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Stadt Hannover So soll die Wietze ihren natürlichen Lauf erhalten
Aus der Region Stadt Hannover So soll die Wietze ihren natürlichen Lauf erhalten
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10:15 12.12.2016
Von Bernd Haase
Gegensätze bei Isernhagen-Süd. Im linken Bild ist die Wietze noch eher ein Kanal als ein Fluss. Das rechte Bild zeigt einen renaturierten Abschnitt. Quelle: Michael Wallmueller
Hannover

Günter Schmidt nutzt die Frühstückspause an einem klaren, frostigen Vormittag in Isernhagen-Süd doppelt. Erstens hat er Hunger, zweitens kann er sich die Füße wärmen. Schmidt steht während der Arbeit häufig im Wasser des Flüsschens Wietze, und das ist nach den kalten Tagen Anfang des Monats wirklich eisig. „Da helfen auch keine Stiefel mit Neopren - irgendwann dringt die Kälte durch“, sagt der Mitarbeiter der Firma Mittelweser Tiefbau aus Warpe bei Nienburg.

Schmidt und sein Kollege Hartmut Logemann sind Wasserbauer. Sie verändern gerade die Wietze - weg vom Kanal, zu dem sie die Menschen degradiert haben, und wieder hin zum Fluss, der sie eigentlich ist. Dahinter steckt das Programm „Naturnahe Gewässergestaltung“ der Stadtentwässerung Hannover, an dem mittlerweile seit zwei Jahrzehnten gearbeitet wird.

Rund 150 Kilometer Fließgewässer liegen im Zuständigkeitsbereich der Stadtentwässerung. Darunter sind Flüsse wie Wietze, Ihme oder Fösse, Bachläufe wie der Hirtenbach im Süden Hannovers oder Gräben wie der Rossbruchgraben, der durch Marienwerder fließt. „Alle leisten ihren Beitrag zur Hochwassersicherheit, weil sie das Regenwasser aus der Stadt leiten“, sagt Norbert Voßler, Leiter des Sachgebietes Gewässer. Derjenige der Wietze ist kein geringer: „Da hängt das gesamte nordöstliche Stadtgebiet dran. Die Bedeutung der Wietze als Vorfluter ist damit größer als die der Leine“, erklärt Voßler.

Aus Flüssen wurden Kanäle

Die Menschen haben Hannovers Fließgewässern vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg nicht ihren Lauf gelassen. „Man wollte nicht nur die Stadt entwässern, sondern auch Ackerland“, sagt Voßler. Alles sollte schnell gehen und möglichst wenig Arbeitsaufwand verursachen. Flüsse und Bäche wurden zu schnurgeraden Kanälen. Auen verschwanden genauso wie der Bewuchs an den Böschungen. Den Artenreichtum in der Pflanzen- und Tierwelt zu erhalten war kein Punkt auf der damaligen Prioritätenliste.

Es war maßgeblich Hannovers früherer Umweltdezernent Hans Mönninghoff von den Grünen, der diesen Zustand wieder ändern und zurück zur Natur wollte. Während seiner Amtszeit ist 1995 das Gewässerprogramm gestartet worden. „Seitdem sind hydraulische und ökologische Aspekte gleichrangig“, sagt Voßler. Insgesamt 37 Fließgewässer sind aufgenommen worden, bisher hat die Stadtentwässerung schon mehr als 11 Millionen Euro investiert.

Alle Sünden der Vergangenheit lassen sich nicht wieder rückgängig machen. Oft kann die Stadtentwässerung die benötigten Grundstücke an den Ufern nicht kaufen, manchmal sind diese auch zugebaut. An der Fösse beispielsweise, wo die Arbeiten vor acht Jahren beendet wurden, konnte die Stadtentwässerung ein gutes Drittel der sechs Kilometer langen Gesamtstrecke umgestalten, was übrigens auch der Naherholung im Westen Hannovers zugutekommt. „In den Industriegebieten am Lindener Hafen ließ sich aber nichts machen“, bedauert Voßler.

Die Renaturierung der Wietze ist ein Langzeitprojekt mit insgesamt sechs Abschnitten. Begonnen wurde im Sommer 2005 an der Baulenwiese im Osten von Isernhagen-Süd. Derzeit arbeiten Schmidt und Logemann im Westen des Siedlungsgebietes. Sie schrägen die Böschungen an und drücken mit der Baggerschaufel Holzpfosten ins Wasser. An ihnen befestigt Schmidt längliche Bündel aus Reisig, sogenannte Faschinen. „Wir wollen einen neuen, mäßig geschwungenen Gewässerlauf erreichen“, sagt Projektleiterin Petra Kraus. Teile des jetzigen Profils bleiben als Altarm erhalten.

An anderen Stellen haben die Wasserbauer Kies und Totholz eingebaut, um die Sohle zu verbessern. Bewachsene Gewässerrandstreifen wurden angelegt. „Wir fördern die eigendynamische Gewässerentwicklung“, sagt Kraus. Wenn dann wie beispielsweise im Abschnitt an den Teichwiesen Auen und Überflutungsräume mit Lebensräumen für Flora und Fauna geschaffen werden, sieht das nicht nur nach Natur aus, sondern hilft auch dem Hochwasserschutz.

Einen gut 800 Meter langen Abschnitt westlich im Bereich des Bundeswehr-Übungsplatzes sollen die Wasserbauer noch herrichten. Dafür beginnt die Entwurfsplanung, und wenn alles wie vorgesehen läuft, sind die Arbeiten 2020 nach 15 Jahren beendet. Es braucht eben einen langen Atem, um das, was Flüssen und Bächen einst angetan wurde, so gut es geht wieder rückgängig zu machen.

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