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Stadt Hannover „Es war alles so einfach damals“
Aus der Region Stadt Hannover „Es war alles so einfach damals“
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18:50 28.02.2017
Von Uwe Kranz
Abrissbagger reißen gerade die alte Beatbox in Leinhausen ab (links), wo Fargo-Peter Knorn früher mit der Band probte. In den Achtzigern spielte er in den USA in Stadien (oben), jetzt bummelte er mit HAZ-Redakteur Uwe Janssen durch sein altes Revier. Quelle: Von Ditfurth
Hannover

Was ist denn da los?“ Peter Knorn macht große Augen. Denn das, was der Bagger gerade mit Getöse auf einen Lkw verlädt, sind die Reste seiner musikalischen Heimat. „Das war die erste Beatbox“, sagt der Mann in der warmen Wolljacke. Während des Spaziergangs auf der Nordseite des Bahndamms in Leinhausen hat er fröhlich Anekdoten erzählt, aus seinem kuriosen Leben als Rockbassist Fargo-Peter, das er in einem Buch zusammengefasst hat. Nun steht er an diesem schmucklosen Wendehammer im Industriegebiet und überspielt seine Sentimentalität mit ein bisschen Clownerie.

Mit den Scorpions auf US-Tour

Jahrzehnte ist er nicht mehr an diesem Ort gewesen. Jetzt reißen sie vor seinen Augen seinen ersten Übungsraum ab. „Hier haben wir immer gesessen“, sagt er und deutet auf den Bordstein. „Wir“, das waren in den Siebzigern dürre Langhaarige aus der lebhaften Rockszene Hannovers. Wie seine Band Fargo, in der auch ein gewisser Matthias Jabs spielte, oder eine aufstrebende Band namens Scorpions, denen sich dieser Jabs später anschließen sollte. Jane, Eloy, wie sie alle hießen. „Wir missgönnten uns nichts. Dazu waren wir musikalisch zu unterschiedlich“, sagt Fargo-Peter, „es war alles irgendwie so einfach damals.“ Er zitiert den Plattenmanager Manfred Schütz, auch eine schillernde Figur dieser Zeit. „Als Plattenfirma brauchtest du nur vier Langhaarige, da waren 10 000 verkaufte Platten sicher.“

Aus der vielfach umbesetzten Band Fargo wurde 1984 Victory. Die Bühnen wurden größer, die Plattenfirma Universal steckte Geld in das Projekt. Victory wurde eine der erfolgreichsten deutschen Hardrockbands der Achtzigerjahre. Großer Vorteil: Das Management betreute auch die Scorpions, und die Scorpions gingen Anfang der damals gerade durch die Decke, vor allem in den USA. So kam Fargo-Peter in den Genuss, beim legendären Rockfestival Day in the Green in Oakland vor 60 000 Menschen aufzutreten - und 1985 beim Texxas Jam in Dallas gar vor 80 000 Menschen. „Es ist unwirklich. So ein Stadion hört überhaupt nicht auf. Aber ich wusste, die Leute sind nicht wegen uns da. Wir waren so eine Art Gruß aus der Küche.“ So mussten sie in einem Hotel übernachten, „wo die Kakerlaken von der Decke fielen“, wurden aber am nächsten Tag mit der Stretchlimousine abgeholt. „Aber wenn deine Musik dann trotzdem ankommt, ist das wie eine sensationelle weiche Droge. Du merkst, wie du abfliegst.“ Knorn überlegt kurz. „Aber wenn im vollen Capitol die Leute nur wegen dir da sind und abgehen - das ist noch geiler.“

Der 60-Jährige hat alles mitgenommen in den wilden Jahren, es wurde gefeiert, gerockt, auch mal geprügelt. Aber mittlerweile hat Knorn ein sehr aufgeräumtes Verhältnis zu seiner musikalischen Karriere. Wie jemand, der sich immer noch wundert, wie das alles passieren konnte.

Hendrix? Da geht noch mehr!

Nein, viel geübt habe er nie, dazu sei er zu faul gewesen. Nur die Sache mit dem Salto, die habe er im elterlichen Wohnzimmer bis zur Erschöpfung geprobt. Fargo-Peter ist nämlich der einzige Bassist, der auf der Bühne einen Überschlag schaffte, ohne mit dem Spielen aufzuhören. „Erst habe ich es mit gestapelten Matratzen gemacht. Und dann immer mehr Anlauf genommen.“ Auf die Idee gebracht hatte ihn Jimi Hendrix, jedenfalls indirekt. „Ich habe gesehen, wie der da hockt und mühevoll seine Gitarre anzündet. Wenn die wenigstens explodiert wäre! Und da habe ich gedacht: Da geht noch mehr.“ Verletzt hat er sich bei seinen Turnübungen nie, auch die Kletterei auf wackligen Boxentürmen sei immer gut ausgegangen.

Reich ist er mit der Musik nicht geworden, weder als Bassist noch als Manager der früheren Scorpions Michael Schenker und Uli Jon Roth. Geblieben sind die Erinnerungen - und ein Jaguar XJ6, Baujahr 1988, Kennzeichen H - FP 222. Der hat zwar eine fette Beule hinten rechts, und „der Himmel kommt immer runter“, aber Knorn schwört auf seine Zuverlässigkeit. Er lebt heute in der List, sein Sohn studiert Psychologie in Freiburg.

20 wolle er nicht noch mal sein, sagt Fargo-Peter am Ende des Spaziergangs auf der anderen Seite des Bahndamms, wo heute die Probenräume der Beatbox sind. Aber wenn er müsste, „dann würde ich wieder Musiker werden“.

Peter Knorn: „Bis hierhin und so weiter“. SPV-Verlag. 288 Seiten, 17,99 Euro. Am 20. Mai um 19 Uhr gibt es ein Wiederhören mit Fargo, bei der Herrenhäuser Rocknacht vor der Beatbox am Leinhäuser Weg. Der Eintritt ist frei.

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