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Stadt Hannover Tiaras Reise
Aus der Region Stadt Hannover Tiaras Reise
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00:24 05.12.2014
Beste Freundinnen auf Reisen: Tiara (re.) und Mara umarmen sich in London. Quelle: Foto: privat
Hannover

Begonnen hatte alles mit einem ganz normalen Cocktailabend Anfang September. Alkoholfrei - wohlgemerkt. Tiara May und zwei Freundinnen saßen zusammen. Claudia Erzfeld und Annette Wiens hatten May nach einem besonderen Wunsch gefragt, und die Antwort war: eine Reise. Keine Selbstverständlichkeit wie für andere Leute. Tiara May ist krank, sie hat einen Rollstuhl, und zu reisen wird für sie immer schwieriger.

Nach Südamerika vielleicht - das war die erste Idee der drei jungen Frauen. May konnte sich das alles nicht wirklich vorstellen, als weitere Vorschläge die Runde machten. Auch London war dabei. Und London ist es geworden.

Tiara May ist 18 Jahre alt. Bereits im Kindergartenalter zeigten sich erste Symptome einer Nervenkrankheit. „Meine Nerven und Muskeln werden zunehmend schwächer“, erläutert sie den Prozess. Seit sechs Jahren sitzt May nun im Rollstuhl, ihre Muskeln kann sie immer weniger bewegen. Ein sogenannter variabler Immundefekt erschwert ihr außerdem das Sprechen und Atmen. Über einen Zugang zur Luftröhre auf Höhe des Kehlkopfes, ein sogenanntes Tracheostoma, kann Flüssigkeit aus der Lunge abgesaugt werden, die sich dort sammelt. Über diesen Zugang wird May auch künstlich beatmet. „Mein Immunsystem arbeitet einfach nicht richtig“, erklärt sie. Jeder Infekt ist verbunden mit einem Aufenthalt im Krankenhaus. Dort ist sie immer häufiger.

Entmutigt? Doch nicht diese junge Frau. Wer ihr Zimmer im Annastift betritt, blickt in ein strahlendes Gesicht. Fotos von dem London-Trip sind auf dem Laptop vor ihr zu sehen. Belege für den Wunsch, der Wirklichkeit geworden ist. Im Oktober ist May endlich dort gewesen.

Rückblende: Nach dem Cocktailabend haben Wiens und Erzfeld die Sache einfach angepackt. Die Erzieherinnen haben Tiara May als Kind in der MHH-Spieloase kennengelernt. „Inzwischen ist daraus eine richtige Freundschaft entstanden“, berichtet Erzfeld, man besuche sich gegenseitig. Sie gingen zum Serviceclub Round Table Hannover mit der Idee, Tiara und ihre beste Freundin Mara nach London zu schicken. Kein einfaches Projekt: Die Option mit der Bahn zu fahren wurde schnell fallen gelassen, weil in Frankreich und Großbritannien nicht überall barrierefreie Übergänge durch Rampen garantiert werden konnten. Sebastian Pape, der sich beim Round Table für Tiara May eingesetzt hatte, organisierte einen Krankentransport mit zwei Fahrern von Hannover nach London. Die Fahrer konnten sich so abwechseln. Außerdem musste neben einer Tag- auch eine Nachtschwester mitreisen, da May beim Schlafen ein Beatmungsgerät benötigt.

Der Serviceclub packte das Projekt an: Sein Programm Children‘s Wish erfüllt kranken Kindern Herzenswünsche, für May wurden so bald Spenden gesammelt. Mit einem Benefizflohmarkt in Springe haben Freunde und Familie die Idee unterstützt. Innerhalb von wenigen Tagen kam eine Summe von mehr als 10 000 Euro zusammen. Ein einzelner Spender, der den Großteil beisteuerte, sei „ein großes Glück gewesen“, berichtet Pape.

Ende Oktober ist May dann im Doppeldeckerbus durch London gefahren, hat eine Taxifahrt bei Nacht gemacht, das Riesenrad London-Eye, Big Ben, die Themse gesehen. „Doch am meisten habe ich geshoppt“, sagt May lachend. Sie zeigt Fotos, auf denen sie mit Tüten bepackt ist, auf anderen Fotos steht sie neben einem Dudelsackspieler, einem Polizisten oder anderen Uniformierten. „Das haben wir uns irgendwann als Aufgabe gestellt: neben allen Uniformträgern geknipst zu werden.“ Die Freundinnen lachen.

Zuvor war May nur mal in Holland gewesen. „Aber das ist ja normal und kein Vergleich zu London“, sagt sie und winkt ab. „London hat Stil, ist irgendwie cool“, sie liebt die TV-Serien und den Humor von dort. Von dem bekommt man auch einiges mit: Als sie mit ihrer Freundin Mara von nächsten Zielen träumt - Paris, eine Weltreise - schlägt Mara mit einem zynischen Grinsen einen Tauchurlaub vor. May kontert schlagfertig: „Ja, das machen wir dann genau einmal.“ Stille. Ein befreites Lachen folgt. Sie kabbeln sich, sie raufen sich. Kein Gedanke an die Krankheit in solchen Momenten. Die beiden haben eine innige Freundschaft, sie lebt auch vom Humor.

Es müssen schöne Erinnerungen sein. Und die Schönste? Sie handelt von einer Pub-Tour, Tiara und Mara hatten sich früher davon gemacht. „Es war der letzte Abend, die Stimmung war richtig gut, und zu wissen, dass der letzte Abend so perfekt war - das war schön. In einer fremden Stadt, die Lichter, mit der besten Freundin.“

Tiara May gehört zu den Autoren unserer ZiSH-Seite - dort schreibt sie etwa über Freundschaft und ihr Leben im Rollstuhl.

Von Katharina Derlin

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