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Stadt Hannover Stehen auf dem Waterlooplatz bald Wohnhäuser?
Aus der Region Stadt Hannover Stehen auf dem Waterlooplatz bald Wohnhäuser?
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19:48 30.05.2017
Von Conrad von Meding
Der Plan: Schlanke Gebäude sollen die Ostseite des Waterlooplatzes säumen. Für die U-Bahn-Station könnte ein eigenes Eingangsbauwerk entstehen. Weitere Wohngebäude sehen die Planer auf dem Friederikenplatz (links der Mitte) und Richtung Schützenplatz (oben, Mitte) vor. Wie der Platz aussehen könnte, davon gibt die Illustration rechts einen Eindruck.
Hannover

Was nach dem intensiven Streit um Platzbebauungen in Hannover überrascht: Vorgestellt haben sie ihr Projekt bei einer Diskussionsrunde des Bürgerbüros Stadtentwicklung, das sonst Neubauten auf öffentlichen Plätzen sehr skeptisch gegenübersteht.

Politik muss Instrumente nutzen

„Die Politik ist nicht machtlos gegenüber Mietsteigerungen - sie muss nur ihre Instrumente richtig ausschöpfen“, sagt Klaus Heinzel. Der ehemalige Chef der Hochschulplanung im Staatlichen Baumanagement des Landes hat das Konzept gemeinsam mit Ernst Futterlieb entwickelt, der fast 40 Jahre lang leitender Baubeamter bei der Stadt war. Ihre Idee: Wenn die öffentliche Hand preiswerten Wohnraum schaffen will, muss sie eigene Grundstücke preiswert zur Verfügung stellen. „Das geht am Waterlooplatz: Die Platzfläche gehört der Stadt, der benachbarte Friederikenplatz gehört dem Land.“ München etwa sei viel weiter damit, Bauplätze nicht nach Höchstpreis zu vergeben sondern nach dem besten Konzept.

Das Areal am Waterloo- und Friederikenplatz ist jahrzehntelang für die Erweiterung des Regierungsviertels freigehalten worden. Anstelle des abgerissenen Friederikenschlösschens neben dem Waterloo-Biergarten würden die Planer einen großen Wohngebäudeblock errichten. Vier weitere Wohnhäuser könnten sich in einer schlanken Linie an der östlichen Platzfläche neben der Waterloosäule aufreihen. Insgesamt etwa 350 Wohnungen für bis zu 700 Mieter können sich die Planer vorstellen. Was der Grünfläche auf der Ostseite durch die Bebauung genommen würde, könnte ihr auf der anderen Seite zugeschlagen werden, indem die Lavesallee verengt wird. Sie ist derzeit eine sechsstreifige Stadtautobahn und gilt als für den Verkehr überdimensioniert. An der Westseite solle eine zweireihige Baumallee den Platz zur Straße abschirmen, unter der Fuß- und Radwege Raum fänden. Eine weitere Forderung ist, auf Architekturschnickschnack und hohe energetische Anforderungen zu verzichten: „Die gesetzlichen Standards zur Gebäudeenergie reichen völlig aus, weitere Auflagen verteuern nur das Wohnen“, sagt Heinzel. Zudem könne man auf Tiefgaragen verzichten - die U-Bahnstation ist vor der Tür.

Bisher ist das Konzept nur eine Idee, die Stadt verfolgt aktuell keine Neuplanungen für den Platz. Oberbürgermeister Stefan Schostok allerdings hatte jüngst gesagt, dass nach Abzug der provisorischen Kita in drei Jahren und der Flüchtlingscontainer über ein neues Konzept für den Waterlooplatz nachgedacht werden solle.

Bei den etwa 80 Besuchern des Bürgerbüro-Diskussionsabends gab es geteilte Meinungen. Ein Radfahrfan aus Stöcken warb dafür, in Hannover „keinen Quadratmeter Grünfläche“ mehr zu bebauen. Denkbar sei etwa ein Tunnel, regten mehrere Besucher an - der aber würde wohl eine dreistellige Millionensumme kosten. Andere wiesen darauf hin, dass Wohnbauten zu Lärmklagen gegen temporäre Projekte wie ein Fußball-Public-Viewing oder auch gegen Krach vom nahen Schützenplatz führen könnten.

Einst gab es Ärger um Bolzplatz

Die Mehrheit begrüßte die Idee, preiswerten Wohnraum zu schaffen. Bauhistoriker Sid Auffarth allerdings warnte, dass die von Verwaltungsgebäuden umgebenen Wohnhäuser isoliert stünden und kein lebendiges Quartiergefühl entstehen werde. Einige Studenten stellten Konzepte vor, wie der Platz belebt werden könnte - mit Spielflächen für Kinder, besseren Überwegen aus der Calenberger Neustadt oder einem „Haus der Demokratie“ als Treffpunkt für Bürger.

Die ehemalige Bezirksbürgermeisterin von Mitte, Sonja Eick, erinnerte daran, dass vor knapp zehn Jahren Pläne für einen Bolzplatz auf dem Waterlooplatz brüsk abgelehnt wurden. Wichtig sei, dass die Grünfläche trotz Wohnbebauung auch den Altbewohnern der Calenberger Neustadt zur Verfügung stehe.

Einst ein Militärplatz der Könige

Angelegt als Militär-Exerzierplatz unter König Georg IV., ist der Waterlooplatz mit der großen Siegessäule auf das Leineschloss ausgerichtet, den heutigen Landtag. Schon nach dem Ersten Weltkrieg gab es erste Ideen zur Entmilitarisierung. Die Nazis hingegen entwickelten Pläne für ein riesiges Marschier- und Partei­areal, die aber nie komplett umgesetzt wurden, wie Bauhistoriker Sid Auffarth bei der Veranstaltung anhand von Bildern zeigte. Nach dem Krieg wandelte Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht den auf gerade Marschierachsen angelegten Paradeplatz mithilfe der geschwungenen Lavesallee in eine Grünfläche um, die allerdings nur gelegentlich für Zirkusse und Public Viewing (WM 2006, EM 2012) genutzt wird. Der Platz ist heute etwa 400 mal 100 Meter groß.

med

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