederholten Male klar zu machen, dass er nicht mehr dort arbeiten werde und seine Ruhe haben wolle; auch soll ihm der 36-Jährige noch Lohn geschuldet haben. Doch diese Konfrontation mündete in eine Katastrophe. H. greift in der Küche des Schnellrestaurants nach einem 20 Zentimeter langen Küchenmesser und sticht 14-mal auf sein Opfer ein. Es sei „in ihm explodiert“, sagt er später vor Gericht. Ein aus Afrika stammender Angestellter versucht anfangs noch, den wütenden Angreifer aufzuhalten, flieht dann aber aus der Küche. Der Sushi-Bar-Besitzer wird in Brust, Rücken und Hals getroffen. Die Stiche verletzen seinen Herzbeutel, durchtrennen die Halsschlagader und perforieren einen Lungenflügel.

Anschließend kommt Van Hien H., das blutige Messer noch in der Hand, zurück in die Fußgängerpassage. Die Gäste fliehen, der Besitzer einer Saftbar redet beruhigend auf den Vietnamesen ein. Wenig später lässt sich dieser an einer nahen Stadtbahnhaltestelle widerstandslos festnehmen. Sein Opfer verblutet trotz schnell eingeleiteter Notfallmaßnahmen noch am Tatort.

Monatelange Arbeit ohne Pause

Wie der Angeklagte vor Gericht schilderte, kam er 2008 aus Vietnam nach Europa, arbeitete viele Jahre in der Tschechei, später in Hannover. Mit Unterbrechungen sei er seit August 2015 bei dem vietnamesischen Paar beschäftigt gewesen, im A 2-Center und in dessen Asia-Imbiss am Engelbosteler Damm. Über diesem Restaurant, in einer Wohnung seiner Arbeitgeber, wohnte H. gemeinsam mit einem anderen Mann zur Untermiete.

Die 35-jährige Witwe des Opfers bestätigte, dass H. von Mai bis November 2016 ohne Pause und freie Tage in den beiden Restaurants durchgearbeitet habe. Er sei eine wichtige Arbeitskraft gewesen, seine Kündigung habe man nur schwer akzeptiert. Auf Nachfrage von Verteidiger Thomas Mügge bestätigte die Geschäftsfrau, es sei generell schwierig gewesen, Mitarbeiter zu finden; nach Einschätzung von Mügge hatten dort auch schon andere Angestellte aufgrund der Arbeitsbedingungen gekündigt. Das eigentliche Verbrechen im Küchenbereich der Sushi-Bar habe sie nicht mitbekommen, erklärte die 35-Jährige unter Tränen, sie sei erst auf ihren Mann gestoßen, als dieser schon im Sterben lag.

Der Jugendtrainer versprach seinen Spielern der C-Jugend von Arminia Hannover ein Trainingslager und eine Abschlussfahrt. Doch Pierre-Alexander K. steckte das Geld einfach ein. Das Amtsgericht verurteilte ihn deshalb – und wegen anderer Delikte – zu einer Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung.

Michael Zgoll 14.05.2017

Das Wichtigste aus Hannover und der Region lesen Sie wieder in unserem HAZ-Morgenticker: Heute: Das Programm für die Lange Nacht der Museen wird vorgestellt, am Landgericht beginnt der Prozess gegen einen Mann, der seinen Chef im Asia-Imbiss erstochen haben soll, die NDR Radiophilharmonie spielt Deutsche Filmmusik.

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