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Stadt Hannover Sucht Hochstapler neue Opfer in Berlin?
Aus der Region Stadt Hannover Sucht Hochstapler neue Opfer in Berlin?
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19:12 26.07.2017
Von Michael Zgoll
Marcel R. bietet im Internet ärztliche Hilfe an.
Hannover

Als Palliativmediziner, Psychologe und Juniorprofessor „Marcel Roéniké“ trat Marcel R. 2012 und 2013 in Hannover in Erscheinung. Der Hochstapler narrte als Gründer eines Kinderhospiz-Vereins namens „Schatzinsel“ viele Gönner, Helfer und Eltern, verarztete schwerkranke Kinder oder Mitarbeiter, die er niemals hätte behandeln dürfen.

Im Juli 2014 verurteilte das Landgericht Hannover den damals 31-Jährigen zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft. Aus dem Gefängnis entlassen, scheint Marcel R. nun in Berlin sein Handwerk als Hochstapler fortsetzen zu wollen. Die hannoversche Staatsanwaltschaft hat sich bereits mit den Berliner Ermittlungsbehörden in Verbindung gesetzt.

Verurteilt wegen sechs Delikten

Der Schuldspruch in Hannover erfolgte aufgrund zahlreicher Delikte: Titelmissbrauch, Verstoß gegen das Heilpraktikergesetz, Betrug, gefährliche Körperverletzung, Urkundenfälschung und Fahren ohne Führerschein. Nun hat Marcel R., den Nachnamen „Roéniké nur unwesentlich verändert, unter Verwendung seiner Initialen die Firma „MR Pflege - Ambulante Gesundheits- und Krankenpflege“ gegründet.

Gemeinsam mit einem Tobias L., dessen Qualifikationen ebenfalls nicht benannt werden, bietet die „MR Pflege GbR“ seit dem 1. Januar 2017 im Internet hauswirtschaftliche Leistungen wie Kochen und Bügeln oder Hilfe beim Ankleiden an. Offeriert werden aber auch Infusions-, Chemo- und Schmerztherapie oder Magensonden-Ernährung und eine Versorgung von Patienten mit Luftröhrenschnitt.

Der Berliner Pflegedienst wirbt auf seiner Homepage mit dem Spruch: „Ihre Spezialisten, wenn es um das Ganze geht.“ An anderer Stelle bietet R. im Internet „systemtherapeutische Beratung“ und „Schulungen in Unternehmen“ an; außerdem arbeite er an einem Buch, das das System der Krankenkassen kritisch durchleuchtet. Im Prozess in Hannover war herausgekommen, dass der nach eigener Darstellung „hochbegabte“ R. aber weder an Schweizer Privatuniversitäten studiert noch an der Berliner Charité, bei der Weltgesundheitsorganisation oder in der Uniklinik Hannover gearbeitet hat.

Tatsächlich besitzt der aus Halberstadt stammende Hochstapler, der dank jugendlichen Charmes und rhetorischen Talents Menschen schnell für sich einnehmen kann, nur einen Realschulabschluss und hat sich lediglich privat mit Medizinthemen beschäftigt. Das Gericht bescheinigte R. 2014 ein „hohes Manipulationstalent“ sowie großen Narzissmus und Egozentrik.

Ein Berliner, der mit Marcel R. selbst leidvolle Erfahrungen gemacht und den Pseudo-Mediziner jetzt bei der Polizei angezeigt hat, ist Lucas Vandenberg. Der 30-Jährige hatte den Hochstapler unter abenteuerlichen Vorzeichen kennengelernt. Er schenkte am 19. Dezember 2016 in einer Bude auf einem Weihnachtsmarkt Glühwein aus, als der Attentäter Anis Amri mit einem Lkw durch das stimmungsvolle Idyll nahe der Gedächtniskirche raste, zwölf Menschen tötete und Dutzende schwer verletzte. Der Glühwein-Zapfer kam mit viel Glück körperlich unversehrt davon, doch die Schreckensbilder jenes Tages brannten sich bei ihm ein, traumatisierten ihn.

Praxis existiert nicht

Offenbar hatte Marcel R. in einer Tageszeitung einen Bericht über Vandenbergs Erlebnisse gelesen. „Er sprach mich eines Abends in einer Bar an“, erinnert sich der 30-Jährige. R. bot dem Attentatsopfer psychologische Hilfe an, stand in den Folgewochen häufig für Gespräche zur Verfügung - und versorgte seinen „Patienten“ mit Anti-Depressiva und Schmerzmitteln.

Doch irgendwann wurde dieser misstrauisch, bat ihn der vermeintliche Mediziner doch nie in seine Praxis. Vandenberg recherchierte und fand unter der im Internet genannten Adresse nur einen Briefkasten, auf der mit krakeliger Handschrift „MR-Pflege GbR“ und die Nachnamen der vorgeblichen Geschäftsführer standen. Im Juni habe er R. zur Rede gestellt, so der Berliner. Dieser habe auf die Vorhaltungen aggressiv reagiert und erklärt, den Kontakt abbrechen zu wollen.

Kurz darauf, so Vandenberg, sei er nahe dem Savignyplatz von Schlägern verprügelt worden - Zufall? Der 30-Jährige zeigte R. wegen Betrugs, Titelmissbrauchs und Körperverletzung an. Inzwischen, so erzählt das Opfer, sei der falsche Arzt abgetaucht und unter keiner Adresse und Telefonnummer mehr erreichbar.

Nach der HAZ vorliegenden Unterlagen soll der falsche „Roéniké“ in Berlin Mietschulden haben, Kredite nicht zurückgezahlt und Rechnungen nicht beglichen haben. Auch hörte er sich bei einer Bank nach einer Immobilie um - in Hannover war er einst im Namen des Hospizvereins „Schatzinsel“ als Interessent für zwei Millionen-Objekte aufgetreten.

Thomas Klinge, Sprecher der hiesigen Staatsanwaltschaft, bestätigte der HAZ, dass man über die neuerlichen Aktivitäten des Hochstaplers informiert ist und diese Erkenntnisse nach Berlin weitergeleitet hat. Zwar stehe R. in Hannover noch unter Führungsaufsicht, ansonsten seien die aktuellen Ermittlungen aber Sache der dortigen Behörden.

Doch die Berliner Polizei scheint es nicht eilig zu haben und erklärte auf Anfrage der HAZ, in Sachen „Roéniké“ derzeit nichts zu unternehmen - obwohl doch mindestens eine Anzeige vorliegt und sich im Netz mit Leichtigkeit markante Spuren finden lassen. Schon das Landgericht Hannover hatte bei R. auf eine erhebliche Rückfallgefahr hingewiesen - offenbar war diese Warnung gut begründet.

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