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Stadt Hannover Hirschhausen will als Arzt ernst genommen werden
Aus der Region Stadt Hannover Hirschhausen will als Arzt ernst genommen werden
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18:28 04.12.2016
Von Gunnar Menkens
Trotz Clownsnase will der Doktor ernst genommen werden. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Um die Kurve gebogen aus dem Strandbad-Café kommt Eckart von Hirschhausen, Coffee to go in der Hand und warme Mütze auf dem Kopf, um den Hals ist ein Schal gewickelt. In der Manteltasche, aber das stellt sich erst später heraus, steckt eine Clownsnase in Clownsnasenrot. Der Bestsellerautor, Fernsehmoderator und Kabarettist wirkt angeschlagen. „Ich muss meine Stimme schonen“, sagt er und fragt, ob man auch Kaffee wolle. Ohne seine Stimme wäre der Tag praktisch verloren, sein Pensum ist enorm. Von Hannover aus geht es nach Osnabrück zu einem Pflegekongress, dann zurück nach Hannover, wo an der MHH Studenten warten, ehe am Abend ein Auftritt am Aegi bevorsteht. Er ist wieder ausverkauft, sein neues Buch trägt das Programm. Dr. med. Eckart von Hirschhausen, 49, ist in diesem Herbst einer der gefragtesten Männer im deutschen Gesundheitswesen.

Gefragter Mann

Eigentlich war für diesen Morgen ein Gang am Maschsee geplant, zwischen frühen Joggern und Berufsradfahrern. Von Hirschhausen kennt Hannover gut, regelmäßig ist er da, moderierte Talkshows mit Bettina Tietjen, am Beginn seiner Karriere stand er im GOP als Varieté-Moderator und Zauberkünstler auf der Bühne. „Im Grunde“, sagt er, „habe ich mich immer damit beschäftigt, wie Täuschung funktioniert. Auch in der Medizin steckt ja viel Magie, sie ist keine rationale Wissenschaft.“ Davon handeln seine Bücher und Programme, die Kalauer nicht scheuen. Wovon leben Zahnärzte? Von der Hand in den Mund.

Er schlägt vor, vom Café Richtung Steg zu gehen, lieber keinen Fußweg an diesem frischen Morgen. Der Fotograf bittet um Fotos, und Eckart von Hirschhausen steckt sich ohne Umschweife seine rote Clownsnase auf. Er ist jetzt im Modus der Selbstvermarktung, posiert im Stehen wie im Sitzen. Eckart von Hirschhausen inszeniert sich als Figur Eckart von Hirschhausen, der kugelige Pappkamerad ist das Vehikel, um den lustigen Doktor zu geben. In seinem Internetshop kann man Clownsnasen kaufen, dazu Schlüsselanhänger und Plüschpinguine, die als Daumenkino im neuen Buch Unterschlupf gefunden haben. Dazu gibt es Strampler, T-Shirts, DVDs etc. Von Hirschhausen ist zu einem Imperium gewachsen, er sendet auf allen Kanälen. „Humor“ schreien Pappaufsteller mit seinen Büchern. Da weiß der Kunde sicher, was drin ist.

Dabei ist Eckart von Hirschhausen niemand, der meint, 24 Stunden am Tag lustig sein zu müssen. Das ist ein Glück, denn im Gespräch über Medizin, ihre Irrwege und Entfremdung vom Patienten geht es ihm nicht um Witz, sondern um Botschaften, die er eingängig verpacken kann. „Für einen Spaziergang um den Maschsee braucht man kein Rezept“, ist so ein Hirschhausen-Satz. Da klingt sein Grundkonzept an, dass es nämlich von fast allem zu viel gibt im mitunter wahnwitzigen Gesundheitssystem. Zu viele Medikamente, zu viele Operationen, zu viele Röntgenbilder, sagt er. „Dafür gibt es zu wenig Zuwendung, Berühren, richtige Worte. Patienten werden oft von oben herab behandelt.“ Es ist wohl ein Grund für seinen Erfolg, dass sich in seinen Geschichten Millionen Menschen wiederfinden können. Wenn es Ärzte nicht so genau wissen, vielleicht weiß dann Doktor von Hirschhausen Rat. Nachlesen kann man seine Warnung vor Ärzten, die sich selbst überschätzen, Heilsversprechen abgeben, für Krebs oder MS, und andere Methoden ablehnen. Seriöse Anbieter akzeptierten Grenzen ihrer Möglichkeiten.

Buch gegen Winterdepression

Bald merkt er, dass es nicht besser wird mit der Stimme. Inhalieren wäre gut, jedenfalls ist das sein Plan. Eckart von Hirschhausen sagt noch etwa über das neue Buch, „darin findet jeder etwas, im Prinzip ist es ein Buch gegen Winterdepressionen“, dann möchte er die Verabredung lieber beenden. Er hat wohl länger durchgehalten als beabsichtigt. Jetzt wartet Osnabrück auf sein Impulsreferat, „da bin ich nicht der Kabarettist, der lustig, lustig ist“. Kein Zweifel: Der lustige Doktor Eckart von Hirschhausen will, Clownsnase oder nicht, als Mediziner ernst genommen werden, als einer, der eben auf der Bühne praktiziert. Dazu hat er noch eine Frage: „Wann werden die Eintrittskarten zu meinem Programm von der Kasse übernommen?“

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