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Stadt Hannover Michael Fürst: "Ich bin der Platzhirsch“
Aus der Region Stadt Hannover Michael Fürst: "Ich bin der Platzhirsch“
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17:49 30.05.2017
Von Michael B. Berger
Michael Fürst zeigt den Namen seines Großvaters auf dem Stein. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Er kennt den Stein, er kennt viele Namen. Natürlich kennt er den Stein. Aber er muss ein wenig suchen. „Hier: Fürst, Max, 58 Jahre, deportiert am 15.12.1941 – mein Großvater“, sagt Michael Fürst und zeigt auf einen winzigen Schriftzug im Mahnmal an der Oper. Mit seinem Vater Helmut und 999 weiteren Juden aus Hannover sind seine Angehörigen an diesem Dezembertag 1941 in das Ghetto Riga deportiert worden. Die Großeltern kamen um, Vater Helmut überlebte Ghetto und Zwangsarbeit und gründete die Jüdische Gemeinde in Hannover.

Sohn Michael begrüßt zwei Polizisten, die bei einem Routinebesuch das Mahnmal einmal abgehen und kontrollieren. Alles in Ordnung. „Eigentlich ist das hier nicht mein Stadtteil“, sagt Michael Fürst beim Stadtspaziergang - kurz vor seinem 70. Geburtstag am vergangenen Sonntag. „Gehen wir doch lieber in die List.“

Michael Fürst, seit Menschengedenken ist er der Präsident des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen. Genauer seit 1980. Die Ministerpräsidenten kamen und gingen, Michael Fürst blieb. Eine Institution. Geachtet, angefeindet, umstritten, wiedergewählt, verlässlich, ein Fels in der Brandung. „Mein Vorteil und mein Nachteil: Ich war immer schon da. Ich bin der Platzhirsch“, sagt er auf die Frage, warum es innerhalb und auch außerhalb der jüdischen Gemeinde so viel Rivalitäten gibt, auch Abneigungen. Auch sie führten dazu, dass es irgendwann eine Liberale Jüdische Gemeinde in Hannover gab, die ihn als Platzhirschen nicht akzeptierte. Die Trennung der Gemeinden ist immer noch eine Wunde, selbst für einen alten Fahrensmann wie ihn. „Gehen wir in die List.“

Nun gut, die List. Michael Fürsts Augen leuchten, das Gespräch wird lebhafter, verschwunden der Frust über die Gemeindentrennung. „Hier sind wir Rollschuh gelaufen, mitten auf der Bödekerstraße“, sagt Fürst. Mitten in den Sechzigern gab es noch nicht so viele Autos. Fürst zeigt auf ein altes Haus aus der Gründerzeit, das heute die Nummer 92 trägt: „Dort haben wir gewohnt.“ Fußball im Eilenriedestadion, Fußball auf der Bödeker, viel Sport und Spiel. „Ich habe eine ausgesprochen unbeschwerte Jugend gehabt“, sagt der Jurist. „Gehen wir zum Lister Platz, da stand einst ein Schutzmann und hat den Verkehr geregelt, sofern es etwas zu regeln gab.“

Abitur in Hannover, Bundeswehrzeit beim Fallschirmjägerbataillon in Wildeshausen, Leutnant der Reserve („Der erste Jude als Bundeswehroffizier“), dann Jurastudium und Heirat in Göttingen – nur zehn Jahre dauerte die Abwesenheit von Hannover, wo er sich Mitte der Siebzigerjahre als Anwalt niederließ. Und blieb. Aufmerksam, zuweilen recht streitbar, aber stets präsent. Obwohl er so gar nichts von alarmistischen Tönen hält, wenn sie prinzipiell alarmistisch sind. „Natürlich gibt es Antisemitismus und auch Rassismus, aber das muss ich doch nicht konstruieren – bei manchen meiner Glaubensbrüder gehört das Warnen davor schon zum Marketing, und das lehne ich ab.“ Wenn also Israels Botschafter sich über wachsenden Antisemitismus in Niedersachsen beschwert, kann man einen Michael Fürst erleben, der sich wundert – und dagegen hält. „Ich habe oft den Eindruck, der Antisemitismus wird bewusst hochgeredet“, sagt Fürst. Vielleicht sei die skeptische Haltung gegenüber den Alarmisten auch berufsbedingt, sagt er. „Ich bin Anwalt.“ Da wägt man die Worte.

Nun gut, die Verhältnisse haben sich auch geändert. Früher, als Michael Fürst noch keine Institution war, da konnte ein Bundeswehr-Vorgesetzter vor ihn treten und einfach sagen: „Nur dass Sie’s wissen: Ich bin Antisemit. Wir können gute Freunde werden, wenn Sie mein Urteil über Sie akzeptieren.“ Hat er nicht getan, der junge Soldat, sondern sich beschwert über den Vorgesetzten, der sofort versetzt wurde. Später ist Fürst im Direktorium des Zentralrats der Juden dann für die Bundeswehr zuständig gewesen: „Ich war gewissermaßen der General der Juden“, sagt er und lacht.

Nun also 70. Kürzertreten? Nicht unbedingt. Dem Fußball- und Volleyballspiel der Jugend folgte das Golfspiel, das Michael Fürst heute mit Hingabe macht. Auch wenn er jetzt hin und wieder in Frankfurt ist, wo seine Frau lebt, zieht es ihn immer wieder schnell nach Hannover zurück, „eine richtig schöne Provinzhauptstadt“. Am 9. Juni wird er seinen 70. offiziell feiern, und wenige Tage später wird das Buch eines Historikers erscheinen, das die Geschichte der hannoverschen Familie Fürst beschreibt. Da ist Michael Fürst besonders gespannt. „Da werden Sachen drin stehen, die ich noch nicht weiß.“     

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