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Stadt Hannover Region Hannover nimmt mehr Kinder in Obhut
Aus der Region Stadt Hannover Region Hannover nimmt mehr Kinder in Obhut
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00:32 15.06.2018
Ein behütetes Aufwachsen ist nicht selbstverständlich. Die Region Hannover muss immer häufiger Kinder aus der Familie nehmen. Quelle: dpa
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Hannover

Die Region Hannover hat im Jahr 2017 insgesamt 245 Kinder und Jugendliche kurzfristig in Obhut genommen, weil die Situation in der Familie bedrohlich erschien. Das sind 35 Fälle mehr als im Jahr zuvor: 2016 hatte die Jugendhilfe der Region 210 Minderjährige bis zur Klärung der Lage zu ihrem Schutz anderswo untergebracht. Die Inobhutnahmen dauern inzwischen auch deutlich länger an. Nur in 26 Prozent der Fälle gelingt eine schnelle Klärung innerhalb von eine Woche. 19 Prozent der Kinder bleiben ein bis zwei Monate in der Zwischen-Unterkunft, 20 Prozent sogar bis zu sechs Monate. In dieser Zeit leben die Minderjährigen meist in speziellen Heimgruppen oder auch in Pflegefamilien.

„Es dauert lange, wenn die Eltern nicht mit einer Unterbringung einverstanden sind oder wir keinen passenden Platz in einem Heim finden“, erläutert Anke Schröter, Koordinatorin des Allgemeinen Sozialdienstes (ASD) im Jugendhilfeausschuss der Region. 38 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind nach Prüfung der Familiensituation längerfristig von ihren Eltern getrennt und in einem Heim untergebracht worden. Insgesamt nimmt rund die Hälfte der Familien nach der Beratung Hilfe in Anspruch. „Die Eltern fühlen sich häufig mit der Erziehung überfordert“, berichtet die Koordinatorin.

Ein Großteil (67 Prozent) der in Obhut genommenen Kinder und Jugendlichen sind 12 bis 18 Jahre alt. „Viele Jugendliche wenden sich in der Pubertät aus eigenem Antrieb ans Jugendamt und suchen Hilfe“, sagt Schröter. Dies erkläre zum Teil die gestiegenen Zahlen, die der Kinderschutzbericht des Fachbereichs Jugend der Region ausweist. In 16 Prozent der Fälle ist eine Gefährdung des Kindeswohles, also Vernachlässigung oder Anzeichen von Kindesmisshandlung oder Missbrauch, Grund für die Inobhutnahme.

Gestiegen ist ebenfalls die Zahl der Fälle, in denen der ASD eine Kindeswohlgefährdung prüft. „Wir machen das, wenn es dafür wesentliche Anhaltspunkte gibt“, erläutert Schröter. Die Hinweise kommen von Bürgern, Lehrern, Erzieherinnen in der Kita, die ihren Verdacht mitteilen. Wichtige Hinweisgeber sind auch Polizeibeamte, die wegen Gewalt zwischen Erwachsenen in eine Familie gerufen werden. 2017 haben die ASD-Mitarbeiter die Situation von 799 Kindern überprüft, ein Anstieg von knapp zwölf Prozent zum Vorjahr. Mit den steigenden Zahlen liegt die Region im bundesweiten Trend.

„Je jünger ein Kind ist, desto genauer müssen wir hinsehen“, betont die Fachfrau. 21 Prozent der Kinder sind jünger als drei Jahre. In 75 Prozent der Fälle erwies sich die Sorge als unberechtigt. Dennoch stellte sich heraus, dass die Hälfte dieser Eltern Unterstützung bei der Erziehung braucht und seitdem in Anspruch nimmt. Bei 93 Kindern gab es Anzeichen für Vernachlässigung, bei 150 Kindern Hinweise auf Misshandlung, bei sechs Kindern Anzeichen, dass sie sexuelle Gewalt erleiden mussten. Bei einigen dieser Kinder oder Jugendlichen trifft mehreres zu.

Insgesamt ist die Region für rund 77.300 Kinder und Jugendliche als Jugendamt zuständig. Sie übernimmt diese Aufgabe für 16 der 21 Städte in ihrem Gebiet. Hannover, Laatzen, Langenhagen, Lehrte und Burgdorf haben ein eigenes Jugendamt.

Was regelt das Kinderschutzgesetz?

Das 2012 eingeführte bundesweite Kinderschutzgesetz hat die Arbeit von Mitarbeitern in Jugendämtern und anderen Berufsgruppen verändert. Mit dem Gesetz sollen vor allem Kleinkinder vor Vernachlässigung, Verwahrlosung, Gewalt und Missbrauch geschützt werden. Mitarbeiter in Jugendämtern, Schulen, Gesundheitsämtern, Krankenhäusern, Ärzte und Polizei sind zu einer verbesserten Kooperation aufgefordert. Ein Beispiel: Jugendämter können seitdem untereinander Informationen über betreute Familien weitergeben. In der Vergangenheit hatten sich Eltern mit problematischen Verhalten dagegen durch Umzug dem Zugriff des Jugendamts entzogen.

Seit der Gesetzesnovelle dokumentieren Jugendämter, wenn sie aufgrund eines Verdachts die mögliche Gefährdung eines Kindes überprüfen. Die Zahl der Kontrollen und auch der festgestellten problematischen Befunde steigt seitdem stetig an.

Von Bärbel Hilbig

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