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Stadt Hannover So läuft eine Fahrstunde am Monitor
Aus der Region Stadt Hannover So läuft eine Fahrstunde am Monitor
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00:15 03.08.2017
„Gar nicht so schwierig, wie ich es mir vorgestellt habe“: Alena Hoins fährt am Simulator durch eine Stadt – allerdings ohne andere Autos. Fotos: Dillenberg Quelle: Uwe Dillenberg
Hannover

Die erste Fahrstunde führt Alena Hoins über eine Landstraße. Andere Autos sind nicht in Sicht. So kann sich die Schülerin voll auf das Lenken und Schalten konzentrieren. Eine Stimme ermahnt sie, wenn sie zu weit rechts fährt oder die Kupplung zu schnell kommen lässt - allerdings ist es kein Fahrlehrer, der sie korrigiert, sondern der Computer. Die 16-Jährige sitzt im Fahrsimulator der Fahrschule Driving School, wo sie testet, ob der Führerschein mit 16 schon etwas für sie wäre.

Einen entsprechenden Modellversuch hat Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) vor Kurzem angekündigt. Er will das begleitete Fahren, das derzeit ab 17 Jahren möglich ist, ausweiten. Schon 2018 könnten 16-Jährige am Steuer sitzen - mit einer Begleitperson auf dem Beifahrersitz.

Technisch hochgerüsteter Simulator

„Ich sehe den Vorstoß durchweg positiv, schließlich darf man mit 16 auch schon Motorrad fahren“, sagt Driving-School-Geschäftsführer Jörg Vespermann. Je früher die Jugendlichen an das richtige Verhalten im Straßenverkehr herangeführt würden, desto besser. Allerdings: „Ob sie mit 15 oder 16 schon reif genug dafür sind, müssen sie zusammen mit ihren Eltern selbst bestimmen.“

Eine mögliche Entscheidungshilfe hat Vespermann vor vier Monaten angeschafft: Seine Fahrschule verfügt über einen technisch hochgerüsteten Simulator, so wie einige wenige andere hannoversche Fahrschulen auch, etwa Voss in Herrenhausen. Eltern können daran mit ihren Kindern unverbindlich und risikolos testen, ob sie sich schon bereit fühlen, am Straßenverkehr teilzunehmen.

Rundumblick: Jörg Verspermann von der Driving School Hannover und Vater Ralph Hoins schauen Alena bei ihrer Fahrt über eine virtuelle Landstraße zu.  Quelle: Dillenberg

Das 25.000 Euro teure Hochleistungsgerät liefert eine fast perfekte Illusion. Vor sich hat der Fahrer ein komplettes Cockpit, in der Hand das Steuer, die Füße an Pedalen. Den Blick aus den Fensterscheiben imitieren drei Bildschirme detailgetreu - inklusive der in den Rückspiegeln vorbeiziehenden Landschaft. Von der Überland- bis zur Autobahn- oder Nachtfahrt lassen sich zahllose Programme einstellen. Seit Neuestem gibt es auch einen Automatik-Modus.

Fahrlehrer ist bei Praxisstunden am Bildschirm dabei

Auf die Pflichtstunden darf das Simulatorfahren allerdings noch nicht angerechnet werden. Bundesweit ist daher umstritten, ob die Geräte nur die Nerven des Fahrlehrers und den Zustand der Fahrschulautos schonen oder auch den Geldbeutel von Fahrschülern und Eltern. In der Driving School absolvieren mittlerweile alle Fahrschüler ihre ersten zehn Praxisstunden am Simulator. Für Betreiber Vespermann bringt das Vorteile: „Wir sparen Kraftstoff und Verschleiß, die Schüler können sich ohne Druck an das Gefühl am Steuer gewöhnen - und wir schonen die Umwelt.“ Ein Fahrlehrer ist bei den Praxisstunden vor dem Bildschirm immer dabei - alles kann der Simulator dann doch noch nicht erklären.

Alena Hoins ist von den ersten Fahrversuchen angetan: „Es ist nicht so schwierig, wie ich es mir vorgestellt habe“, meint die 16-Jährige. Ihr Vater findet das begleitete Fahren gut. „Ich bin eher skeptisch gegenüber mir als Beifahrer“, sagt Ralph Hoins. Auch dem früheren Start mit 16 steht der Wunstorfer offen gegenüber: „Umso besser, wenn man künftig zwei Jahre gemeinsam üben kann. Das wird dann wohl bei meiner jüngeren Tochter so kommen.“

"e-Pferdchen" soll für Elektroautos werben.

E-Autos führen in Deutschland bisher ein Schattendasein. Um das zu ändern, arbeitet die Driving School Hannover in Zusammenarbeit mit der Metropolregion deshalb am Projekt „e-Pferdchen“. „Wir haben zwei Elektroautos angeschafft. Interessierte können sich bei uns in der Praxis mit der E-Mobilität vertraut machen“, sagt Jörg Vespermann.

Ziel sei es, Vorurteile und Ängste gegenüber der E-Mobilität abzubauen. „Wir klären über Vor- und Nachteile der Technologie auf und beantworten Fragen.“ Fahrschüler haben außerdem die Möglichkeit, Praxisstunden mit einem Elektroauto zu absolvieren. „Die Elektrofahrzeuge werden in Zukunft bei der Ausbildung extrem wichtig“, da ist sich Vespermann sicher.

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