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Rattenplage und keine Heizung im Elendshaus

Celler Straße Rattenplage und keine Heizung im Elendshaus

In einem Haus an der Celler Straße in der Innenstadt leben Roma in katastrophalen Bedingungen - und jetzt spitzt sich die Lage offenbar noch zu. Nach Kenntnis der HAZ wohnt eine Familie mit drei Kindern in einem Zimmer ohne Strom, ohne Heizung, ohne Licht.

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Verwahrlost: Das Haus an der Celler Straße macht schon länger Schlagzeilen. Der Vermieter hat ein Foto vom Müll im Innenhof (li.) gefertigt. Fotos: Kutter, privat

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Dazu gibt es in dem Haus Ratten. Die Kinder sind drei, vier und elf Jahre alt. Eine Aussicht auf kurzfristige Hilfe gibt es nicht.

Der Eigentümer hat die Zimmer zweier weiterer Roma-Familien bereits räumen lassen, beide Familien sind in Notunterkünften der Stadt untergebracht. Auch die verbliebene Familie ist wegen Mietschulden von der Zwangsräumung bedroht, die Ende November vollstreckt werden soll. In der Zwischenzeit können die Menschen trotz des Kälteeinbruchs der vergangenen Tage aber offenbar weder Hilfe von der Stadt erwarten noch vom Vermieter - auch nicht mit Verweis auf Kindeswohlgefährdung. Eine Unterbringung in einer städtischen Notunterkunft könne erst erfolgen, wenn tatsächliche Obdachlosigkeit vorliege, sagt eine Sprecherin. Eigene Instrumente, um die Wohnraumsituation positiv zu beeinflussen, habe man nicht. Die Gefährdungsaspekte der Kinder würden mehrmals wöchentlich geprüft. Eine Inobhutnahme sei aber das allerletzte Mittel.

Der Vermieter ist empört, wenn man ihn fragt, ob er aus sozialen Gründen Strom oder Gas bis zum Räumungstermin noch einmal anstellen lassen will. Er habe an Paare vermietet, die Roma hätten ihre Familien nachgeholt, die frisch renovierten Wohnungen verschandelt, seit Monaten seien sie ihm Geld schuldig. „Wer keine Miete zahlt, kann nicht verlangen, dass man ihm auch noch Heizung, Strom und Gas bezahlt. Der muss gehen.“

Wegen der Ratten ist die Region eingeschaltet

Die Zustände in dem Problemhaus sind nach wie vor schlimm. Bereits im Juli dieses Jahres gab es dort Schimmel, aufgerissene Fußböden, defekte Kabel, eine kaputte Heizung. Einzelne Zimmer wurden von ganzen Familien bewohnt. Mittlerweile lässt sich die Haustür nicht mehr schließen, auch die Tür zum Hinterhaus ist demoliert. Das Treppenhaus ist übersät mit Zeitungen, Zigarettenstummeln. Im Hinterhof türmt sich Müll. Im Zimmer der Roma ist es eiskalt. Trotz der widrigen Umstände ist es liebevoll eingerichtet. Zwei Betten sind mit farbigen Decken bedeckt, an der Wand hängen Bilder. Im einzigen Schrank ist Kleidung fein säuberlich gestapelt.

Das Wohnungsamt habe eine Unterkunft für drei Tage angeboten, klagt der Vater, was danach geschehen werde, sei unklar gewesen. Er habe aus Angst vor Obdachlosigkeit abgelehnt. Seine Frau habe Arbeit als Putzfrau, sagt er. Aber mit Schufa-Einträgen habe er auf dem freien Wohnungsmarkt keine Chance. Die Stadt will sich „zu Details von Unterbringungsfragen“ nicht äußern.

Wie kommt die Familie in der Kälte zurecht? Der Mann zeigt einen rostigen Radiator, den er in Schuss bringen will. Die Kinder schliefen in Pullovern im Bett, die Eltern auf dem Fußboden. Wegen der Ratten hätten die Kinder nachts Angst, die Toilette auf dem Gang zu nutzen.

Der Vermieter sagt dazu, im Hinterhof seien schon Köder ausgelegt. Im Haus könne man wegen der Kinder derzeit kein Gift auslegen. Er zeichnet von der Familie ein ganz anderes Bild. Die Roma würden von anderen Mietern Strom abzapfen. Dazu ließen sie Abend für Abend in einem der zwangsgeräumten Zimmer andere Roma übernachten - er vermutet: gegen Geld. Wegen der Ratten sei der Fachbereich Gesundheit der Region eingeschaltet, heißt es vonseiten der Stadt lapidar. Mit Blick auf den Räumungstermin bemühe man sich, rechtzeitig für die Familie eine Lösung zu finden.

Fünf Familien sind im Haus gemeldet

In dem Problemhaus leben nach Angaben der Stadt noch fünf weitere Familien aus Rumänien und Bulgarien mit insgesamt neun Kindern verschiedenen Alters, darunter offenbar auch Roma. Die Familien lebten im Vorderhaus der Schrottimmobilie, in dem die Wohnumstände nicht so schlimm seien wie in den einzeln vermieteten Zimmern, heißt es vonseiten der Stadt. Drei der Familien seien durch Kündigung von Zwangsräumung bedroht. Darunter ist nach Informationen der HAZ eine alleinstehende Frau mit vier Kindern, die ebenfalls mittlerweile ohne Licht, Gas und Heizung lebt, auch eine weitere Mietpartei ist mittlerweile offenbar von jeder Versorgung gekappt.

Die Mieter dort zahlten seit vielen Monaten ihre Rechnungen nicht. Anfang September sei deshalb die Inkassomaschinerie in Gang gesetzt worden, sagt Stadtwerkesprecher Carlo Kallen. Teils seien schon Zähler ausgebaut worden, teils sei Enercity der Zutritt zu den Zählern verweigert worden. Also habe man auf Zutritt geklagt.

jr

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