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Stadt Hannover Therapiezentrum "Teen Spirit Island" wird 18
Aus der Region Stadt Hannover Therapiezentrum "Teen Spirit Island" wird 18
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00:17 26.07.2017
Von Susanna Bauch
„Die Entlassung wird langfristig geplant“: Prof. Christoph Möller leitet die Therapieeinrichtung Teen Spirit Island auf der Alten Bult. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Der Zaun rund um die Einrichtung ist eigentlich längst nicht mehr nötig. Als das Suchttherapiezentrum für Jugendliche mit massiven Alkohol- und Drogenproblemen des Kinder- und Jugendkrankenhauses Auf der Bult vor 18 Jahren eröffnet wurde, sollte die Bretterwand Dealer fernhalten. Diese sind mittlerweile kaum noch auf der Bult anzutreffen. „Und auch Heroin spielt heute praktisch keine Rolle mehr“, betont Professor Christoph Möller, Chefarzt der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie anlässlich der „Volljährigkeit“ der Einrichtung. Als Oberarzt hat er das Suchtzentrum 1999 mit aufgebaut.

Hilfe bei Computersucht

Auf dem Teen Spirit Island standen zunächst zwölf stationäre Plätze zur Verfügung. 2010 kamen sechs weitere Plätze in einem durch Spenden finanzierten neuen Anbau hinzu. Diese Kapazitäten waren vor allem für die Therapie der damals neu auftretenden Computerspielsucht vorgesehen. Spiele wie „World of Warcraft“ und „Counter Strike“ zogen junge Leute in ihren Bann. „Wie bei Drogen im flüssigen oder pulverisierten Zustand kann auch ein übermäßiger Konsum von Medien dazu führen, dass Menschen ihr Leben komplett danach ausrichten“, betont Möller. Bei beiden Suchtverläufen gehe es um die Verdrängung der Realität, die Suche nach Bestätigung und einem angeblich guten Gefühl. „Die Folgen der Sucht sind jedoch nicht eine bessere Welt, sondern Beschaffungskriminalität, körperliche und geistige Verwahrlosung sowie Rückzug aus dem sozialen Leben“, sagt der Mediziner.

In den vergangenen 18 Jahren hat sich jede Menge verändert. Computersucht war in den Anfängen noch kein Thema, „auch heute gibt es dafür noch keine Diagnose - aber Symptome, die behandelbar sind“, betont Möller. Vor allem Jugendliche, die in ihrem Leben keinerlei Erfolge und Anerkennung erfahren, suchten Bestätigung in Internetspielen. Grundsätzlich müsse aber bei fast allen berücksichtigt werden, „dass sie in ihrem jungen Leben schon auf eine extrem schwierige Biografie und viel Gewalt zurückblicken müssen“. Was allerdings nicht bedeute, dass Jugendliche nicht auch aus gut situierten Familien in die Einrichtung kommen - Diagnose Wohlstandsverwahrlosung.

Bei den Drogen spielen in der Einrichtung auf der Bult heute vor allem Cannabis, Ecstasy und Amphetamine eine Rolle. „Crystal Meth ist eher in Ostdeutschland ein Problem, weil diese Droge meist aus den Ostblockländern kommt“, sagt Möller. Er bezeichnet Hannover dennoch als Drogenhauptstadt. „Hier ist einfach ein Drehkreuz für Stoff, der aus Polen nach Holland oder von Hamburg nach München geht.“ Von der Freigabe von Cannabis hält Möller wenig. „Studien aus Colorado zeigen, dass nach der Legalisierung der Konsum stark angestiegen ist.“

Partydrogen wechselten mit den Jahren immer wieder, und das Komasaufen sei glücklicherweise rückläufig. „Allerdings auf hohem Niveau“, so der Professor. 1999 habe es fünf Patienten gegeben, zehn Jahre später seien es rund 380 gewesen, 2016 wurden rund 200 Fälle gezählt. „Es wird nach wie vor harter Alkohol wie Wodka getrunken, das bringt einen jungen Menschen eher ins Koma als Bier.“ Mixgetränke seien für Jugendliche eine gefährliche Einstiegsdroge.

Patienten bleiben drei Monate

Im Schnitt bleibt ein Patient rund drei Monate in dem kunterbunt gestalteten Gebäude von Teen Spirit Island, wo er räumlich und therapeutisch drei Abschnitte durchschreitet: In der Aufnahmephase wird ein qualifizierter Entzug durchgeführt. Besonders wichtig ist es dabei, die Patienten für einen Weg ohne Drogen oder exzessiven Mediengebrauch zu motivieren. In der Behandlungsphase steht das Wiedererlangen eines strukturierten, geregelten Tagesablaufs im Fokus. Es werde auch berücksichtigt, dass nahezu alle Patienten zusätzlich zu ihrer Suchterkrankung an weiteren psychischen Störungen leiden, wie Depression, Traumafolgen und ADHS, erläutert Björn-Oliver Bönsch, im Kinderkrankenhaus zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. In der Verselbstständigungsphase ist es dann besonders wichtig, dass die Jugendlichen kontinuierlich an einen sicheren Alltag ohne Drogen und exzessive Mediennutzung herangeführt werden. „Die Entlassung wird langfristig geplant, einschließlich der Möglichkeit, wieder zur Schule zu gehen oder Berufspraktika zu machen“, sagt Bönsch.

Die Warteliste für einen Platz ist lang. „Rund drei Monate sind die Regel“, sagt Chefarzt Möller. Da es immer auch eine Grundstörung zu therapieren gebe, sei es bis zur Genesung ein langer Weg. Rund 70 Prozent der Patienten gehen diesen Weg erfolgreich. „Die Einrichtung ist ein Erfolgskonzept“, betont Möller, „ein Leuchtturmprojekt für ganz Deutschland.“

Auch Smartphones sind ein Problem

In den 18 Jahren des Bestehens wurden mehr als 1030 Jugendliche betreut, zwei Drittel von ihnen waren Jungen. Das Durchschnittsalter beträgt zurzeit 16,4 Jahre. In einer gemeinsamen Untersuchung mit dem Universitätsklinikum Hamburg konnten bei mehr als 70 Prozent der jugendlichen Patienten auch nach Beendigung der Behandlungen sehr positive Verläufe festgestellt werden. Die Einrichtung musste sich immer wieder mit neuen Suchtmitteln auseinandersetzen. Neben Heroin, Marihuana, Haschisch und Kokain waren in den vergangenen Jahren vermehrt auch Chrystal Meth und sogenannte Legal Highs, die, anders als der Name es andeutet, zu einem großen Teil nicht legal sind. Bei der Mediensucht geht es neben Spielen auch soziales Interagieren über Smartphones. Nur beim Alkohol gab es mit Bier, Wein und hochprozentigen Getränken wie Wodka kaum Veränderungen. Das Komasaufen ist leicht rückläufig. Jeden Donnerstag findet um 14 Uhr eine offene Sprechstunde statt.sub

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