Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover „Hannover ist die schönste Stadt der Welt“
Aus der Region Stadt Hannover „Hannover ist die schönste Stadt der Welt“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 30.12.2016
Von Gunnar Menkens
"Hannover ist die schönste Stadt der Welt": Spaziergang mit Fan-Anwalt Andreas Hüttl. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Es ist schon einige Zeit her, dass der Rechtsanwalt Andreas Hüttl einer Einladung in die VIP-Etage des Stadions am Maschsee folgte. Osttribüne, ausnahmsweise. Er sah Logen voller Menschen, durch Glasscheiben vom Spiel getrennt, das unten auf dem Rasen begonnen hatte. Nach ein paar Minuten fragte ein Gast in die Runde, ob man nicht lieber im Fernsehen Formel 1 gucken wollte. Zu 96 gingen also auch Leute, denen der Club recht egal war. Hüttl geriet aus der rauen Nordkurve, wo Fans statt Kunden stehen, ins gepolsterte Paralleluniversum aus gezapftem Pils und Lachs an Meerrettich. Offenbar gab es ein falsches Leben im Richtigen. Nicht sein Ding. Im Blick zurück sagt er sehr entschieden: „Fußball ist mehr als Leute treffen und was trinken. Fußball ist das Spiel.“

Die HDI-Arena ist der Treffpunkt für einen Spaziergang mit dem Strafverteidiger und massiven Fußballfreund Andreas Hüttl. Was zunächst auffällt, ist seine Statur. Groß, kräftig, kahler Schädel, dazu ein Ring in jedem Ohr, eine Idee noch aus der zehnten Klasse, die er trotz Warnungen auch bei Gericht nicht verraten wollte. Die Arena ist der Ort, an dem sich für den gerade 50 Jahre alt gewordenen Ehemann und Vater dreier Kinder Privates und Berufliches verbindet. Ins Stadion ging er lange schon mit Dauerkarte, auch in der dritten Liga blieb er Hannover 96 treu, diesem schwankenden Gesellen, zu dem ihn einst sein Vater mitnahm. Hüttl fand seinen Platz in der Nordkurve. Hier stehen Fans in Schwarz-Weiß-Grün, sie singen, schreien, hüpfen, schwenken Fahnen. Kurvennahrung ist Bier aus Plastikbechern und Bratwurst von Pappe. Und einigen Leuten mit dieser Adresse gefällt es, Fußball zum Anlass zu nehmen, verbotene Dinge zu tun.

Hüttl gilt als Anwalt der Fanszene. In der Nordkurve fand der Strafverteidiger 1999 erste Mandanten für seine eben geöffnete Kanzlei. Ultras und Hooligans wussten bald, dass der Mann in ihrer Nähe Strafverteidiger war. Da stellt sich natürlich die Frage, ob er selbst einmal Mitglied dieser Szene war? „Nein“, antwortet Hüttl, „war ich nie.“

"Hannover ist die schönste Stadt der Welt"

Im Gespräch entpuppt sich der Ricklinger mit Erstausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten als Lokalpatriot. „Hannover ist die schönste Stadt der Welt, diesen Satz trage ich in mir.“ Zur Stadt gehören auch ihre Vereine, und so kommt es, dass man den Anwalt an Wochenenden oft dort treffen kann, wo Fußball gespielt wird, nicht nur professioneller, sondern auch da, wo Vereine Zuschauer mit Handschlag begrüßen könnten. Bei Arminia Hannover etwa, „auch ein Stück hannoverscher Fußballgeschichte“, oder den 96-Amateuren.

