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Stadt Hannover So sieht der Rückzugsraum am Raschplatz aus
Aus der Region Stadt Hannover So sieht der Rückzugsraum am Raschplatz aus
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00:15 10.10.2017
Von Gunnar Menkens
„Zugang zu den Menschen finden“: Ordnungsdezernent Axel von der Ohe, Sozialdezernentin Konstanze Beckedorf und Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes (v.l.) stellen den neuen Rückzugsraum vor. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Weiße, hohe Wände, unverputzt, beleuchtet von kühlem Neonlicht, pragmatische Tische und Stühle ohne Schnörkel. Diese zwei Räume am Raschplatz, untergebracht gegenüber der Spielbank Hannover, versprühen keinen besonderen Charme. Aber darum geht es Diakonie und Stadt nicht. Am Freitag eröffnete „Kompass“, ein Ort, an dem sich wohnungslose Menschen tagsüber aufhalten können. Männer und Frauen, die seit Langem auf der Straße leben, und zahlreiche Gestrandete aus Osteuropa ohne Anspruch auf staatliche Unterstützung. „Menschen in dauernder Existenznot“, nennt sie die Diakonie. Viele seien betroffen von Langzeitarbeitslosigkeit, ohne Einkommen, psychisch auffällig, isoliert und abhängig von Alkohol.

Es sind Menschen, die sich oft am Raschplatz aufhalten und bei vielen Bürgern für Unmut gesorgt haben. Die Trinkerszene dort wurde immer größer, der Ärger über Lärm und Dreck wurde lauter, viele Bürger fühlten sich unsicher. Pastor Rainer Müller-Brandes sagte am Freitag bei der Eröffnung der Räume: „Viele schaffen es nicht, ihre Träume sind gescheitert. Weil die Menschen kein eigenes Wohnzimmer haben, suchen sie sich ein anderes - und das ist manchmal die Mitte der Stadt.“

Alltagshilfe für Obdachlose

Der „Kompass“ im Stadtzentrum ist der Versuch, Betroffenen wieder eine Richtung im Leben zu geben. Bislang trug das Projekt den wenig schmeichelhaften Namen „Trinkraum“, denn wer kommt, der kann sich Bier und Wein mitbringen. Nur hochprozentige Getränke sind nicht erlaubt. Kaffee, Tee, Wasser und heiße Brühe gibt es kostenlos im „Kompass“, der auch ein Rückzugsraum von der öffentlichen Straße sein soll. Aber es geht um mehr. Fünf Sozialarbeiterinnen sollen den Wohnungslosen helfen, den Alltag zu bewältigen - und sie vermitteln Kontakt, etwa, wenn es um Fragen wie Sucht und Schulden geht.

Weil Menschen aus der Trinkerszene aus vielen Ländern kommen, sprechen die Frauen unter anderem Polnisch und Russisch. Und sie warten nicht, dass Wohnungslose von selbst kommen, sondern sprechen sie an, sind in der Gegend um den Raschplatz unterwegs und erzählen auf der Straße und unter Brücken vom Angebot im „Kompass“.

Träger des Projektes ist das Diakonische Werk Hannover, die Stadt finanziert das erste Versuchsjahr mit einer halben Million Euro. „Kompass“ ist Teil des Rathaus-Konzeptes zu Sicherheit und Ordnung am Raschplatz. „Ein Ordnungsdienst wird Präsenz zeigen in der Stadt“, sagt Hannovers Finanzdezernent Axel von der Ohe, am Raschplatz soll zudem öfter gereinigt werden.

Für Konstanze Beckedorf, Stadträtin für Soziales, bemisst sich der Erfolg der sozialen Einrichtung auch daran, „wie sehr wir Zugang finden zu den Menschen und helfen können, dass sie einen besseren Stand finden“.

Niemand wird ausgeschlossen

Mit dem „Kompass“ ist natürlich auch die Hoffnung verbunden, die Situation am Raschplatz zu beruhigen. Beckedorf legte jedoch Wert darauf, dass niemand vom Raschplatz ausgeschlossen werden soll. Auch für Diakoniepastor Müller-Brandes wäre das keine Lösung. „Die Leute wegzuräumen hätte nur zur Folge, dass sie sich 300 Meter weiter treffen.“

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