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Stadt Hannover „Stopp! Hör jetzt auf!“
Aus der Region Stadt Hannover „Stopp! Hör jetzt auf!“
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21:08 16.12.2014
Bloß keinen Streit: Björn Rudolph übt mit Schülern in der Turnhalle. Quelle: Tobias Kleinschmidt
Hannover

„Stopp! Fass mich so nicht an!“ - „Nein, das tut mir weh!“ - „Hör jetzt auf oder ich hole einen Erwachsenen!“: Mit fester Stimme sagen die Zweitklässler der Grundschule Lüneburger Damm ihre Merksätze auf. Die zwanzig Kinder stehen in der Turnhalle im Kreis, aufrechte Haltung, klare Mimik und die soeben gelernte „Stopphand“ mit ausgestrecktem Arm unterstreichen ihren Ausruf. Von Unsicherheit keine Spur, Sätze und Gesten sitzen. Spielerisch bringt ihnen Björn Rudolph bei, in Konfliktsituationen richtig und sicher zu reagieren. „Das Lernen in Bewegung ist hierbei entscheidend“, sagt er, die Kinder sollen Spaß beim Lernen haben.

Seit einem Monat läuft an der Schule das Projekt Gewaltfrei Lernen: Der gleichnamige Verein um Sibylle Wanders und Oliver Henneke organisiert Schulungen, die Schülern, aber auch Eltern und Lehrern Präventionsmaßnahmen gegen Ausgrenzung und Mobbing vermitteln. Nicht nur verbale, sondern auch körperliche Verteidigung wird hier erprobt: Deeskalierend können sich die Kleinen mit dem „Zaubergriff“ aus einer festen Umklammerung lösen.

Das Projekt Gewaltfrei Lernen wird durch die Sparda-Bank Hannover-Stiftung unterstützt. Sie hat das Projekt in Niedersachsen, Bremen und Ostwestfalen-Lippe in den vergangenen fünf Jahren mit insgesamt 400.000 Euro gesponsert. „Seit wir dieses Projekt begleiten, beobachten wir, wie gut die Maßnahmen funktionieren. Es mag kein Allheilmittel sein, aber es leistet doch einen großen Beitrag, die Kinder zu friedlichen und freundlichen Mitbürgern zu erziehen“, sagt Stiftungsmanagerin Tania Rubenis. Die Grundschule Lüneburger Damm erhielt in diesem Jahr 8000 Euro. Das reicht für insgesamt 16 Lerngruppen, die in sechs Schulstunden den fairen Umgang miteinander lernen. Die Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit sollen auf diesem Weg trainiert werden. „Der Umgang miteinander hat sich bereits in der kurzen Zeit verändert“, sagt Elisabeth Holtkamp, Schulleiterin der Grundschule. Zusätzlich gibt es nun auch ein „rotes Buch“. Darin werden Verhaltensverstöße eingetragen, bei fünf Vermerken werden die Eltern benachrichtigt. Doch das Training und die Merksätze finden immer häufiger konkrete Anwendung auf dem Schulhof.

Pilotprojekt mit der LWF

Das soziale Lernen findet in der Grundschule auf verschiedenen Ebenen statt. Zum einen vereint die Schule Kinder unterschiedlicher Herkunft und sozialer Schichten: Flüchtlingskinder und Kinder aus dem bürgerlichen Heideviertel lernen und spielen gemeinsam. Zum anderen verfolgt sie in einem Pilotversuch seit einem Jahr ein Kooperationskonzept mit der Ludolf-Wilhelm-Fricke-Förderschule (LWF). Neun emotional oder soziale förderungsbedürftige Kinder werden so an der Grundschule Lüneburger Damm von Lehrkräften der Förderschule unterrichtet, formell gehören sie jedoch inzwischen zur LWF-Schule. „Eigentlich würde man sagen, dass man diesen Kindern auf einer regulären Schule nicht mehr helfen kann. Aber hier erhalten sie die Chance, in ihren Klassenverbänden zu bleiben und trotzdem eine besondere Förderung zu bekommen“, erklärt Thomas Eichler, pädagogischer Mitarbeiter der LWF-Schule, das Prinzip der Kooperationsklasse. Für den Bezirksbürgermeister Buchholz-Kleefeld, Henning Hofmann, ist die Schule im Heideviertel damit ein „Leuchtturm“ in der hannoverschen Schullandschaft geworden.

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