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Stadt siedelt besonderen Rasen um

Kronsberg Stadt siedelt besonderen Rasen um

5800 Quadratmeter Kalkmagerrasen liegen dort, wo künftig die Siedlung Kronsberg-Süd entstehen soll. Die Stadt lässt das Grün schichtweise abtragen und umsiedeln, denn es steht unter Naturschutz.

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Das Dach des alten Wasserbehälters bildet eine Art Plateau, auf dem sich der geschützte Rasen gebildet hat. Zu der Anlage gehört das kleine Ziegelhaus, dahinter ist der Holländische Expo-Pavillon zu erkennen.

Quelle: Conrad von Meding

Hannover. Am Kronsberg lässt die Stadt eine große Fläche Kalkmagerrasen umsiedeln, weil das geschützte Biotop einer Neubausiedlung im Weg ist. Der Vorgang erinnert an die verzweifelten Versuche, Ritzenkraut am Schützenplatz umzupflanzen – nur dass das Projekt diesmal deutlich größer ist. Die Fläche misst 5800 Quadratmeter, sie soll mit Baggern schichtweise abgetragen und an einen neuen Platz verlagert werden.

Das Biotop befindet sich auf einem alten Wasserbehälter der Stadtwerke, der nahe der Stadtbahn-Endhaltestelle Messe-Ost im Boden eingelassen ist. Auf dem Dach des Behälters hat sich auf einer Art Hochplateau in den vergangenen Jahrzehnten eine Pflanzenwelt etabliert, die früher für die Böden im Osten Hannovers typisch war, heute aber wegen der Intensivdüngung der Landwirtschaft kaum noch vorkommt: Kalkmagerrasen. Was schlicht klingt, bringt eine arten- und blütenreiche Vegetation hervor und steht daher unter dem strengen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. Den Wasserbehälter einfach abreißen ist verboten.

Weil die Stadt aber Wohnraum für 7000 bis 8000 Menschen im Quartier Kronsberg-Süd schaffen will und der Wasserbehälter dabei stört, hat sie sich von der Naturschutzbehörde der Region eine Ausnahmegenehmigung geholt. Sie darf abreißen, wenn sie für die Pflanzenwelt an der nahen Kattenbrook eine Ersatzfläche schafft und sie umsiedelt. Die Kosten lassen sich derzeit nach Auskunft der Stadt nicht genau beziffern, auch deshalb, weil der Umzug über mehrere Jahre wissenschaftlich begleitet werden soll.

In den nächsten Wochen wird zunächst an der Kattenbrook eine „Abmagerung“ des Bodens vorgenommen: Bagger schieben den satten Oberboden ab und modellieren eine Erhöhung, die die gleichen trockenen, kalkmergelartigen Bodenverhältnisse wie auf dem Hochplateau simulieren sollen. Darauf wird dann der Kalkmagerrasen eingepflanzt, der schichtweise vom Wasserbehälter abgekratzt wird. Zur Sicherheit haben Fachleute bereits im Sommer Samen von den Pflanzen entnommen, um nachsäen zu können, falls Teile des geschützten Rasenareals nicht angehen.

Für die Natur gebe es nur Vorteile, sagt Hannovers Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette. Der Wasserbehälter müsse wegen Baufälligkeit ohnehin irgendwann abgerissen werden. Durch den Umzug könne das geschützte Biotop weiter existieren – künftig sogar auf vergrößerter Fläche. Das etwa einen Kilometer entfernt liegende Ersatzareal dagegen ist etwa 8800 Quadratmeter groß. Die Arbeiten sollen im Frühjahr abgeschlossen sein.

Von Conrad von Meding

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