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Stadt Hannover Wer geht für die SPD nach Berlin?
Aus der Region Stadt Hannover Wer geht für die SPD nach Berlin?
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08:00 31.12.2016
Von Andreas Schinkel
Quelle: Montage/HAZ
Hannover

Um einen Sitz im Bundestag buhlt zum einen Yasmin Fahimi, gewerkschaftsnah, 2014 von Sigmar Gabriel als SPD-Generalsekretärin auf die Berliner Bühne katapultiert. Aber auch Jasmin Arbabian-Vogel, eine filigran vernetzte Unternehmerin ist interessiert. Außerdem will der 24-jährige Marlo Kratzke nach Berlin, ein mehr oder weniger unbeschriebenes Blatt, aber blitzgescheit. Als er geboren wurde, saß Bulmahn schon fast sechs Jahre im Bundestag.

Drei Kandidaten, ein Ziel - Berlin. Es rumort in der Partei, ein Kampf um die besten Köpfe steht an - und das stößt in der SPD-Spitze auf Wohlwollen. „Der Konkurrenzkampf ist gut für die Partei“, sagt der Chef der hannoverschen Sozialdemokraten, Alptekin Kirci. „Die SPD ist gut aufgestellt“, sagt Kirci. Selbst politische Gegner sehen keinen Anlass, dem Urteil des Parteichefs zu widersprechen. „Die Kampfkandidaturen zeigen, dass die SPD noch lebt“, sagt ein CDU-Mann.

Kandidaten stellen sich bei Ortsvereinen vor

Yasmin Fahimi

Die 48-Jährige ist in Altwarmbüchen aufgewachsen und später nach Hannover gezogen. Ihr Vater war ein iranischer Chemiker, ihre Mutter ist Deutsche. Fahimi studierte Chemie an der Universität Hannover. Ihre berufliche Karriere begann sie bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Ihr Lebensgefährte ist der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis. Fahimi gehört seit 1986 der SPD an, sie gilt als Vertreterin der Partei-Linken. Derzeit ist sie Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium. Warum sie sich für eine Bundestagskandidatur bewirbt? „Wir sollten es den Populisten nicht überlassen, eine Idee von der Gestaltung unseres Landes zu entwickeln“, sagt sie.

Entschieden wird das Rennen um die Bulmahn-Nachfolge am 3. März bei der SPD-Delegiertenversammlung. Zuvor stellen sich die drei Bewerber in zehn SPD-Ortsvereinen vor - eine „Ochsentour“, wie es in SPD-Kreisen heißt. Die Kandidaten müssen sich im besten Licht zeigen, dürfen über die Konkurrenten aber nicht herfallen, das gebietet der parteipolitische Anstand. Die Ortsvereine geben am Ende eine Empfehlung ab, die für die Delegierten nicht bindend ist. Das mag wie eine Formalie klingen, die Spontaneität der Genossen ist jedoch nicht zu unterschätzen.

Arbabian-Vogel weiß davon ein Lied zu singen. Sie hatte sich bei der jüngsten Landtagswahl um eine Kandidatur beworben, und nach der Tour durch die Ortsvereine lag sie in der Gunst der Genossen vorne. Bei der Delegiertenwahl verfehlte sie aber die Mehrheit ganz knapp. Michael Höntsch wurde zum Kandidaten gekürt.

Wer als Sieger aus der Delegiertenabstimmung hervorgeht, muss sich bei der Bundestagswahl mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) messen. Sie ist die große Konkurrentin im Kampf um ein Direktmandat für den Bereich Hannover-Süd. Die SPD muss die Frage beantworten: Wer von den dreien könnte gegen von der Leyen bestehen?

Yasmin Fahimi gilt als Favoritin

Jasmin Arbabian-Vogel

Die 48-Jährige ist in Hannover geboren, aber im Iran aufgewachsen, der Heimat ihres Vaters. Kurz nach ihrem Abitur entschloss sich die Familie, das Land zu verlassen. Arbabian-Vogel ging zurück nach Hannover und studierte Politologie und Sozialpsychologie. Nach ihrem Uni-Abschluss gründete sie den Interkulturellen Sozialdienst. Arbabian-Vogel bekleidet etliche Ehrenämter, die Mutter von zwei Kindern ist unter anderem Honorarkonsulin von Schweden und im Vorstand des Verbands Gesundheitswirtschaft Hannover. Warum will sie jetzt noch in den Bundestag? „Die Politik greift den Populismus auf. Ich will mir nicht vorwerfen lassen, nichts dagegen getan zu haben“, sagt sie.

