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Stadt Hannover "Zuhause im Glück"-Team renoviert Haus in Seelze
Aus der Region Stadt Hannover "Zuhause im Glück"-Team renoviert Haus in Seelze
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00:16 12.02.2017
Großer Auflauf in Seelze-Velber: Das Haus der Familie Schmidt ist renoviert, die Nachbarn bilden die Kulisse für die letzten Dreharbeiten der RTL2-Doku-Soap "Zuhause im Glück". Quelle: Philipp von Ditfurth
Seelze

Der große Müllcontainer verschwindet noch schnell, ein letztes Mal kreischt die Kreissäge. Dann tritt Redakteur Matthias Conrads vor die Menschenmenge, die auf der Wendeplatte in Seelze-Velber ausharrt. Er dirigiert die Freunde und Nachbarn der Familie Schmidt, die hier in der Kälte warten, nach rechts und nach links. „Ein Stück weiter rüber“, sagt er, „und wenn ich sage ,Jubeln!’, dann jubeln!“

Eine Woche wurde in dem Haus Nummer 10 in einer Straße am südlichen Rand des Ortes hinter verschlossenen Türen gewerkelt. Unzählige Lastwagen schoben sich durch die Straße, ein Kamerateam belagerte die Baustelle. Einige Nachbarn ergriffen sogar die Flucht, weil ihnen der Trubel zu viel wurde.

Noch können die Schaulustigen in Velber nur mit Glück einen Blick ins frisch renovierte Haus erhaschen. Was sich tatsächlich im Inneren getan hat, sehen sie und Millionen andere Deutsche erst in einigen Wochen im Fernsehen. In der Doku-Soap „Zuhause im Glück - Unser Umzug in ein neues Leben“ verfolgen die Zuschauer jeden Mittwochabend, wie Häuserruinen durch ein kräftig zupackendes Team mit guter Laune und flotten Sprüchen zu Traumhäusern werden.

An diesem Tag steht Familie Schmidt aus Velber im Mittelpunkt, und Dutzende Bekannte sind für das große Finale der Dreharbeiten vor ihr frisch renoviertes Haus gekommen. „Ich bin sehr gespannt - gut, dass sie mitgemacht haben“, sagt Siegfried Hollands, der Vater von Sandra Schmidt. Die Fußballmannschaft von Sohn Leon ist in den grünen Trainingsjacken des SV Velber gekommen. „Eine gute Aktion, wie freuen uns mit den Schmidts“, sagt Betreuerin Susanne Lutat.

Alle Handwerker sind seit Anfang an ein festes Team

Mehr als 200 Häuser hat das Handwerkerteam von RTL II seit dem Start des Formats im Jahr 2005 renoviert und - glaubt man den Machern der Sendung - ebenso viele Menschen glücklich gemacht. Denn die Hauseigentümer sind in Not geratene Familien, die private Probleme haben, die Krankheiten belasten und die selbst den Umbau ihres Eigenheims nicht schaffen.

Ihnen will RTL II helfen - Helfer-Doku oder Helptainment nennen sich solche Formate, zu denen auch Sendungen wie „Der Trödeltrupp“ oder „Rach, der Restauranttester“ gehören und die den Sendern nach wie vor gute Quoten bescheren. Um bei „Zuhause im Glück“ dabei zu sein, bewerben sich die Familien mit ihren Geschichten und Problemhäusern beim Sender, der dann auswählt. „Wir haben so viele Zuschriften, dass nicht alle Bewerber berücksichtigt werden können“, sagt Lisa Christeleit von RTL II.

Ist die Familie einmal ausgewählt, rücken Kamerateams und der Renovierungstrupp an. Seit dem Start des Formats leiten Innenarchitektin Eva Brenner und Architekt John Kosmalla die Handwerker auf der Baustelle an. Gleichzeitig erklären sie dem Zuschauer auf der Couch, was beim Umbau passieren wird - und kommentieren, wenn plötzlich die Decke runterkommt, die Farbe nicht deckt oder der Putz bröckelt. Das Team aus Bauleiter, Elektrikern, Malern, Fliesenlegern, Sanitärinstallateuren und Schreinern ist seit der Erstaustrahlung eine feste Mannschaft. Je nach Bedarf und Aufwand des Umbaus würden aber noch weitere Handwerker hinzugezogen, so der Sender.

Umbau richtet sich nach den Vorstellungen der Familie

Solange, wie die Handwerker Mauern einrissen, neue Kabel verlegten und Wände verputzten, war Familie Schmidt ausquartiert. An diesem Finaltag wird sie zum ersten Mal ihr neues Heim betreten.

Der Umbau richte sich immer nach den Vorstellungen der Familien, sagt Christeleit. Klagt eine Familie über Platzmangel, ziehen die Architekten Wände und lassen neue Räume entstehen. Kochbegeisterte Eltern erwartet nach dem Umbau eine praktische Kücheninsel, und der Fußballfan zieht am Ende in ein grün gestrichenes Fußballzimmer.

Ein komplett neues Haus in nur in einer Woche? Eine Vorstellung, die jeder anzweifelt, der selbst schon eine Küche renoviert oder ein Bad neu gefliest hat. „Vor dem eigentlichen Umbau liegt natürlich eine intensive Planungsphase. Der Umbau selbst erfolgt aber in acht Tagen“, versichert Christeleit.

