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Stadt Hannover So verzweifeln Fußballfans in Hannover am WM-Aus
Aus der Region Stadt Hannover So verzweifeln Fußballfans in Hannover am WM-Aus
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19:54 27.06.2018
Die Verzweiflung lässt sich mit Händen greifen: Die Fans beim Public Viewing im Biergarten Waterloo sind entsetzt. Quelle: Franson
Hannover

Aus der Traum. Schlimmer hätte es nicht kommen können. Für Deutschland ist die Fußball-WM in Russland zu Ende – und Tausende hannoversche Fußballfans, die sich allerorten zum Public Viewing versammelt hatten, können kaum fassen, dass der Titelverteidiger 0:2 gegen Südkorea verloren hat. „Die Stimmung ist am Boden, trauriger geht es nicht mehr“, sagt Eckard Horst, Chef der Waldgaststätte Bischofshol nach dem Spiel. Gut 3000 zunächst gut gelaunte Gäste wollten dort Jogis Team auf der Großbildleinwand siegen sehen. Doch dann mussten sie 99 Minuten lang mit ansehen, wie die Mannschaft sich ideen- und konzeptlos selbst ins Aus kickte. „Meine Favoriten sind jetzt die Belgier – die haben bisher wirklich gut gespielt, und sie haben ja zumindest die gleichen Nationenfarben wie Deutschland“, meint Horst mit einer Mischung aus Zynismus und Zweckoptimismus.

Zumindest können die Fußballfans aus Hannover gewiss sein, einen wahrlich historischen Tag erlebt zu haben: Noch nie ist ein deutsches Team in einer WM-Vorrunde ausgeschieden. Auch nach dem deutschen Debakel hält Gastronom Horst sein Versprechen: „Wir zeigen weiterhin alle WM-Spiele.“ Dass zu den weiteren Begegnungen sicherlich keine 3000 Gäste mehr kommen werden, trägt er mit Fassung. „Das ist für uns keine Katastrophe.“

Auf der Fährmannswiese in Linden geht die WM ebenfalls weiter. Die Kneipe Centrum lädt dort mit dem Strandleben, dem 11 a und der Gilde-Brauerei zum Public Viewing ein und will bis zum Finale die Freiluftmonitore anschalten. Mehr als 5000 Fans verfolgten dort am Mittwoch das Aus für die deutsche Elf. „Die Spieler sind nur kraftlos über den Platz getrabt – aber hier war trotzdem bestes Sonnenwetter und eine tolle Biergarten-Atmosphäre“, meint Centrum-Chef Romec Manns. Wäre Deutschland zumindest ins Achtelfinale gekommen, hätte er in Absprache mit der Stadt eine zweite Leinwand aufgebaut. Die Investition kann er sich nun sparen. Trotz aller Enttäuschung macht Manns weiter Lust auf die WM: „Auch die Spiele der Spanier mit 1500 Gästen können großen Spaß machen.“ Das Public-Viewing-Team vom GIG am Lindener Markt hat ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass auch „Top-Spiele“ anderer Nationen viele Fans anlocken.

Während sich Tausende bei den Public Viewings drängten, war in der City am Mittwoch das gegenläufige Phänomen zu beobachten: Die Innenstadt ließ sich bestens für Einkäufe nutzen –viele Fachgeschäfte waren während des Vorrundenspiels wie leergefegt. Bei Decius an der Marktstraße hielt Azubin Julia Hoffmann Stallwache an der Kasse, während nur vereinzelt Kunden in dem geräumigen Buchladen stöberten. Bei Bosselmann an der Osterstraße standen drei Verkäufer für die Kunden bereit – wer sich trotz Fußballfiebers in den Laden verirrte, wurde prompt bedient.

Auch die Markthalle wirkte fast wie ausgestorben. „Bis 14 Uhr war es richtig voll“, sagte im italienischen Café Il Monello Kellnerin Catia Guaraglia mit Blick auf die leeren Stühle. Sogar die Freiluftplätze zur Leinstraße waren trotz Sonnenscheins kaum begehrt. Bei Gosch im rückwärtigen Anbau dagegen war fast jeder Platz besetzt: Das Spiel ließ sich über mehrere Großbildmonitore beobachten, zumindest zu Beginn war die Stimmung noch gut.

Am Ende half alles nichts. Die Deutschen müssen nach Hause fahren. „Ich bin fertig“, sagt Winfried Kirchner von der Firma Gastrotrends. Und er zieht die Konsequenzen: Das Public Viewing, das er und sein Team auf dem Uni-Sportcampus am Moritzwinkel angeboten hatten, wird nun beendet, ebenso wie das kollektive Gucken in der Kneipe Nordkurve und dem benachbarten Großzelt. Im Waterloo-Biergarten und in der Leibniz-Lounge nahe der Uni aber lassen Kirchner und seine Kollegen die Bildschirme noch weiter laufen. Der Gastronom hält bei dieser WM alles für möglich: „Vielleicht wird ja jetzt Kroatien Weltmeister.“

Von Juliane Kaune und Conrad von Meding

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