Yasmin Fahimi dürfte vielen Menschen auch außerhalb der SPD ein Begriff sein. Die 48-Jährige mit iranischen Wurzeln war zwei Jahre Generalsekretärin der SPD. Für Fahimi eine durchwachsene Zeit, insbesondere das Verhältnis zu Parteichef Sigmar Gabriel war nicht immer einfach. Einige Genossen bemängelten, dass Fahimi nicht über Wahlkampferfahrung verfüge, weil sie nie ein Mandat in Berlin errungen hatte. Wie soll eine solche Generalsekretärin den Bundestagswahlkampf 2017 organisieren, fragten sich einige. Fahimi wechselte dann überraschend ins Arbeitsministerium und wurde Staatssekretärin. Jetzt dreht sie ihren Kritikern eine Nase und stellt sich selbst zur Wahl. „Es juckt mir in den Fingern, in dieser Zeit Politik zu gestalten“, sagt sie.

Fahimi gilt als Favoritin im Kampf um die Kandidatur, dicht gefolgt von Jasmin Arbabian-Vogel. Auf den ersten Blick ergeben sich zwischen den beiden Frauen viele Überschneidungen. Auch Arbabian-Vogel ist Halb-Iranerin, im selben Alter wie Fahimi und mit ähnlichen Themenschwerpunkten. Arbeitspolitik liegt Arbabian-Vogel am Herzen, doch als Unternehmerin nimmt sie eine andere Perspektive ein als die langjährige Gewerkschafterin Fahimi. „Das Unternehmertum ist zu negativ besetzt in der SPD“, sagt Arbabian-Vogel, die einen Interkulturellen Pflegedienst mit 150 Mitarbeitern betreibt. Bekannt geworden ist sie in Hannover als Organisatorin einer Großdemonstration gegen die rechtspopulistische Hagida-Bewegung.

Kratzke: "Ich habe mir gründlich Gedanken gemacht"

Marlo Kratzke

Der 24-Jährige schließt im Februar sein Master-Studium zum Wirtschaftspsychologen ab. Es ist bereits sein zweiter Uni-Abschluss. Zuvor hat Kratzke Betriebswirtschaftslehre studiert. Derzeit arbeitet er für eine Langenhagener Firma. Der SPD gehört Kratzke seit 2010 an, im Bezirksrat Ricklingen ist er stellvertretender Chef der SPD-Fraktion. Zudem engagiert er sich bei den Jusos, der SPD-Nachwuchsorganisation. Mit seiner Lebensgefährtin ist Kratzke seit zehn Jahren zusammen. Warum es ihn jetzt in den Bundestag zieht? „Ich will mich dafür einsetzen, dass eine Mindestvergütung für Azubis eingeführt wird. Zudem sollten die Kommunen vom Bund finanziell besser unterstützt werden.“

Marlo Kratzke ist halb so alt wie seine Konkurrentinnen, aber an Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht. „Wenn mich meine Partei als Bundestagskandidat aufstellt, bin ich fest davon überzeugt, dass ich den Wahlkreis gegen Ursula von der Leyen mit einem deutlichen Vorsprung gewinne“, sagt der studierte Ökonom. Die politische Karriere Kratzkes steht noch am Anfang. Derzeit ist der 24-Jährige stellvertretender Fraktionschef im Bezirksrat Ricklingen und Vorsitzender der Jusos in Hannover Südwest. Als Kratzke seinen Hut in den Ring warf und von seinem Ortsverein ein einstimmiges Votum bekam, glaubten viele Sozialdemokraten an einen unüberlegten Schnellschuss. Dem widerspricht der Nachwuchspolitiker. „Über meine Bewerbung habe ich mir gründlich Gedanken gemacht“, sagt er. Wahlkampf will er vor allem über die sozialen Medien machen.

Seine Konkurrentinnen sehen Kratzke mit gemischten Gefühlen. Arbabian-Vogel räumt ihm durchaus Chancen ein, weil er starken Rückhalt in seinem Stadtbezirk genießt. Fahimi will sich nicht über ihre Mitbewerber äußern, meint aber: „Die Partei muss sich überlegen, wem sie es am ehesten zutraut, bundespolitisch Präsenz zu zeigen.“ Interessant ist nicht nur, wer sich um eine Kandidatur bewirbt, sondern auch, wer sich nicht bewirbt. Viele hannoversche Sozialdemokraten hatten erwartet, dass die Chefin der SPD-Ratsfraktion, Christine Kastning, ein Ticket nach Berlin ziehen will. Theoretisch könnte sie noch in der Delegiertenversammlung am 3. März aufstehen und den Finger heben, aber damit rechnet niemand. „Vermutlich ist sie ganz zufrieden mit ihrem Amt im Rat“, sagt ein Sozialdemokrat.

In Hannover und in den Umlandkommunen hat sich die Zahl der Flüchtlinge, die freiwillig in ihre Heimat zurückkehren, innerhalb des vergangenen Jahres fast verdreifacht. 2015 hatte es noch nur 356 Rückkehrer gegeben - 2016 waren es in Stadt und Umland bereits 1091.

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