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Stadt Hannover So wehrt man sich gegen Cyber-Mobbing
Aus der Region Stadt Hannover So wehrt man sich gegen Cyber-Mobbing
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18:41 07.12.2016
Von Saskia Döhner
Cyber-Mobbing hat viele Gesichter - der Kampf dagegen auch. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Ein Zwölfjähriger fragt im Whats­app-Klassenchat nach den Mathe-Hausaufgaben, aber niemand antwortet. Stundenlang nicht. Den ganzen Tag nicht. Eine Berufsschülerin wundert sich, warum im Klassenchat, in dem täglich sonst 500 bis 600 Nachrichten ausgetauscht wurden, plötzlich niemand mehr schreibt. Sie weiß nicht, dass alle anderen Klassenkameraden jetzt in einem neuen Chat sind, zu dem sie aber keinen Zugang hat.
Ein paar Mädchen und Jungen laden das Whatsapp-Bild einer Mitschülerin herunter, eröffnen unter ihrem Namen ein falsches Instragram-Konto und beleidigen darüber einen Lehrer. Eine Siebtklässlerin wird online von Klassenkameraden als „fette Sau“ beschimpft und leidet am meisten darunter, dass sie niemand verteidigt, nicht einmal ihre beste Freundin. Ein Schreibfehler im Klassenchat – tausend hämische Reaktionen.

An der Integrierten Gesamtschule (IGS) Stöcken sollen sich Schüler aller Jahrgänge mit Medienkompetenz und Cybermobbing beschäftigen. In den Jahrgängen 7 und 8 geht es um Cybermobbing, Computersucht, im 9. um die Frage, welche Auswirkungen die eigenen Spuren im Netz auf Bewerbungen haben könne. Schon seit 2012 unterschreiben alle Schüler eine Selbstverpflichtung gegen Cybermobbing. „Wir verfolgen eine Null-Toleranz-Politik“, sagt Schulleiter Philipp Ruppert. Man hält sich an die Goldene Regel: Man behandelt andere so wie man selbst behandelt werden will. Das Smartphone bleibt von 8 bis 15.15 Uhr im Schulranzen. 

Tipps für Eltern und Schüler

Was macht die Beleidigung im Internet so schmerzhaft?
Die Botschaften verbreiten sich rasend schnell und sie lassen sich nicht mehr löschen, wenn sie einmal im World Wide Web stehen. Es gibt viel mehr Zeugen als bei Vorfall auf dem Schulhof. Zudem entgrenzen soziale Medien. Jugendliche schrieben online, was sie nie jemandem direkt ins Gesicht sagen würden. „Textbezogene Kommunikation enthemmt“, sagt Moritz Becker vom Verein Smiley. In einem Liebesbrief gebe man auch mehr über seine Gefühle preis als im direkten Gespräch. Weil Schüler mehr Rückmeldungen erhielten, wenn sie etwas Drastisches schreiben, werde diese Eskalation noch befördert: „Negative Rückmeldung ist immer noch besser als gar keine“, sagt Becker.

Viele sagen: Wer von sich ein peinliches Bild ins Internet stellt, hat selbst Schuld ...
Das ist definitiv falsch, wie Experten von Vereinen wie Violetta und Smiley betonen. Wer ein Bild von einem anderen veröffentliche, verletze dessen Privatsphäre. Schuld hat nicht der Abgebildete, sondern derjenige, der das Bild weiterverbreitet. Leider neigten Eltern manchmal dazu, dies zu verharmlosen, kritisiert Becker. Es gehe nach dem Motto, wer hässlich sei, dürfe eben keine Fotos von sich ins Internet stellen.

Ab welchem Alter sollten Kinder überhaupt ein Smartphone haben?
Bekamen Schüler noch vor fünf Jahren überwiegend erst mit 14 ein internetfähiges Mobiltelefon, ist es mittlerweile schon mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule nach der fünften Klasse vielfach Standard. „Je verantwortungsloser Eltern ihre Kinder erziehen, desto früher schenken sie ihnen auch ein Smartphone“, sagt Becker.

