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Stadt Hannover Nahverkehr in Hannover wird wieder teurer
Aus der Region Stadt Hannover Nahverkehr in Hannover wird wieder teurer
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00:32 20.05.2018
Erneut steigen die Preise für Fahrkarten bei Üstra und Regiobus und allen anderen Anbietern im gesamten GVH-Gebiet. Quelle: dpa
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Hannover

Wieder sollen zum Jahreswechsel die Fahrpreise bei Üstra und Regiobus steigen. Die Regionsversammlung stimmte mit ihrer Mehrheit von SPD und CDU zu. Scharfe Kritik gab es von der Opposition. Michael Fleischmann (Linke) kritisierte, dass seit fast 20 Jahren jedes Jahr die Preise angehoben werden, die Grünen fordern, endlich alternative Finanzierungsformen für das 365-Euro-Jahresticket zu organisieren. Auch von AfD und der Fraktion „Region“ gab es Missmut. 

Obwohl die Inflation, also die allgemeine Teuerung der Lebenshaltungskosten, zuletzt nur um 1,65 Prozent gestiegen ist, sollen die Nahverkehrspreise im Großraum (GVH) um 2,25 Prozent angehoben werden. Regions-Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz begründete das damit, dass die Tariferhöhungen für die Beschäftigen der Nahverkehrsbetriebe stärker gestiegen seien als die Inflation – und das sei auch gut, „damit wir überhaupt noch qualifiziertes Personal für die Unternehmen finden“. 

Es ist die kräftigste Preisanhebung der vergangenen Jahre: In den beiden Vorjahren hatte sie bei 1,9 und 1,8 Prozent gelegen. Nicht alle Ticketkategorien sind gleich stark betroffen. Das Kurzstreckenticket wird erstmals seit 2011 teurer, es kostet künftig 1,60 statt 1,50 Euro. Das ist mit 6,7 Prozent die prozentual stärkste Erhöhung. Die Mobil-Card (eine Zone) wird um 1,20 Euro teurer und kostet künftig 63 Euro, im Abo beträgt der Preisanstieg 1,10 Euro auf 53,60 Euro. Auch Mobilcards für mehrere Zonen steigen entsprechend im Preis. Einzel-Tagestickets und -Tagesgruppentickets, Sammeltickets und auch der Sozialtarif: Etliche Kategorien werden teurer. „Preissenkungen finden nicht statt“, heißt es lakonisch in der Informationsdrucksache für die Politiker. 

Gleich bleibt etwa der Preis für die neue Jugend-Sparcard – zumindest der Beitrag, den die Nutzer zahlen. Die erfolgreiche Karte wird monatlich von fast 24.000 Nutzern gekauft und soll weiterhin 15 Euro kosten. Der Regionszuschuss allerdings erhöht sich leicht. Frank Straßburger kündigte für die SPD an, jetzt auch über eine Ausweitung des Nutzerkreises nachdenken zu wollen, was Beifall von der Opposition gab. Sie fordert schon lange, dass zum Beispiel auch arbeitslose Jugendliche in den Genuss der Karte kommen. 

Linken-Politiker Fleischmann prangerte an, dass der Preis für die Mobil-Card S (Sozialtarif) im Vierzonen-Bereich jetzt auf 64,70 Euro steigen soll. Der Regelsatz für Verkehrsausgaben von Bedürftigen betrage nur knapp 27 Euro im Monat: „Die müssen sich das Geld vom Munde absparen“, sagte er. 

Dezernent Ulf-Birger Franz sagte aber, die Tarife im Großraum Hannover bewegten sich bei bundesweiten Vergleichen unabhängiger Portale im unteren Drittel. Marina Sosseh („Die Hannoveraner“) entgegnete, für solche Vergleiche müsse die Streckenlänge, die man mit dem jeweiligen Ticket fahren dürfe, herangezogen werden – dann stehe Hannover schlechter da. Ulrike Thiele (SPD) wies aber darauf hin, dass bei Preissenkungen für die Nutzer der Zuschuss aus Steuergeld erhöht werden müsse – das träfe dann auch die Bürger, die den Nahverkehr gar nicht nutzen. 

In der kurzen Debatte um das vom hannoverschen Rat geforderte 365-Euro-Jahresticket betonte Eberhardt Wicke (CDU), dass dies kein Problem sei – wenn die Stadt die Kosten übernehme. Schließlich könne jede Kommune in der Region auch feien Eintritt für Schwimmbäder verlangen, sie müsse es dann eben auch bezahlen. Grünen-Politikerin Evrim Camuz konterte: Das widerspräche dem Regionsgedanken, das Ziel müsse vielmehr sein, die Tarife für alle in der Region preiswerter zu machen.

Die Übersicht der neuen Tarife für alle Ticket- und Cardsarten im Großraum Hannover ab 2019 sind auf einer Regions-Drucksache im Internet veröffentlicht. 

Kommentar: Die falsche Richtung

Die neue Nahverkehrs-Jugendcard hat es eindrucksvoll gezeigt: Wenn Preise ernsthaft sinken, steigen die Fahrgastzahlen sprunghaft. Die Karte ist ein echter Erfolg. Umweltpolitisch hat sie zwar kaum Auswirkungen: Die meisten Jugendlichen steigen wohl eher vom Fahrrad in Busse und Bahnen um als vom Auto. Aber man stelle sich mal vor, solch eine Ticket-Verbilligung gäbe es auch für Erwachsene. Mit einem 365-Euro-Jahresticket wären die Schadstoffprobleme Hannovers wohl schnell gelöst – weil der ohnehin attraktive Nahverkehr dann auch finanziell für viele attraktiv wäre, bei einem Euro pro Tag. Stattdessen steigen – mal wieder – die Preise.

Umso bitterer ist das Verhalten der Regionsmehrheit. Natürlich ist die Finanzierungsfrage völlig ungelöst. Bund und Land müssten ins Boot, sowohl zum Ausgleich der Mindereinnahmen im Kartenverkauf als auch beim Ausbau der Infrastruktur. Dass aber von SPD und CDU nicht einmal das politische Signal kommt, dass solch ein Modell sinnvoll wäre, ist ernüchternd. Die Region, das sollte man sich in Erinnerung rufen, besteht zur Hälfte aus Stadt Hannover und zur Hälfte aus Umlandkommunen. Dass die Regionsversammlung die Interessen der Landeshauptstadt völlig ignoriert, ist ein politisches Armutszeugnis.

Conrad von Meding

Von Conrad von Meding

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