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Stadt Hannover So diskutieren junge Leute mit Stephan Weil
Aus der Region Stadt Hannover So diskutieren junge Leute mit Stephan Weil
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00:16 08.02.2019
Stellt sich dem Streitgespräch: Ministerpräsident Stephan Weil (Mitte). Quelle: Rainer Droese
Hannover

Haben die Menschen das Streiten verlernt? Die Initiative Offene Gesellschaft glaubt: ja. Zumindest herrschte bei den vergangenen Diskussionsveranstaltungen oft Konsens. Daher hat die Initiative gemeinsam mit dem Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung (IJK) am Montag ein Streitgespräch im Transformationswerk unter dem Motto „Gib mir Kontra!“ veranstaltet. Eingeladen waren junge Menschen mit Interesse an Politik, die mit dem Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) über verschiedene Themen streiten durften. Es kamen rund 100 Zuschauer.

Das Konzept: Weil saß mit Moderator und HAZ-Redakteur Jan Sedelies in der Mitte, auf den drei verbliebenen Stühlen wechselten sich die Zuschauer nach Belieben ab. Das ging auf. Munter gingen Gesprächspartner, Themen und eben auch Meinungen durcheinander. Eine Sache beschäftigte die jungen Leute besonders: die allgemeine Dienstpflicht. Der Vorschlag der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer kam in der Runde ganz unterschiedlich an. Weil sprach sich grundsätzlichen für einen solchen Dienst als „festen Block im Leben eines jungen Menschen“ aus. „Zivildienst waren die lehrreichsten anderthalb Jahre meines Lebens“, sagte er. Viele seiner Gesprächspartner forderten dagegen Selbstbestimmtheit. „Wenn ich ein kleiner, grantiger Misanthrop bin, der sich nicht engagieren will, dann ist das mein Menschenrecht“, sagte ein Teilnehmer. Ein anderer fand, man könne nach so viel kostenloser Schulbildung ruhig etwas zurückgeben.

Kritik an #WirSindMehr

Physikstudent Paavo Alexander Kräuter kritisierte die von Weil gelobte #WirSindMehr-Bewegung, die nach den Vorfällen in Chemnitz im vergangenen Spätsommer entstand. „Der Anlass dieses Konzerts war der Tod eines Menschen“, sagte Kräuter. Später fragte er den Ministerpräsidenten direkt: „Wenn AfD-Mitglieder aus dem Kino rausgeschmissen und nicht ins Stadion gelassen werden und das Kind eines AfD-Mitglieds keinen Kita-Platz bekommt – was schließen die dann daraus?“ Weil entgegnete, die AfD genieße es, sich als Opfer darzustellen – doch das sei an den Haaren herbeigezogen. „Wir leben in einem Land, in dem du deine Meinung sagen darfst. Dafür musst du dann möglicherweise herbe Kritik einstecken. Das sind die Spielregeln in einer Demokratie“, sagte Weil.

Nachdem es dann also wie so oft mal wieder um die AfD ging, meldete sich noch die 17-Jährige Jantje Altenfelder, Schülerin der Wilhelm-Raabe-Schule, zu Wort. „Mir macht die große, graue Masse, die sich einfach gar nicht äußert, viel mehr Angst als irgendwelche Extremisten“, sagte sie. Nun, zumindest an diesem Abend war diese Masse wohl nicht präsent.

Das sind die Statements der jungen Menschen:

Eine Folgeveranstaltung des Streitgesprächs ist ein sogenanntes Demokratie-Barcamp mit dem Motto „Machen, Verändern, Handeln“. Es findet am Sonnabend, 30. März, von 10 bis 17 Uhr im Neuen Rathaus statt.

Von Johanna Stein

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