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Stadt Hannover Gastronom Reimann denkt nicht ans Aufhören
Aus der Region Stadt Hannover Gastronom Reimann denkt nicht ans Aufhören
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18:15 06.12.2016
Von Juliane Kaune
Denkt nicht ans Aufhören: Gastronom Ekkehard Reimann. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Er steht vor dem Hinterhaus, in dem alles anfing. An der Lister Meile 45. Dort hatte einst der neue Küchenchef vom Central-Hotel Kaiserhof am schnellsten eine Bleibe gefunden. Nach Stationen in der Schweiz, Holland und England wollte er mal sehen, was Hannover zu bieten hat. Dass Ekkehard Reimann, der Küchenchef von damals, mehr als vier Jahrzehnte später noch immer ganz in der Nähe des Hauses mit der Nummer 45 leben und arbeiten würde, hätte er sich nicht träumen lassen. „Das hat sich“, sagt er, „einfach so ergeben.“ Und er ist froh, dass es so gekommen ist.

Reimann ist längst eine Institution in der Gastronomieszene. Sein Clichy am Weißekreuzplatz, mit dem er sich 1979 selbstständig gemacht hat, ist es ebenso. Nach wie vor zählt es mit seiner französischen Küche zu den Spitzenrestaurants der Stadt. Nur einen Steinwurf entfernt gibt es seit 2009 einen vergleichsweise neuen gastronomischen Kontrapunkt, dem der Chef seinen Namen gegeben hat: Reimanns Eck, in dem Gutbürgerliches serviert wird.

Der Tag beginnt um 6.30 Uhr

In beiden Läden führt Reimann unermüdlich die Geschäfte. Auch mit fast 75 Jahren. Am Donnerstag hat er Geburtstag. Es wird für ihn ein ganz normaler Arbeitstag. Um 6.30 Uhr aufstehen, Papierkram erledigen, mit dem Team den Tag planen, die Speisekarten aktualisieren und immer wieder überall nach dem Rechten sehen. „Da habe ich eine preußische Disziplin“, sagt der gebürtige Berliner. Spurlos gingen die Jahre aber auch an ihm nicht vorüber, meint er schmunzelnd. Um 15 Uhr gönnt er sich einen verspäteten Mittagsschlaf. „Und inzwischen sehe ich zu, dass ich mich so ab 20.30 Uhr ausklinke.“ Am Sonntag etwas früher, denn dann ist „Tatort“-Zeit im Ersten. Weit hat er es nicht: Er wohnt direkt über dem Clichy. Seit 37 Jahren.

Wenn Reimann im Stechschritt über die Lister Meile marschiert, sind keine Ermüdungserscheinungen festzustellen. „Hallo, Ekkehard“, ruft ihm der Pizzabäcker von La Lanterna zu. Auch der Blumenhändler ist ein guter Bekannter. Keine Berührungsängste hat der Spitzenkoch mit den Nachbarn vom Discounter: „Die Leute vom Penny helfen uns manchmal aus, wenn in der Küche was fehlt.“ Dann sind da noch der Buchladen, der Herrenausstatter, der Schuster und viele andere Läden, deren Inhaber und Mitarbeiter zu Reimanns Kunden zählen - und umgekehrt. Der tägliche Gang über die Lister Meile bleibt sein Fitnessprogramm. Das Walken durch die Eilenriede hat er vor zwei Jahren aufgegeben - mit schlechtem Gewissen.

Reimann und seine Restaurants: Privates und Berufliches sind kaum zu trennen. Noch ist ein Leben ohne seine Läden für ihn nicht vorstellbar. Und noch immer macht der Mann, der mit 14 Jahren in Köln seine Kochlehre begann und heute 40 Angestellte beschäftigt, all die berühmten Soßen im Clichy selbst. „Außerdem muss ich noch was für die Rente tun“ - er braucht diese pragmatische Begründung für sein Durchhaltevermögen.

Reimann ist auch Geschäftsmann. Gastronomisch gesehen hat er zwei strategisch wichtige Punkte am Weißekreuzplatz belegt. Früher führte er dort noch das Königsberg - heute ist an gleicher Stelle die Systemgastronomie der Bar Celona zu finden. Sein früheres kleines Gastroimperium, zu dem auch das Gattopardo im Nikolaiviertel und das Röhrbein in der Galerie Luise zählten, hat er nach und nach bewusst verkleinert.

Das Imperium schrumpft dosiert

Der Weißekreuzplatz ist sein Revier geblieben - auch wenn da nicht alles paradiesisch ist. Verständnis hat der Gastronom für die Proteste der Geschäftsleute wegen aggressiver Trinker rund um den Platz. „Wir haben hier viele junge Familien, die sind damit nicht glücklich“, sagt der zufriedene Dauersingle, dem „mit Ende 30 mal eine Dame abhanden gekommen“ ist, die er wohl geheiratet hätte. Er selbst trägt die sommerlichen Zechgelage, die an seine Außengastronomie grenzen, mit Gelassenheit. Die knappe Erklärung: „Ich war vor 30 Jahren mal in der SPD, wegen Willy Brandt bin ich eingetreten.“ Und später wieder ausgetreten. Aber: „Ich bleibe Sozialdemokrat.“

Nach seinem 75. Geburtstag wartet eine Premiere: Erstmals lädt Reimann zum Silvesterfrühschoppen in sein Eck ein - mit seinem guten Freund Bodo Linnemann, der das traditionelle Anstoßen früher im benachbarten Casa Blanca veranstaltet hatte. Die Räume gehören inzwischen zu Reimanns Eck. Eine Bodo-Gedächtnisecke gibt es noch. Und unvergessliche Erinnerungen: „Wir waren auf allen Stones-Konzerten in Hannover.“ Im Clichy hängen Beweisfotos in Schwarz-Weiß. „Der eine Vogel ist fast so alt wie ich“, lacht Reimann und meint Keith Richards. Der höre nachweislich auch noch nicht auf.

Reimann will noch eine Drei-Jahres-Bewerbung fürs Maschseefest abgeben - bis 2019 also. Interessenten, die Reimanns Eck und den Imbiss Reimanns Fische am Courtyard Hotel übernehmen würden, gebe es genug, verrät er. Und was ist mit dem Clichy? „Es ist schwer, in Hannover Spitzengastronomie zu betreiben“, sagt Reimann nur. Und: „Vielleicht muss ich dort dann eben doch noch weitermachen.“

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