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Stadt Hannover Braucht Hannover mehr verkaufsoffene Sonntage?
Aus der Region Stadt Hannover Braucht Hannover mehr verkaufsoffene Sonntage?
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00:15 31.08.2017
Hunderttausende kommen in der Regel an einem verkaufsoffenen Sonntag in die City.  Quelle: Archiv
Hannover

Karstadt würde die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage in Hannover gerne mehr als verdoppeln. Zehn bis zwanzig Termine pro Jahr seien sinnvoll, sagte der hannoversche Filialchef Rolf Lay im Interview mit der HAZ. Gemeinsam mit Kaufhof und weiteren großen Einzelhändlern hat der Konzern die Initiative „Selbstbestimmter Sonntag“ ins Leben gerufen. Jetzt hat Karstadt als erstes Unternehmen erklärt, an wie vielen Sonntagen es öffnen will.

Der hannoversche Karstadt-Filialchef Rolf Lay. Quelle: HAZ

Karstadt benötige „Chancengleichheit“ im Wettbewerb mit dem Onlinehandel, sagte Lay. Sonntags mache seine Filiale pro Stunde genauso viel Umsatz wie sonnabends. Die Gewohnheiten hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten geändert: „Sonntags kaufen die Menschen nicht, um sich zu versorgen, sondern weil es Spaß macht.“ Notfalls müsse man das Grundgesetz ändern, um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen. Das Grundgesetz schützt den Sonntag als Tag „der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung“.

"Die Leute kaufen Sonntags, weil es Spaß macht": Hannovers Karstadt-Chef im Interview

Der hannoversche Karstadt-Filialchef Rolf Lay hält die Ladenöffnungregeln für nicht mehr zeitgemäß. Im Interview fordert er, dass Geschäfte an bis zu 20 Sonntagen im Jahr öffnen dürfen - um im Kampf mit Internethändlern bestehen zu können. Lesen Sie hier das komplette Interview. 

Die Forderung befeuert die Diskussion um das niedersächsische Ladenöffnungsgesetz. An wie vielen Sonntagen die Geschäfte öffnen dürfen, regeln die Länder; in Niedersachsen sind es derzeit bis zu vier Sonntage.

Der Handelsverband Hannover würde mehr Gestaltungsfreiheit begrüßen. „Immerhin hat das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil aus 2009 bereits zehn Sonntage als verfassungsrechtlich unbedenklich gesehen“, sagte Hauptgeschäftsführerin Monika Dürrer. „Seither sind fast acht Jahre vergangenen, und der Wettbewerb aus dem Internet hat deutlich zugenommen.“ Auf eine konkrete Zahl wollte sie sich allerdings nicht festlegen. Viele kleine Händler hätten nicht genügend Personal, „um häufigere Sonntagsöffnungen zu stemmen“, gab sie zu bedenken.

Auch die City-Gemeinschaft Hannover, die große und kleine Innenstadthändler vertritt, reagierte zurückhaltend auf den Karstadt-Vorstoß. Mit vier offenen Sonntagen habe man „sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagte Geschäftsführer Martin A. Prenzler. „Dann bleibt es etwas Besonderes.“

Heftige Kritik kam von der Gewerkschaft Verdi. „Wir fordern eine gesetzliche Begrenzung auf maximal vier Sonntagsöffnungen pro Gemeinde im Jahr“, sagte Sabine Gatz, Leiterin des Fachbereichs Handel in Niedersachsen. Verdi führt zurzeit eine Kampagne für den „arbeitsfreien Sonntag“ durch. „Unternehmen und Politik unterlaufen zunehmend die Sonntagsruhe“, warnt die Gewerkschaft.

Auch die evangelische Kirche hält vier Sonntagen für ausreichend. Diese Regel sei „ein guter Ausgleich zwischen der Sonn- und Feiertagsruhe und den Interessen des Einzelhandels“, sagte Kerstin Gäfgen-Track, Bevollmächtigte der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen.

Vorgezogene Wahl verhindert Gesetzreform

Das Ladenöffnungsgesetz in Niedersachsen erlaubt derzeit jeder Kommune bis zu vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr. Weil die Formulierung im Gesetzestext aber zu vage ist, was weitere verkaufsoffene Sonntage etwa in Stadtteilen angeht, hat das Verwaltungsgericht Hannover bereits im Oktober 2015 den Gesetzgeber aufgefordert, die Regelung präziser zu fassen. Seither herrscht Rechtsunsicherheit, die dazu führt, dass verkaufsoffene Sonntage leicht vor Gericht gestoppt werden können. SPD und Grüne wollten das Gesetz reformieren – was durch die vorgezogene Landtagswahl vorerst gestoppt ist.

Von Christian Wölbert

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