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So wollen Schostok und Härke die Affäre beseitigen

Rathaus Hannover So wollen Schostok und Härke die Affäre beseitigen

Personaldezernent Harald Härke hat seinen Rücktritt angeboten. Ihm wird Fehlverhalten bei einer Stellenbesetzung vorgeworfen. Wie Oberbürgermeister Schostok und Dezernent Härke jetzt versuchen, die leidige Rathausaffäre vom Tisch zu bekommen.

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Gnadenfrist von zwei Jahren? Harald Härke könnte trotz seines Schuldeingeständnisses noch zwei Jahre Dezernent bleiben. 

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Am Donnerstag verließen zwei schriftliche Erklärungen das Neue Rathaus in Hannover. Eine kam von Oberbürgermeister Stefan Schostok, eine von Personal- und Kulturdezernent Harald Härke. Wer das alles aufmerksam las, war hinterher nicht viel schlauer als zuvor. Ein Satz jedoch stach daraus hervor, einer von Härke: „Durch mein Verhalten sind viele Menschen schweren persönlichen Belastungen ausgesetzt.“

Das stimmt, und es stimmt nicht. Richtig ist: Härkes Versuch, seiner Lebensgefährtin einen Job im Kulturbüro der Stadt zuzuschanzen, hat viel Staub aufgewirbelt. Dass aber am Ende mehr Menschen beschädigt sind als nur die beiden hat andere Gründe.

Seit einer Woche erlebt das Rathaus die Aufwärmübungen zu einer waschechten Schlammschlacht. Vor einer Woche trug der Oberbürgermeister dem Verwaltungsausschuss den Vorwurf gegen seinen prominentesten Dezernenten vor und forderte ihn auf, sofort zurückzutreten. Aber nicht nur das: Er garnierte das alles auch noch mit der Bemerkung, Härkes Verhalten sei „kein Einzelfall“ gewesen. Das war ein schwerer Vorwurf.

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Personaldezernent Härke bietet Rücktritt an.

Wenig später kursierte das Gerücht, Härke und Schostok könnten noch aus einem anderen Grund über Kreuz sein. Beide hatten lange nach außen wie ein Herz und eine Seele gewirkt. Schostok hatte Härke nicht nur zum Personaldezernenten gemacht, sondern ihm später auch noch die Kultur anvertraut - jenes Ressort, das ihm persönlich besonders wichtig ist.

Nun aber soll Härke sich geweigert haben, Schostoks engstem und wichtigstem Mitarbeiter eine Gehaltserhöhung zu genehmigen, weil diese unrechtmäßig sei. Durch Schostoks Erklärung im Verwaltungsausschuss, die nach der Sitzung auch an die Presse ging, weiß nun auch die Öffentlichkeit, dass es dabei um seinen Verwaltungs-Chefmanager Frank Herbert geht (und dass Härke selbst die Geschichte gestreut haben soll). Jenen Herbert, von dem manche im Rathaus sagen, er sei der wahre Kopf hinter vielem, was Schostok tue.

Es war also alles bereitet zum Showdown. Doch seit Donnerstag, so scheint es, ist die Schlammschlacht kurz vor knapp noch abgesagt. Die Kontrahenten stehen schon knöcheltief im Matsch, beide haben auch schon Spritzer abbekommen - der eine mehr, der andere weniger. Und nun versuchen sie, irgendwie aus der Sache herauszukommen, ohne dass allzu viel hängen bleibt. Das soll gelingen, indem der eine, Härke, seinen Rücktritt anbietet, und der andere, Schostok, ihm aufgrund seiner Verdienste eine Gnadenfrist von zwei Jahren im Amt gewährt.

Schostok gibt sich entschlossen

Ginge das alles so durch, wäre Schostok ein bemerkenswertes Kunststück gelungen. Seit Beginn seiner Amtszeit muss der SPD-Politiker sich mit dem Ruf herumschlagen, nicht durchsetzungsstark genug für den Job des Oberbürgermeisters zu sein. Seit einer Weile versucht der 53-Jährige, diesen Eindruck zu zerstreuen: Er gibt sich betont entschlossen, etwa beim Kampf gegen Trinker in der Innenstadt, bei der Durchsetzung des städtischen Investitionsprogramms oder in der Debatte um mögliche Dieselverbote in der Stadt. Dass all das bisher bestenfalls auf halber Strecke angekommen ist - geschenkt. Nun aber den mit einer enormen Hausmacht ausgestatteten Härke auf scheinbar so elegante Art aus dem Weg geräumt zu haben, das wäre durchaus ein Zeichen von Standhaftigkeit.

Auch für Härke hätte die gefundene Lösung ihren Reiz. Dass sein Image gelitten hat, wird der Sunnyboy der hannoverschen Kulturszene nicht mehr ändern können. Er kann es aber aufpolieren, indem er Hannover in seinem Werben um den Titel der Kulturhauptstadt vertritt, womöglich erfolgreich. Statt zwei Jahre vor Erreichen des Ruhenstandsalters mit Schimpf, Schande und Abschlägen in Rente zu gehen, könnte er das, als wäre es gewollt, in zwei Jahren mit 65 in Frieden tun. Er könnte sich, wie er es liebt, noch zwei Jahre lang behende durch Hannovers Kulturszene bewegen. Und er müsste sich nicht dem unwürdigen Szenario aussetzen, dass Schostok ihn dazu zwingt, sein Amt bis zum Ende des Disziplinarverfahrens ein halbes Jahr lang ruhen zu lassen - was rechtlich möglich wäre.

So könnte das alles laufen. Oder es läuft ganz anders.

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