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Stadt Hannover Das Traditionshaus Bumke verlässt die City
Aus der Region Stadt Hannover Das Traditionshaus Bumke verlässt die City
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00:16 20.07.2017
Von Bärbel Hilbig
Seit 1945 gibt es den 
Großhandel Bumke am 
Engelbosteler Damm. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Die alte Dame hatte bis zuletzt alles gut im Blick. Die Terrasse ihrer Wohnung im obersten Stock ging auf die Hinterhöfe hinaus. Dort konnte Inge Bergmann beobachten, wie Lieferungen bei der Hermann Bumke GmbH & Co. KG eingingen oder Handwerker sich bei dem Großhändler mit Schaltern oder Kabeln versorgten. Rund 50 Jahre hat Inge Bergmann das Unternehmen am Engelbosteler Damm geleitet, seit dem Tod ihres Vaters Eduard 1973 war sie allein verantwortlich. Ein Lebenswerk. Noch dazu in einer Zeit, in der dies für Frauen als ungewöhnlich galt.

„Sie wusste ganz gerne Bescheid und wollte weiter auf ihre alte Firma schauen“, erzählt Prokurist Gerhard Johanning. Einblick in die Bilanzen hatte Inge Bergmann zur Bedingung gemacht, als sie ihren Sanitär- und Elektrogroßhandel 2002 an die Zander-Gruppe verkaufte. Sie blieb aber Eigentümerin der Firmengrundstücke in der Nordstadt. Ein alter Mietvertrag, noch aus den Siebzigerjahren, sollte das Unternehmen bis zum Jahr 2026 vor Ort halten.

Beengte Lage in der Stadt

Das wird sich nun alles ändern. Vergangenes Jahr ist Inge Bergmann mit 89 Jahren gestorben. Als Erben hat sie verschiedene gemeinnützige Organisationen eingesetzt, für die ein Nachlassverwalter das rund 9000 Quadratmeter große Firmengelände in Nähe der Christuskirche verkaufen will.

Für das Unternehmen wurde es Zeit. Dass der Großhandel sich bis heute in beengter Lage zwischen Wohnhäusern in Innenstadtnähe gehalten hat, ist mehr als ungewöhnlich. „Es knirscht an allen Ecken und Enden“, beschreibt es Prokurist Johanning. Bumke handelt mit Elektroartikeln und Sanitärbedarf: von der Sicherung bis zur Fotovoltaikanlage, LED-Leuchten, Jalousiemotoren, Heizkörper und Armaturen. Facheinzelhändler, Elektriker und Installateure, öffentliche Einrichtungen und die Instandhaltung großer Industriebetriebe wie Conti oder Bahlsen decken bei Bumke ihren Bedarf. Die Sanitärabteilung ist längst ausgegliedert. Bleiben noch mehr als 60 000 unterschiedliche Artikel der Elektro-Sparte, die der Großhändler am Nordstädter Firmensitz lagert.

Neubau mit großer Badausstellung geplant

Trotz der Schwierigkeiten am bisherigen Standort hat die Hermann Albert Bumke GmbH & Co. KG in den vergangenen zwölf Jahren ihre Mitarbeiterzahl verdoppelt und den Umsatz verdreifacht. Insgesamt beschäftigt Bumke an seinen in Kürze 13 Standorten 250 Mitarbeiter, davon 120 am Stammsitz in Hannover. Größere Filialen gibt es in Braunschweig, Wolfsburg, Göttingen und Bielefeld.

