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Stadt Hannover „Eine Sparkasse ist nicht bloß eine Bank“
Aus der Region Stadt Hannover „Eine Sparkasse ist nicht bloß eine Bank“
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00:16 10.10.2016
Von Andreas Schinkel
Die Schließung der kleinen Filiale am ­Davenstedter Markt kommt für Anwohner nicht überraschend. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Der Buchhändler auf der Lister Meile weiß, was er jetzt zu tun hat. „Wenn die Sparkasse auf der Lister Meile schließt, bringe ich unser Geld zur Commerzbank“, sagt Dirk Eberitzsch, Chef von Leuenhagen + Paris. Zwar könne er noch die weiter entfernte Sparkassen-Filiale am Lister Platz ansteuern, aber der Weg sei deutlich weiter. „Ich kann meinen Mitarbeitern nicht zumuten, mit der Geldkassette lange durch die Stadt zu gehen“, sagt Eberitzsch.

Nicht nur die Einkaufsmeile verliert eine Sparkassen-Filiale, insgesamt 19 Zweigstellen in Stadt und Umland sollen schließen. Man reagiere auf die Zinsentwicklung und auf das Kundenverhalten, heißt es. Immer mehr Menschen erledigten ihre Bankgeschäfte am Computer. „Es kommen zu wenige Kunden in die kleinen Filialen“, sagte Sparkassen-Vorstandschef Heinrich Jagau am Donnerstag bei der Vorstellung der Sparpläne.

Kommunalpolitiker in den Stadtteilen können das nicht nachvollziehen. „Es gibt viele ältere Menschen, die mit Onlinebanking nicht viel anfangen können“, sagt Michael Sandow (SPD), Bezirksbürgermeister in Mitte. Wenn die Filiale in seinem Beritt in der Calenberger Straße dichtmache, sei das eine Katastrophe. „Eine Sparkasse ist nicht bloß eine Bank, sie hat für viele Ältere eine soziale Funktion“, sagt Sandow und hofft, dass der Sparkassen-Vorstand sein Vorhaben überdenkt. Im Grunde seien die Sparpläne eine Unverschämtheit angesichts üppiger Vorstandsgehälter, meint er.

Den vorwurfsvollen Unterton schlagen andere Kommunalpolitiker nicht an, sie sind aber gleichfalls unzufrieden. „Es ist noch nicht lange her, seit die Sparkasse in der Nordstadt am Engelbosteler Damm renoviert wurde“, sagt Edeltraut-Inge Geschke (SPD), Bezirksbürgermeisterin im Norden. Wenn jetzt Schluss sei am E-Damm, müssten Kunden und Geschäftsleute auf der Einkaufsstraße einen herben Verlust hinnehmen. „Die nächste Filiale dürfte sich erst in der City befinden“, sagt Geschke.

Oliver Kiaman, CDU-Ratsherr aus Davenstedt, ist keineswegs überrascht, als er den Namen seiner Sparkassen-Filiale auf der Streichliste findet. „Die Bank ist sehr klein und die nächste Zweigstelle in Badenstedt nur ein paar Minuten entfernt“, sagt Kiaman. Die Schließung werde aber dem Davenstedter Markt als Wirtschaftsstandort schaden, vermutet der CDU-Politiker. Schon der Wochenmarkt habe große Probleme, sich auf dem Stadtteilplatz zu halten.

In Groß-Buchholz soll die Sparkasse an der Schierholzstraße weichen. Die sei zwar sehr klein, sagt Bezirksbürgermeiser Henning Hofmann (SPD), aber die einzige Filiale in dem Viertel. „Ältere und Mütter mit kleinen Kindern müssen jetzt weite Wege in Kauf nehmen“, sagt Hofmann. Andererseits könne er die Maßnahmen der Sparkasse verstehen, das Unternehmen stehe unter Druck.

In Linden-Limmer ist Bezirksbürgermeister Rainer Grube erleichtert, dass zumindest die Sparkasse an der Limmerstraße erhalten bleibt. Geschlossen wird nur die winzige Filiale an der Wunstorfer Straße gegenüber dem neuen ­Gymnasium Limmer. „Ich hoffe, dass dort zumindest Geldautomaten und Konto-Terminals aufgestellt werden“, sagt Grube.

Nachgefragt bei Klaus Dickneite, Vize-Vorsitzender des Seniorenbeirats

„Das ist nicht akzeptabel“

Was sagen Sie zu den Sparplänen der Sparkasse?

Die Sparkasse nötigt ihren Kunden auf, Bankgeschäfte per Computer zu erledigen, und ignoriert, dass viele Menschen das aus Altersgründen gar nicht können. Das ist nicht akzeptabel. Trotz aller Digitalisierung – die Zeit ist noch nicht reif, Filialen in einem solchen Umfang zu schließen. Die heutige Seniorengeneration ist noch nicht so weit.

Wo liegen die Probleme?

Viele Senioren haben schon Schwierigkeiten, die Geldautomaten zu bedienen. Auch haben ältere Menschen ein großes Misstrauen gegenüber der Sicherheit bei Bankgeschäften am Computer. Ich persönlich habe da auch meine Vorbehalte. Hinzu kommt, dass Senioren darauf angewiesen sind, in einer Bankfiliale auf Menschen zu treffen, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen – ein Automat oder der Computermonitor können das nicht ersetzen.

Was wird passieren, wenn die Sparkasse ihre Filialen im geplanten Umfang schließt?

Die Wege werden vielerorts so lang, dass Senioren sie nicht mehr bewältigen können – aber für sie ist Onlinebanking eben auch keine Alternative. Für Ältere wird es keine andere Möglichkeit mehr geben, als einer Person ihres Vertrauens mit einer Vollmacht ihre Bankgeschäfte anzuvertrauen. Das ist auch eine Form der Entmündigung.

Was plant der Seniorenbeirat?

Wir schreiben der Sparkasse einen Brief, in dem wir unseren Protest deutlich zum Ausdruck bringen. Unterstützung erhoffen wir uns von den Bezirksräten.

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