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Stadt Hannover Pssst! So laut ist es an diesen Orten in Hannover
Aus der Region Stadt Hannover Pssst! So laut ist es an diesen Orten in Hannover
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00:19 28.04.2018
Ein Spaziergang durch Hannover mit offenen Ohren. Quelle: Ebeling/Franson
Hannover

Nun seien Sie doch mal still! Jetzt! Sagen Sie nichts! Machen Sie nichts! Lauschen Sie nur! Was hören Sie? Nicht viel? Trotz guter Ohren? Das hätten Sie wohl gern! Gut so! Gerade heute. Denn heute ist der Tag gegen Lärm. Lärm? Was ist Lärm? Geräuschmüll. Ist das Klang oder kann das weg? Auch Missklang ist Klang. Lärm. Lärm ist keine Physik. Lärm ist Gesellschaft. Individuell empfundene Soliallast. Auch leise kann zu laut sein, wenn es Lärm ist. Ein Auto ist nicht laut, wenn es neben einem Flugzeug steht. Ein Staubsauger ist nicht laut, wenn er neben einem laufenden Auto saugt. Ein Singvogel ist nicht laut, wenn er neben einem Staubsauger zwitschert. Ein Computer ist nicht laut, wenn er in der Eilenriede läuft. Ein Computer macht sowieso keinen Lärm? Das verrät er erst, wenn er abgeschaltet wird. 

Lärm ist subjektiv. Schalldruck ist messbar, Lärm nicht. Ein Kühlschrank kann mehr nerven als als ein Metallica-Konzert. Das entscheidet nicht der Schalldruckmesser, das entscheiden die Ohren und der Kopf, an dem sie hängen. Und ein bisschen auch Metallica. 

Heute ist der Tag gegen Lärm, der „International Noise Awareness Day“. Vor 21 Jahren gab es den in Deutschland noch nicht. Seitdem ist Ruhe. Einmal im Jahr. Mit vielen Aktionen macht die Deutsche Gesellschaft für Akustik, die Dega, heute auf die Lärmproblematik aufmerksam, auf Ursachen, Risiken, Folgen – und was man dagegen tun kann, wie man Lärm vermeiden kann. Die Dega informiert ohnehin auf www.tag-gegen-laerm.de, um was es geht. Aber heute will sie mit mehr als 150 Aktionen bundesweit für Aufklärung werben, sich bemerkbar machen. Trommeln, aber nicht lärmen. 

Wir haben uns in der Stadt mal zurückgezogen. In lärmfreie Zonen. Oder was wir dafür halten. Den Schalldruck haben wir gemessen. Aber war es auch Lärm? Lesen Sie selbst. Ganz in Ruhe. 

L
ärm wird von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich wahrgenommen,deshalb sagt der Messwert dB (Dezibel) wenig aus. Zumal auch die Tonhöhe eines Geräuschs beim Störempfinden eine große Rolle spielt. Grundsätzlich gilt: dB ist ein logarithmisches Maß, sodass die Verdopplung des Messewertes nicht etwa eine Verdopplung der Lautstärke darstellt. Vielmehr bedeutet jede Zunahme um 3 dB verdoppelte Lautstärke. Einige Beispiele von leise nach laut: Stille im Wald: 10 dB (Durchscnnittswerte), Stille in einer Stadtwohnung: 45 dB, normales Gespräch: 55 dB, Verkehrslärm: 75 dB, Sinfoniekonzert und Autohupe: 110 dB, startender Jet 130 dB.

Marktkirche: 94,8 dB beim „Organo Pleno“

Er ist der Herr über Stille und Lärm in der Marktkirche: Wenn Organist Ulfert Smidt am Instrument alle Register zieht – „Organo Pleno“ –, misst die Handyapp 94,8 Dezibel (dB). „Die Orgel kann Musik erklingen lassen, die nicht nur Krach ist, sondern auch Harmonie“, findet Smidt. Auch die leistesten Töne des Musikinstrumtes mit der Einstellung „Cor de nuit“ sind 71,7 dB laut,etwa wie ein Rasenmäher – aber viel schöner anzuhören. Schweigen Orgel und Menschen in der Marktkirche, ist es dort erstaunlich still: 50,9 dB. „Es ist eine Art von Stille mitten in der Stadt“, sagt Smidt begeistert. Auch auf Besucher in der Kirche wirke das. Die Menschen fingen dort automatisch an, leiser zu sprechen, erzählt der Organist, der seit mehr als 20 Jahren auf der Orgel der Marktkirche spielt und Schüler unterrichtet wie etwa den 16-jährigen Bjarne Lerg. „Ich mag die Orgel, weil man mit ihr sowohl laut, als auch leise spielen kann“, sagt der Schüler.

