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Stadt plant neue IGS in Vahrenwald

Bildungspolitik Stadt plant neue IGS in Vahrenwald

Die Stadt Hannover plant eine weitere Integrierte Gesamtschule. Offenbar soll die neue IGS in Vahrenwald entstehen, sofern Eltern und Lehrer dies befürworten.

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Die Schüler strömen in die Gesamtschulen: Die Stadt will kommendes Jahr die achte und neunte IGS gründen.

Die Stadt will so schnell wie möglich eine weitere neue Integrierte Gesamtschule (IGS) auf den Weg bringen. „Wir sehen den Bedarf, und wenn zwei Schulen sich dazu zusammenfinden, machen wir das“, sagt Schuldezernentin Marlis Drevermann.Die Verwaltung will voraussichtlich schon im Oktober einen Standort für die dann neunte Gesamtschule im Stadtgebiet vorschlagen. Ein Ratsbeschluss könnte noch in diesem Jahr gefasst werden, damit die neue Schule möglichst bereits zum August 2010 startet – parallel zur IGS Badenstedt, deren Gründung schon beschlossen ist. Die IGS Stöcken begann bereits diesen Sommer mit der Arbeit.

Bis Mitte vergangenen Jahres verhinderte das niedersächsische Schulgesetz die Gründung einer IGS. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es sechs IGS in Hannover, die allerdings der Nachfrage nicht gerecht werden konnten. Vor dem Gründungsverbot hatte zuletzt die IGS Kronsberg im Jahr 2001 ihre Arbeit aufgenommen. Das Land schreibt nun Kommunen vor einer Neugründung vor, ein stabiles Interesse der Eltern nachzuweisen. Die Stadt hatte deshalb im September vergangenen Jahres schriftlich alle Grundschuleltern befragt. 44 Prozent wünschten sich einen IGS-Platz für ihr Kind – wenn man dem folgt, sind drei neue Integrierte Gesamtschulen erforderlich.

In Stöcken und Badenstedt gehen jeweils Hauptschule und Realschule gemeinsam in eine IGS über. Dieses Modell soll nun auch an dem dritten Standort verfolgt werden. Doch trotz des engen Zeitplans will die Verwaltung die jetzt beteiligten Schulen noch nicht nennen. Es gebe zwar erste Gespräche, aber Beschlüsse von Lehrerschaft und Schulvorstand stehen noch aus. Diesen Prozess wolle man nicht stören. Allerdings gibt es kaum Standorte, die infrage kommen. Das Land schreibt für eine neue IGS als Mindestgröße fünf Klassen pro Jahrgang vor.

„Das ist für uns ein Handicap, denn wir können nicht neu bauen. Da, wo wir loslegen könnten, sind die Gebäude zu klein“, sagt Drevermann. In der Südstadt, wo Gustav-Stresemann-Realschule und Heinrich-Heine-Schule zusammengelegt werden sollen, hatten Eltern und Bezirksrat statt einer kombinierten Haupt- und Realschule eine IGS gefordert. Die Eltern zögen dieses Modell oft vor, da damit alle Bildungsabschlüsse offen blieben. „Ich weiß nicht, ob das Land sich auf Dauer solchen Argumenten der Menschen entziehen kann“, sagt Drevermann.

Nach Informationen dieser Zeitung soll die neue IGS in Vahrenwald entstehen – wenn Lehrer und Eltern dies befürworten. Dort liegen Karl-Jatho-Schule und Geschwister-Scholl-Realschule im Büssingweg direkt nebeneinander. Die Hauptschule hat nur eine fünfte Klasse mit elf Kindern bilden können, im sechsten Jahrgang gibt es ebenfalls nur eine Klasse mit zwölf Kindern.