Es geht um eine Haltung. Hüttl erzählt beim Gang ums Stadion, dass Profifußball ihm zu groß geworden ist. Er dürfe nicht nur denen gehören, die das Geld hätten und Mitbestimmung von Fans immer mehr zurückdrängten. Zwangsläufig kommt man da auf Martin Kind zu sprechen, den Chef von Hannover 96. Hüttl, der Initiator des Fanbeirates, nennt ihn kühl eine „Episode in einer langen Vereinsgeschichte“, und da ist nicht zu überhören, dass er Geschichte und Zukunft eines Clubs für wichtiger hält als gegenwärtige Geldgeber. Stimmt der Eindruck, dass Hüttl ein Traditionalist ist, wenn es um Fußball geht? „Ja, das ist so, in jedem Fall.“ Er zahlt sein Tribünenbier lieber in bar statt eine Plastikkarte kaufen zu müssen, um sie an einem Automaten aufzuladen, um dann endlich ein Getränk zu bekommen.

Angelangt auf Höhe Osttribüne stellt sich die Frage nach einem Foto im Stadion. Unangemeldet ist das nicht möglich, aber dann holt Hüttl sein Handy heraus und ruft den Stadionchef an. Ein paar Minuten später öffnet sich das Tor. In der Nordkurve steigen die Stufen an, unterbrochen von Wellenbrechern. Hüttl hat Fans verteidigt, denen der Club auferlegte, im Bus zum Derby nach Braunschweig zu reisen. Er verklagte Hannover 96, seinen eigenen Verein, schwergefallen sei ihm das, sagt er, aber getan hat er es eben doch. Andere wehrten sich gegen Stadionverbote und Auflagen der Polizei, große Innenstadtbereiche an Heimspieltagen nicht betreten zu dürfen. Es sind Verfahren, von denen Hüttl meint, dass sie über den Fußball hinausweisen und gesellschaftspolitische Bedeutung bekommen. Seine These ist: „Die Feststellung individueller Schuld wird aufgeweicht zugunsten eines Generalverdachts. Ich glaube, dass die Polizei Einsatztaktiken probt, die auch andere Leute treffen können, zum Beispiel bei Demonstrationen.“

Mehr Einfluss der Fans

Er hätte gerne versucht, seine Sicht der Dinge, die oft auch Meinung vieler Ultras ist, direkt im Aufsichtsrat von Hannover 96 durchzusetzen. Mehr Einfluss der Anhänger, weniger der Sponsoren. Aber das wollten auf einer Versammlung nicht genug Mitglieder, Hüttl fehlten auch Stimmen von Fans. Er vermutet, weil er keinen Kampf führen wollte gegen unabänderliche Dinge, festgeklopft von Martin Kind und seinen Leuten. Sein Scheitern, glaubt Hüttl, sei ein Symptom der Zeit, in der Vermittler leicht überhört würden.

In dieser Saison hat er auf eine Dauerkarte für das große Stadion verzichtet. Nicht, weil der Club in der zweiten Liga spielt, das stört jemanden nicht, der Details aus der Oberliga Niedersachsen erzählen kann und Identifikation nicht am Erfolg festmacht. Seine Familie fordert einfach mehr Zeit.

Was wird aus dem Andreas-Hermes-Platz hinter dem Hauptbahnhof? Nach Informationen der HAZ wünscht sich eine breite Mehrheit aus SPD, CDU, Grünen und FDP einen Ideenwettbewerb, um die künftige Nutzung zu planen. Derweil möchte ein Investor ein 15-stöckiges Hotel auf dem Areal bauen.

Andreas Schinkel 30.12.2016

Das jüdische Lichterfest Chanukka soll ein Zeichzen gegen die Dunkelheit setzen. Am Dienstag haben rund 500 Gläubige auf dem Opernplatz die Kerzen des Chanukkaleuchters entzündet. Auch zwei Holocaust-Überlebende waren vor Ort.

28.12.2016
Stadt Hannover Unpassende Weihnachtsgeschenke - Umtausch-Ansturm in der City bleibt aus

Nach Weihnachten ist vor dem Umtauschgeschäft - eigentlich. Doch der ganz große Ansturm auf Hannovers City-Geschäfte blieb zumindest am Dienstag aus. Dass nicht mehr so viel umgetauscht werde, liege daran, dass immer mehr Gutscheine zu Weihnachten verschenkt würden, sagen die Händler.

Andreas Schinkel 30.12.2016