Dürfen Eltern die Handynachrichten ihrer Kinder lesen?
Nein, sagt Kerstin Rehage von der Landesstelle Jugendschutz. Auch Kinder hätten ein Recht auf Briefgeheimnis, und das gelte ebenso für Online-Kommunikation. Vertrauen sei besser als Kontrolle. Zudem berichten Jugendliche, dass sie ihre Mobiltelefone dann einfach mit Gesichts- oder Daumenerkennung vor dem Zugriff von Mutter oder Vater schützen.

Ein Spagat, wenn Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) andererseits die Chancen der digitalen Bildung hervorhebt. Bei den Schülern ist das Thema Cybermobbing angekommen. Victor (15) sagt: „Wir lassen es nicht zu, dass jemand ausgegrenzt wird.“ Aus Selbstschutz versuchen viele Jugendliche, sich eine dicke Haut zuzulegen. „Ist mir doch egal, was die anderen über mich sagen“, meint eine 13-Jährige. „Wir versuchen, eine Vertrauensbasis zu schaffen, damit Mobbingopfer mit uns reden“, sagt Schulsozialarbeiterin Kerstin Rudorf-Katz, „wenn man allein zu Hause sitzt, wird alles nur noch schlimmer.“ Die Sozialarbeiterin und ihre Kollegin haben jeden Dienstag in der ersten großen Pause Sprechstunde. 

„Nicht jeder traut sich mit einem Vorfall zur Polizei“, sagt Kontaktbeamtin Sabine Meinen, „denn dann müssen auch die Eltern mit, und das wollen viele Betroffene nicht, um die Ehre ihrer Familie nicht zu beschmutzen.“

Cybermobbing ist schlimmer als Mobbing, da sind sich die Schüler an der IGS Stöcken und der Bismarckschule einig: Gemobbt wird auf dem Schulhof – wenn die Schule zu Ende ist, haben die direkten Beleidigungen meist auch ein Ende. Im Internet ist das anders, das geht immer weiter, und es verbreitet sich auch viel schneller. Die Bosheiten im Whatsapp-Chat versenden sich nicht. Sind zwar irgendwie nur virtuell, aber irgendwie auch wie in Stein gemeißelt.

An der Bismarckschule in der Südstadt, wo nur in den Jahrgängen fünf und sechs ein striktes Handyverbot gilt, zeigen Kerstin Rehage und Stefan Holleman von der Landesstelle Jugendschutz der Klasse von Alexander Gehmlich, wie sich Cybermobbing anfühlt, was man dagegen tun kann und wie sich Zeugen verhalten sollten („Wer nichts tut, macht mit!“). Die beiden Trainer geben wichtige Tipps: Schüler sollten ihre Privatsphäre wahren, keinesfalls Passwörter weitergeben, nicht ihre Handynummer für alle sichtbar im Internet veröffentlichen, auf Attacken mit Bedacht reagieren, Erwachsene ihres Vertrauens hinzuziehen, Beweise sammeln und anderen helfen.

Für die Elf- und Zwölfjährigen sind manche Aufgaben echte Herausforderungen. Rehage fordert sie auf, eine Vertrauensperson aus der Klasse auf dem Zettel zu notieren. Das geht schnell. Als die Kinder dann aber eine Vertrauensperson vom jeweils anderen Geschlecht aufgeschrieben werden soll, ist das Gestöhne groß. „Geht statt Junge auch ein Lehrer?“, fragt eine Schülerin. Und ein Schüler meint: „Ich würde lieber einen Strich machen.“ Doch am Ende findet jeder einen Namen.

Nach sechs Stunden ziehen die Gymnasiasten ein positives Fazit: „Ich habe wahnsinnig viel gelernt“, sagt der zwölfjährige Ferris. Elternvertreter Frank Seutter findet, es sei gut, dass sich die Schule dem Thema Medienerziehung widmet. Dies sei aber auch eine Aufgabe für das Elternhaus. Rehage warnt vor einem zu ausuferneden Umgang mit elektronischen Medien: „Das kann süchtig machen, man lässt seine Kinder ja auch nicht täglich Hasch oder Alkohol konsumieren.“ Für die Zukunft haben sich Lauro und Luisa eines jedenfalls schon mal fest vorgenommen: Weniger Textnachrichten, mehr direkte Telefonate und peinliche Pausen am Hörer aushalten.

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