Auslaufmodell Hauptschule

An der Karl-Jatho-Schule hatten zunächst nur fünf Familien ihre Kinder für die fünfte Klasse der Hauptschule angemeldet. Die Zahl stieg bis zum Beginn dieses Schuljahres noch auf elf Schüler. Offiziell bilden diese Fünftklässler gemeinsam mit den zwölf Sechstklässlern eine Kombiklasse. Diese Regelung hat das Kultusministerium eigentlich für Zwergschulen auf dem flachen Land vorgesehen, um dort überhaupt ein Schulangebot aufrechtzuerhalten. Die Lehrer der Karl-Jatho-Schule unterrichten die Fünft- und Sechstklässler dennoch in zwei Gruppen, auch wenn die Zahl der Unterrichtsstunden nicht darauf ausgelegt ist. Erst ab dem siebten Jahrgang hat die Schule jeweils zwei Klassen.

Die Situation ist auch für andere Hauptschulen nicht untypisch. Eltern versuchen, ihre Kinder möglichst lange von dem Schultyp, der vermeintlich keine Chancen bietet, fernzuhalten. In Hannover konnten auch die anderen Hauptschulen im fünften Jahrgang zum Teil nur eine Klasse bilden. Dabei gibt es nur noch sechs echte Hauptschulen, die überhaupt neue Fünftklässler aufgenommen haben, und daneben drei kombinierte Haupt- und Realschulen. Eine Hauptschule in Bemerode steht kurz vor der Schließung, eine andere (in Stöcken) geht nach und nach in der neuen IGS auf.

„Ich kann mir nicht vorstellen, die Zahl der Hauptschulen so stark zu schrumpfen, dass zum Schluss nur noch eine übrig bleibt“, betont Schuldezernentin Marlis Drevermann. Doch die Stadt strebt seit einiger Zeit die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen an, damit die Hauptschulen auf diesem Weg gestützt werden. „Es geht um Kooperationen. Integrierte Gesamtschulen sind dabei eine Möglichkeit, kombinierte Haupt- und Realschulen eine andere“, sagt Drevermann. Der Rat hatte deshalb bereits Ende 2007 die Fusion mehrerer Hauptschulen mit Realschulen beschlossen. Dieser Prozess ist jedoch ins Stocken geraten. Nur in Ahlem fanden die beiden Schulen auf diesem Weg zusammen.

In Stöcken und Badenstedt zogen es Eltern und Lehrer vor, gleich einen Schritt weiterzugehen: Dort entwickeln sich zwei neue Gesamtschulen. „Wenn Schulen zur Haupt- und Realschule werden sollen, ist dieser Wunsch schnell da. Die Eltern empfinden das als konsequenter“, sagt die Schuldezernentin. In Bothfeld und Ricklingen/Oberricklingen liegen die beiden bereits vom Rat beschlossenen Schulfusionen von Hauptschule und Realschule auf Eis. Die Landesschulbehörde hat bisher ihre Zustimmung verweigert. „Die Schülerzahlen sind dort auch noch so hoch, dass man die Schulen nicht zusammenlegen muss“, sagt Heike Rudolph, stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Schule.

 Für eine IGS-Neugründung sind beide Standorte allerdings nicht geeignet. Im Schulzentrum Bothfeld reicht der Platz für die vom Land vorgeschriebene IGS mit fünf Klassen pro Jahrgang nicht aus. Und die Peter-Ustinov-Schule in Ricklingen könnte sich gemeinsam mit der Johannes-Kepler-Realschule in Oberricklingen nur dann zur IGS entwickeln, wenn ein Gebäude zur Außenstelle wird. „Eine vergleichbare Variante würde aber nur genehmigt, wenn es ganz klar eine Übergangslösung ist“, sagt Rudolph.

Auch die Stadt will nun mit der weiteren Zusammenlegung von Hauptschulen und Realschulen zunächst warten. Wenn im August 2010 tatsächlich zwei weitere Integrierte Gesamtschulen starten, wird dies Auswirkungen auf die Anmeldezahlen an Hauptschulen, Realschulen und wohl auch Gymnasien haben. „Wir werden die Entwicklung dann wieder mit den Wünschen der Eltern abgleichen und dem Land neue Vorschläge machen“, sagt Schuldezernentin Drevermann. In der Südstadt hat die Landesschulbehörde der unter Eltern von Realschülern heftig umstrittenen Zusammenlegung der Heinrich-Heine- mit der Gustav-Stresemann-Schule allerdings inzwischen zugestimmt.

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