Bis Ende 2019 verlässt die Firma ihr bisheriges Gelände. Bumke plant Neubauten auf einem neu zu erwerbenden Grundstück. Denkbar ist auch eine Aufsplittung: Logistik und Lager in Autobahnnähe außerhalb der Stadtgrenze sowie Büros und Ausstellungsfläche im nördlichen Hannover. Die neue Sanitärausstellung soll auf 800 bis 1000 Quadratmetern 150 bis 200 Bäder zeigen. Geplant ist auch ein Abholmarkt. bil     

Schleppen treppauf, treppab

Doch die Ware muss transportiert werden. Wenn 18 Meter lange Sattelzüge zeitgleich das Firmengelände ansteuern, geht auf dem Engelbosteler Damm nichts mehr. „Wir haben deshalb häufiger die Polizei zu Gast“, berichtet Johanning. Die Mitarbeiter könnten sich dann nur bemühen, die Lastwagen schnell in den Hof zu lotsen. Dort wartet das nächste Problem. Die Lager verteilen sich auf mehrere Gebäude und fünf Etagen. Beinahe täglich fällt einer der mehr als 50 Jahre alten Lastenfahrstühle aus. „Der Techniker, der sie noch reparieren kann, wohnt fast bei uns“, scherzt Johanning. Manchmal bleibt den Mitarbeitern nichts übrig, als Waschmaschinen treppauf oder treppab zu schleppen.

1946 war die Firma an den Engelbosteler Damm gezogen, weil der 1909 gegründete erste Standort an der Rundestraße den Krieg nicht überstanden hatte. In der Nordstadt kaufte Bumke einen Hinterhof nach dem anderen hinzu, wuchs geradezu in das Viertel hinein. Etliche ältere Gebäude stehen auf dem Gelände: rote Klinkerbauten, die zum Teil Wohnhäuser gewesen sein mögen, und mehrstöckige Gewerbehallen mit hohen Decken und Fenstern. In einem gelben Backsteinbau residierte bis in die Sechzigerjahre das Metropol-Lichtspieltheater. Das alte Kino dient nun als Lager, in eingebauten Büros arbeiten Mitarbeiter aus Buchhaltung und Verwaltung.

Beim Übergang von einem Gebäude zum anderen geht es Treppchen hinauf oder Schrägen hinab in Zwischenetagen. Die Gebäude aus verschiedenen Epochen sind zu einem verwinkelten Labyrinth verschmolzen. „Neue Azubis brauchen lange, bis sie sich zurechtfinden“, berichtet der Prokurist. In weitläufigen Kellern unter dem gesamten Gelände warten rund 4000 Waschmaschinen, Kühlschränke und Herde auf Abnehmer.

Bis unterm Dach in der fünften Etage ist jeder Zentimeter Lagerfläche ausgenutzt. Selbst in den Höfen stehen unter jedem Vordach Kisten und liegen riesige Kabeltrommeln, manche eine Tonne schwer. Dabei versprach man sich Entlastung, als die Sanitärabteilung vor einigen Jahren nach Vinnhorst zog. In der Ausstellung am Engelbosteler Damm sind „nur“ 40 Musterbadezimmer zu sehen.

Arbeiten rund um die Uhr?

In den alten Gewerbeetagen entfalten hohe, einfach verglaste Sprossenfenster einen besonderen Charme. Doch die Mitarbeiter, die hier Ware kommissionieren, bekommen im Sommer die Hitze, im Winter die Kälte zu spüren.

Ein Handicap ist die Lage für den Großhändler nicht nur wegen der Enge. „Unsere Kunden bestellen oft nachts per Internet und erwarten, dass die Lieferung morgens vor ihrer Tür steht“, berichtet Geschäftsführer Heinrich Widdel. Arbeiten rund um die Uhr? Unmöglich für Bumke. Angesichts der angrenzenden Wohnhäuser dürfen die Beschäftigten nur von 6 bis maximal 20 Uhr arbeiten. Auch das Wochenende ist tabu. Für die Mitarbeiter in der Logistik steht an einem neuen Standort also Schichtarbeit an. Dafür wird die Arbeit in einem teilautomatisierten Lager deutlich leichter. „Es freuen sich wirklich alle, dass wir hier endlich raus können“, beteuert Widdel. Und Inge Bergmann? Die erlebt es nicht mehr. Aber wenn es dem Betrieb nützt, hätte sie am Ende wohl auch nichts einzuwenden gehabt.     

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