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Stadt Hannover Bauern wollen nicht am Pranger stehen
Aus der Region Stadt Hannover Bauern wollen nicht am Pranger stehen
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20:31 18.09.2016
Von Michael Zgoll
Von „Finkenwerder Herbstprinz“ bis „Geheimrat Dr. Oldenburg“: Obstbauer Volker Deterding präsentiert rund 100 historische Apfelsorten. Quelle: Philipp von Ditfurth
Springe

Sie möchten nicht als Vertreter einer konventionell betriebenen Landwirtschaft gelten, denen Umwelt- und Naturschutz egal ist. Ob Pflanzenschutz- und Düngemittel, ob Glyphosat oder Gülle - niemand verwende diese Mittel leichtfertig. „Die Bauern haben erkannt, dass sich etwas ändern muss“, warb der Landvolkkreisverbands-Vorsitzende Volker Hahn um Verständnis, „aber wir brauchen Zeit und die Unterstützung der Bevölkerung.“ Mit Blick auf die Wetterkapriolen der vergangenen Monate sprach Hahn von großteils zufriedenstellenden Ernteerträgen: „Wir sind noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen.“

Bei bestem Spätsommerwetter besuchten am Sonntag viele Hundert Gäste das Rittergut in Gestorf. Der Arbeitskreis junger Landwirte kutschierte Unternehmungslustige mit Trecker und Hänger in die Feldmark, die Landfrauen hatten ein gigantisches Kuchenbüfett aufgebaut, Hobbygärtner konnten Apfel- und Birnensorten bestimmen lassen, und an Infoständen war Wissenswertes über Zuckerrübenanbau, Imkerei oder das Jagdwesen in der Region zu erfahren. Die rund 100 historischen Apfelsorten, die eine Obstbaumschule ausstellte, faszinierten schon durch ihre Namen: vom „Finkenwerder Herbstprinz“ über den „Ruhm aus Kirchwerder“ bis zum „Geheimrat Dr. Oldenburg“. Die Kinder interessierten sich eher weniger für die ollen Äppel - sie tobten lieber auf einem Hügel von Strohballen herum oder kurvten mit Minitreckern durch den Slalomparcours.

An den Sinn des Erntedankfests erinnerte Regionspräsident Hauke Jagau, dem die Landfrauen des Kreisverbands Springe eine schwergewichtige Erntekrone überreichten. Viele Menschen in der Welt wären froh, wenn ihnen nur ein Bruchteil der Lebensmittel zur Verfügung stünde wie in Deutschland. Andererseits würden sich die Bürger hierzulande oft nicht klarmachen, wie viel Arbeit in der Erzeugung bäuerlicher Produkte steckt. Jagau wandte sich dagegen, Landwirtschaft pauschal in schwarz (konventionelle Produktion) und weiß (Bio) aufzuteilen: In Wahrheit gebe es schon viele Annäherungen und Zwischenlösungen.

Auch Anneliese Hake, Vorsitzende der Springer Landfrauen, warnte vor Vereinfachungen: Die Kinderbuchidylle eines Bauernhofs habe mit der Realität eines Betriebs, der weltweit mit Landwirten im Wettbewerb stehe, nichts zu tun. „Aber auch konventionell arbeitende Betriebe stecken schon viel Geld in den Naturschutz“, sagte Betriebsleiter Eberhard von Ilten-Ausmeyer vom Rittergut Gestorf. „Wir wollen, dass man uns unser Arbeitsethos abnimmt, genau wie das Fachleuten aus anderen Berufen auch abgenommen wird“, so die Forderung des Landwirts.

 

Digitale Technik schont die Umwelt

Effiziente Betriebe: Der Gestorfer Landwirt Eberhard von Ilten-Ausmeyer wartete auf dem Regionserntefest mit beeindruckenden Zahlen auf. Sein Betrieb produziert auf 370 Hektar Fläche Weizen für 38?000 sowie Zucker und Rapsöl für je 37?000 Verbraucher – mit ihm als Chef und zwei Fachkräften. Hinzu kommt noch das Bedienpersonal für Spezialmaschinen wie den Rübenroder, den er sich leiht. „Die Arbeitsplätze in der Landwirtschaft sind durch den hohen Grad der Technisierung die teuersten in Deutschland“, sagte von Ilten-Ausmeyer. So wurden hier 1980 um die 50 Tonnen Zuckerrüben pro Hektar geerntet – heute sind es 80 Tonnen. „Dabei werden weniger Pflanzenschutz- und Düngemittel oder Dieseltreibstoff verwendet als damals“, ergänzte der Betriebsleiter. Im Sinne einer umweltschonenden und noch kostengünstigeren Landwirtschaft komme zunehmend „smarte“ Digitaltechnik zum Einsatz: Drohnen, mit denen Unkraut punktgenau bekämpft werden kann oder GPS-Sender auf Traktoren, mit denen der Bauer etwa den Einsatz von Düngemitteln auf spitz zulaufenden Ackerflächen exakt per Einzel-Düsen steuern kann.

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