Ulfert Smidt. Quelle: Samantha Franson

Pendlerpegel 86,3 dB auf Bahnsteig 1

9.17 Uhr, Gleis 1 des hannoverschen Hauptbahnhofes: Viele Pendler warten auf die S4 nach Hildesheim, auf der anderen Seite fährt gleichzeitig die S4 in der Gegenrichtung nach Bennemühlen ein. Der Pegelmesser zeigt 86.3 dB an. Das ist auf geräuschmäßiger Augenhöhe mit einem Presslufthammer in wenigen Metern Entfernung. Unerträglich? Moritz Bojarra findet die Lautstärke in Ordung. „Es stört mich jetzt nicht“, erklärt der Maschinenbaustudent. Im Gegenteil: Die Ansagen aus den Lautsprechern auf den Bahnsteigen würde er gerne noch lautere hören. Steffen Sander, Geschäftsmann auf Gleis 9, findet es hingegen deutlich lauter, als ihm lieb ist. „Es sind viele Menschen wegen der Messe unterwegs, daher ist es viel lauter als sonst“, findet er, bevor er in den Zug steigt – ein ICE mit Ruhezone.

Pendler Moritz Bojarra. Quelle: Laura Ebeling

Ein ruhiger Job in der Bibliothek – 59,8 dB

Ist die Stille in Bibliotheken nicht sprichwörtlich und zumal in wissenschaftlichen Einrichtungen wie der Technischen und Naturwissenschaftlichen Uni-Bibliothek (TIB) ein Selbstverständlichkeit? Nicht wirklich. „Wir müssen jeden Tag immer mal wieder zur Stille mahnen“, berichtet Mitarbeiterin Gabriele Klausing. Und das, obwohl es 2017 unter dem Motto „Helft uns, die Bibliothek zu einem angenehmen Lernort zu machen“ eine Aktionswoche zum Thema Lärm gab. Immerhin 59,8 dB zeigt das Messgerät in der TIB an. Das ist etwa so laut wie ein angeregtes Gruppengespräch in Zimmerlautstärke. Wer’s noch leiser braucht, für den gibt es Lesesäle mit Schweigegebot, wie die 59-jährige Klausing betont, die seit 17 Jahren in der TIB arbeitet – ein im positivsten Sinne ruhiger Job.

Gabriele Klausing. Quelle: Laura Ebeling

Das Schweigen im Walde bei Heiligers Brunnen

Das in einem geflügelten Wort besungene Schweigen im Walde gibt es in der Eilenriede nicht – sie ist immerhin ein Stadtwald, und rund um die Uhr dringt etwas Verkehrslärm bis in die letzte Ecke. Aber Heiligers Brunnen – gelegen im Waldzipfel zwischen Kleefeld und Kirchrode – kommt dem Schweigen im Walde schon recht nah und gilt als stillster Ort im Hannovers Stadtwald – laut Forstbetriebsleiter Felix Bettin. Die Messung an der steinernen Einfassung der schwefelhaltigen Quelle, die einst das nahe Naturbad Teufelsloch speiste, ergibt trotz der Nähe von Bahnlinie, Schnellweg und Mittellandkanal beruhigende 61,3 dB. Kein Wunder, dass Gisela Metschuk oft hierher radelt. „Ich halte mich gern hier auf, um den Kopf freizubekommen“, sagt die Südstädterin.

Gisela Metschuck (66) genießt regelmäßig die Stille in der Eilenriede. Quelle: Laura Ebeling

Das laute Leben am Kröpcke – 83,8 dB

Seit zwölf Jahren gehört Anja Balfanz zum Team im Pfeifen-Studio Mühlhausen am Kröpcke. Obwohl man in Pfeifenraucherkreisen traditionell die Ruhe weg hat, kann Balfanz nicht in aller Stille ihrer Arbeit nachgehen. „Ich finde die Lautstärke am Kröpcke ganz furchtbar. Ich höre manchmal unsere Kunden nicht mehr“, beklagt sie. 83.8 dB zeigt die Messung mit der Smartphone-App an. „Wenn ich zu Hause bin, sagt mein Mann oft, ich solle leiser reden“, erzählt die 49-Jährige. „Ich rede im Laden ja gegen den Geräuschpegel an und spreche deswegen automatisch immer lauter.“ Wahrscheinlich bewundert sie, was Tamara Marx im Blumenladen Zaubernuss direkt nebenan gelingt: „Wir blenden die Lautstärke von draußen aus. Man kann ja gar nicht anders“, sagt Marx.

Tamara Marx. Quelle: Laura Ebeling

Von Uwe Janssen und Laura Ebeling

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