"Ein überwältigender Empfang"

In Velber ist nach einer Woche der große Umbau vorbei. Jetzt kehrt wieder Ruhe ein. Ein letztes Mal jubelt die Menge auf Kommando, und Moderatorin Resi Colter sagt mit routinierter Herzlichkeit ein paarmal hintereinander den Satz „Schön, dass ihr alle da seid und wir zusammen die Familie empfangen“ in die Kamera.

Schließlich fährt Familie Schmidt im Auto vor. Jetzt das Signal zum Jubeln. Umarmungen, Tränen, Taschentücher. „Ein überwältigender Empfang“, sagt Vater Lars Schmidt, ehe die Familie ihr Haus betritt.

Und dann geht das Leben weiter.

Von Linda Tonn 
und Simon Benne

Wie finanziert der 
Sender den Umbau?

Wer die neue Küche, das moderne Bad und die funktionale Holzterrasse in den renovierten Häusern bezahlt, dazu hält sich RTL2 weitgehend bedeckt. Viele der zum Teil sehr kostspieligen Baumaßnahmen und die erforderlichen Einrichtungsgegenstände werden über Werbung und Produktplazierungen von den Fernsehsendern finanziert. Gut sichtbar rollen dann die Möbelwagen großer Ketten durchs Bild, und Innenarchitektin Eva Brenner, die die Sendung in den meisten Fällen moderiert, schlendert durch Abteilungen von bekannten Einrichtungshäusern voller Sofas und Schränke.
Auch in den Werbepausen werden den Heimwerkern auf der Couch die neuesten Geräte und Dekorationstipps präsentiert. Das Garbsener Möbelhaus Hesse konnte die strahlende Fernseh-Architektin Brenner als Werbegesicht gewinnen – aus seinem Sortiment stammen auch die neuen Möbel für Familie Schmidt in Velber. Wie die Rechnung allerdings am Ende aufgeht, dazu schweigt der Sender.
Allerdings taucht die Frage nach den Kosten und vor allem Steuern für den Komplettumbau eines Hauses immer wieder auf. Teilnehmer anderer Helfer-Dokus, wie der RTL-Renovierungsshow „Einsatz in vier Wänden“ mit Moderatorin Tine Wittler, freuten sich erst über die großzügige Spende des Senders, doch dann meldete sich das Finanzamt – weil die in der Sendung erhaltenen Leistungen versteuert werden müssen. „Für die Hausbesitzer entstehen keinerlei Kosten“, sagt dagegen RTL2-Sprecherin Christeleit.

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Nachgefragt bei Professor Wilfried Köpke, Medienwissenschaftler an der Hochschule Hannover

„Die kleine Flucht aus der Leistungsgesellschaft“

 Herr Professor Köpke, warum funktionieren Reality-Formate im deutschen Fernsehen so gut?

„Zuhause im Glück“ und ähnliche Reality-Formate bedienen die Unterhaltungsbedürfnisse der Zuschauer und verbinden sie einerseits mit einem voyeuristischem Anteil, dass es anderen noch schlechter geht als mir, und andererseits mit der Befriedigung einer vorpubertären Sehnsucht, dass andere doch bitte auch meine Lebensprobleme lösen mögen.

Welche Zielgruppe wird besonders davon angesprochen?

Die Sendung „Zuhause im Glück“ hat eine erstaunlich konstante Quote mit einen durchschittlichen Marktanteil von 7 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Vor allem Frauen schauen das Format. Auf das vorwiegend weibliche Publikum ist dann auch die Dramaturgie der Sendung ausgerichtet: Lebensschicksale, Emotionen verstärkende Musik, Tränen und Beziehungsglück am Ende.

Die Sendung fällt in die Kategorie „Helptainment“ oder „Helfer-Doku“. Was ist das Geheimnis solcher Formate?

Die Formate befriedigen eine unerwachsene Sehnsucht. Wie in der Kindheit die Eltern in allen Krisen geholfen und Probleme gelöst haben, richten es nun das Team um Eva Brenner und John Kosmalla mit ihrem Team. Und wenn das Haus erst steht, dann lösen scheinbar sich auch die anderen, eigentlich fundamentaleren Lebensprobleme. Der eigene Beitrag zum Glück: nur ein bisschen Basteln mit Eva Brenner. Das ist die kleine Flucht aus unserer arbeitsorientierten Leistungsgesellschaft.

Wie glaubhaft sind solche Sendungen?

Die Sendungen sind weitgehend inszeniert und gescriptet. Das beginnt bei dem Gespräch über die Problemfamilie, der man in dieser Sendung helfen will, und endet bei der Dramaturgie, dass nach acht Tagen der Umbau steht. Das ist meist so allein bautechnisch gar nicht zu schaffen. Allerdings will der Zuschauer diesen Traum träumen und stellt die Glaubwürdigkeitsfrage hintenan. O-Töne der Handwerker zum Baufortgang und zu den Problemen helfen dem Zuschauer, die Inszenierung glaubwürdig zu finden.

Können sich solche Formate einzig durch Produktplatzierungen finanzieren?

Nein, sicherlich nicht. Die Sender arbeiten generell mit einem Mix aus Werbung, Produktplacement, Blockbustern und weniger stark nachgefragten Sendungen. Eine Sendung steht nicht unter dem Druck sich selbst gegenfinanzieren zu müssen, wenn sie nicht völlig aus der Quote, der Zuschauergunst im Sendervergleich ausbricht.
Interview: Linda Tonn

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