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Stadt Hannover "Konzept für Markthalle genau richtig"
Aus der Region Stadt Hannover "Konzept für Markthalle genau richtig"
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00:17 23.07.2017
Von Conrad von Meding
Die Ursprungs­architektur passt nicht mehr an die Karmarschstraße, Hamburger Investoren wollen jetzt eine große Passagenarchitektur bis zum Köbelinger Markt bauen. Quelle: Archiv
Hannover

 Im Internet haben kritische Nutzer schnell einen Schmähbegriff für den historisierenden Entwurf der neuen Markthalle gefunden: Zuckergussarchitektur. Die HAZ hatte am Mittwoch über erweiterte Investorenpläne zum Aufbau einer großen Passagen-Markthalle berichtet - doch wie immer beim Rückgriff auf alte Bauformen spaltet das Thema die Öffentlichkeit.

Martin Prenzler aber, Geschäftsführer der Kaufleutevereinigung City-Gemeinschaft, positioniert sich ganz deutlich: „Was die Hamburger Investoren da vorschlagen, ist genau das, was die Innenstädte derzeit brauchen.“ Für Hannover sei das Projekt „ein großer Gewinn“, wir können uns glücklich schätzen.

Ein großer Wurf

Der Vorschlag ist, nicht nur das Markthallengelände neu zu bebauen, sondern auch das gesamte rückwärtige Areal einzubeziehen. Dort lässt die Stadt das marode Bürgeramt Mitte abreißen, es soll einem Ratsbeschluss zufolge Wohn- und Geschäftshäusern am Köbelinger Markt weichen. Eine ähnliche Mischnutzung, wie sie der Bebauungsplanentwurf vorsieht, wollen auch die Investoren - nur eben mit einer Passagenlösung für Marktstände und Geschäfte, die sich Z-förmig über das Gelände zieht.

Die Idee stammt von Albin Homeyer, dem Vorsitzenden des Vereins Hannoversche Stadtbaukultur. Er hofft, dass damit ein Impuls in der Altstadt geschaffen würde, der Passanten und Stadttouristen von der bisherigen kommerziellen Mitte - Hauptbahnhof, Kröpcke - wieder Richtung Altstadt lockt. „Genau solche sogenannten Attraktoren braucht die Innenstadt“, sagt Kaufleute-Sprecher Prenzler. Kunden gingen insgesamt seltener in die Innenstädte zum Einkaufen, „aber wenn sie da sind, dann suchen sie Erlebnisse, Events, Wohlfühlgastronomie. Jeder kennt das aus unseren eigenen Besuchen in fremden Städten.“

Etliche Standbetreiber wollten sich am Mittwoch nicht zu den Plänen äußern - sie sind nur Mieter, viele klagen über die stark gestiegenen Pachtkosten und den Zustand des Gebäudes. Karen Klemme aber, deren Fleischerei zu den alteingesessenen Markthallenbetrieben gehört, sagt zu dem Entwurf frei heraus: „Das sieht tatsächlich viel schöner aus.“ Auch sie aber treibt die Sorge um, dass die Mieten steigen könnten. „Aber mehr können wir nicht zahlen.“ Ähnlich äußert sich am anderen Ende der Markthalle Tijam Valipoornemaki, Juniorchef im Café Tijam. „Ich bin ja noch jung“, sagt der 24-Jährige: „Mir machen Veränderungen keine Angst, und der Entwurf sieht deutlich besser aus als die derzeitige Markthalle.“ Allerdings sei es für die Händler „wichtig, dass die Rahmenbedingungen sich nicht verändern: Es darf nicht teurer werden, und wir können keine monate- oder sogar jahrelangen Ausfälle kompensieren.“

Umbau in zwei Schritten?

Das Konzept des Hamburger Investors macht es möglich, zunächst den Bereich am Köbelinger Markt zu bebauen, dann die Marktstände umziehen zu lassen und dann die bisherige Markthalle abzureißen. Er will 400 Parkplätze in Tiefgaragen schaffen, zahlreiche Wohnungen integrieren, aber auch neue Shop-Angebote einrichten.

„Alle Städte, die in den vergangenen 15 Jahren Markthallen erneuert haben, haben davon stark profitiert“, sagt Prenzler. „Die Betreiber müssen allerdings auf einen guten Mix achten, und es muss ganzjährige Angebote geben.“ Hannovers derzeitige Markthalle sei baulich und vom Konzept her in die Jahre gekommen: „Es wäre gut, wenn sich etwas ändert.“

Die Hamburger Investorenfamilie, die unter anderem einen Delikatessenhandel in Frankreich betreibt, würde das Projekt gemeinsam mit dem Verein hannoversche Stadtbaukultur gerne dem Oberbürgermeister vorstellen. Auf Terminanfragen aber wurde ihnen jetzt ein Gespräch mit einem Denkmalpfleger angeboten, um Fragen des Denkmalschutzes zu erörtern. „So etwas habe ich noch in keiner Stadt erlebt“, sagt der Investor: „Wir wollen einen dreistelligen Millionenbetrag investieren - und statt im Rathaus ein Gespräch auf hoher Ebene zu bekommen, sollen wir über Probleme reden. In dem Punkt staunen wir über Hannover.“

Wie ist das mit dem Denkmalschutz?

Auch wenn viele die Markthalle nicht schön finden: Gegen Abriss und Umbau der 1954 erbaute Markthalle steht das Denkmalgesetz. Das Gebäude ist als bedeutendes Bauwerk der Nachkriegsmoderne geschützt, besonders auch in der Nachbarschaft zum Landtags-Plenarsaal, der einem ähnlich nüchternen Baustil entspringt.

Ein Abriss ist in Niedersachsen nur erlaubt, wenn der Eigentümer nachweist, dass der Fortbestand für ihn wirtschaftlich nicht zumutbar ist. Dieser Vorgang wäre aber nicht ungewöhnlich. Unter Schutz stehen auch die Kellergewölbe der Halle – sie sind in einem beklagenswerten Erhaltungszustand.

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