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Stadt Hannover Für 20 Euro Kunstsammler sein
Aus der Region Stadt Hannover Für 20 Euro Kunstsammler sein
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20:22 16.08.2017
Von Jutta Rinas
Im Eingang, im Flur, in der Küche, im Wohn- oder Schlafzimmer: Überall im Wohnhaus von Kunstsammlerin Usch Jacobi findet sich Kunst. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Usch Jacobi macht nicht viele Worte, wenn es um ihre Kunstwerke geht. Die Goldschmiedin zeigt sie einfach, lässt sie wirken – und es sind wahrlich viele, die bei ihr zu Hause wirksam sind. 98 Kunstwerke stehen und hängen derzeit in ihrem so verwunschen wirkenden Wohnhaus, in einem über und über von Kletterpflanzen umrankten Backsteingebäude mitten in einer eigentlich eher ärmlichen, tristen Wohngegend in Stöcken. Die 98 Stücke seien nur diejenigen, die nur sie alleine besitze, betont die 71-Jährige. Denn die leidenschaftliche Kunstsammlerin sammelt nicht nur für sich, sie kauft und tauscht zudem seit mehr als 20 Jahren auch noch in einer Gruppe mit fünf anderen Frauen: der Gruppe 4/7.

Wann „prickt“ es sie, etwas zu erwerben, wie sie es formuliert? „Es muss etwas Besonderes, Eigenwilliges sein – und es muss mich emotional berühren“, sagt Jacobi und lächelt freundlich. Danach kommt ein Satz, der überdeutlich die so typische, zupackende Leidenschaft der Kunstsammlerin verrät. „Wenn es finanziell erschwinglich ist“, sagt Usch Jacobi dann nämlich plötzlich, „dann schlage ich zu.“

Was dabei herauskommt, wenn Menschen wie Usch Jacobi bei Kunstwerken „zuschlagen“, das kann man derzeit in der Ausstellung „Kunstwerk wechsele dich! Das andere Sammeln“ in der Städtischen Galerie Kubus sehen. Die Sammlung der Gruppe 4/7 (ursprünglich waren es sieben Sammlerinnen) wird dort derzeit gezeigt. Leiterin Anne Prenzler will in ihrer Reihe „Freispiel“ damit einmal den etwas anderen Kunstsammlern ein Forum bieten. Nicht die prominenten hannoverschen Sammler wie beispielsweise der Galerist Robert Simon, dessen eigene Sammlung im Kunstmuseum Celle aufgegangen ist, sollen im Mittelpunkt stehen.

„Ich bin doch kein Millionär“

Prenzler will sich stattdessen Menschen widmen, die Kunst kaufen, ohne sich durch besonderes Expertentum oder einen üppigen Geldbeutel auszuzeichnen. „Kunst sammeln – ich bin doch kein Millionär“ heißt eine Podiumsdiskussion im Kubus am Donnerstag um 19 Uhr. Die 46-jährige schwärmt von Sammlern, die Bilder nicht nach Marktwert oder rationellen, sondern rein nach persönlichen Gesichtspunkten kaufen. Das könne eine ästhetische Vorliebe oder einfach nur eine Erinnerung sein. „Es muss nicht immer das Möbel oder das Schmuckstück sein, das das Leben bereichert“, sagt Prenzler: „Es können eben auch Kunstwerke sein.“

Wie so eine Leidenschaft ein Leben prägt, das kann man eindrucksvoll bei Usch Jacobi erleben. Wer ihr Haus betritt – ein von einem Architekten umgestaltetes Gebäude, in dem früher Arbeiter aus dem Ausbesserungswerk in Leinhausen lebten –, fällt sozusagen mit der Tür in Kunst. Direkt am Eingang hängt ein Druck des Leipziger Malers KAESEBERG, der seinen Künstlernamen immer in Versalien schreibt und 1993 eine Ausstellung in der Kestnergesellschaft hatte. Man ist kaum einen Schritt weiter, da stößt man auf eine grotesk wirkende Plastik der hannoverschen Künstlerin Anne Nissen: von der Wand herab baumelnde Transportrollen, die an einem Gummigeflecht befestigt sind. Direkt daneben: ein Küchenstuhl, von Susanne Horst mit roten Stoffstücken aus Taft bestückt. Die Stuhllehne hat die Künstlerin in ein grellrotes Kirmesherz verwandelt. Mag die 71-Jährige, die in den Sechzigerjahren in der Schule in Kunst von dem hannoverschen Künstler Siegfried Neuenhausen unterrichtet wurde und seitdem nie wieder von der Kunst loskam, das Spiel mit Kitsch und Kunst? Mag sie Kunst, die den Alltag von Frauen spiegelt? Eine Bratpfanne umwickelt mit Spiegelei aus Filz hängt in der Küche, ein merkwürdiges Hemd aus in geschöpftes Papier getauchtem Baumwollstoff von Barbara Lütjen baumelt im Flur von einem Kleiderhaken. „Ach“, sagt Usch Jacobi und lacht schon wieder: „Ich mag’s einfach auch gerne witzig.“

Christine Erdsiek dagegen genießt es vor allem, wenn sich die Räume in ihrer Wohnung in der Südstadt durch die Kunst immer wieder verändern. Das tun sie, weil Erdsiek – vierfache Mutter und von Beruf Managementtrainerin – nicht nur Kunst kauft, sondern sie in der Gruppe 4/7 eben auch tauscht. Woher kommt die Leidenschaft für Kunst? Abi-Fach sei es gewesen, danach habe sie häufig Ausstellungen besucht und sich schon damals eigentlich dauernd was kaufen wollen: „Aber das Geld hat nicht gereicht.“

Kosten: 20 Euro monatlich

Das hat sich geändert, seit es das Projekt Kunsttausch gibt. 20 Euro monatlich zahlen Erdsiek und ihre Mitstreiterinnen seit mehr als 20 Jahren monatlich in ihre Kunstkasse ein: „Das ist nicht mehr“, sagt die 58-Jährige, „als der Wert für einen Abend mit Pizza und Wein.“ Gemeinsam habe man so aber fast 1500 Euro jährlich und könne sich Kunstwerke leisten, die einem der eigene Geldbeutel nie erlauben würde. Über die alljährliche Umverteilung der Sammlung, in der viele hannoversche Künstler vertreten sind, wachen die Frauen mit einem komplizierten Verlosungssystem, das jedem gerecht werden soll.

„Natürlich gibt es Lieblingsstücke“, sagt Erdsiek, „und solche, an denen man erst mal zu knacken hat.“ Wenn etwa der „Mond“ in ihrem kleinen Büro hänge, erzählt Erdsiek, sei der ganze Raum mit leuchtender Farbigkeit ausgefüllt. „Und das“, sagt die Sammlerin - „ist einfach schön.

Ausstellung im Kubus dauert bis Sonntag

Die Ausstellung „4/7: Kunstwerk wechsele dich! Das andere Sammeln“ ist noch bis einschließlich Sonntag, 20. August, in den Räumen der Städtischen Galerie Kubus, Theodor-Lessing-Platz 2, zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags, 11 bis 18 Uhr, und Sonnabend und Sonntag, 11 bis 16 Uhr. Am Donnerstag, 17. August, um 19 Uhr findet ein Podiumsgespräch unter dem Titel „Kunst sammeln – ich bin doch kein Millionär“ statt. Dabei sind die Künstlerinnen Lilly Grote und Joanna Schulte, die Sammler Christa Rehburg (aus der Gruppe 4/7) und Ernst Kirchertz, der Galerist Achim Leseberg und Kubus-Leiterin Anne Prenzler.

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