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Stadt Hannover Tödlicher Unfall: Schrankenwärter muss 3600 Euro zahlen
Aus der Region Stadt Hannover Tödlicher Unfall: Schrankenwärter muss 3600 Euro zahlen
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00:18 31.08.2018
Andreas L. wurde zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 40 Euro verurteilt. Quelle: Michael Zgoll
Neustadt

 Der 37-jährige Mitarbeiter einer Bausicherungsfirma, der im Neustädter Ortsteil Eilvese eine Schranke zu früh öffnete und damit für die Kollision eines Zuges mit einem Lastwagen verantwortlich war, ist am Dienstag vom Amtsgericht Neustadt zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 40 Euro verurteilt worden. Richterin Pamela Ziehn sprach Andreas L. wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung in fünf Fällen sowie gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr schuldig.

Es war der 15. Mai 2017 um 10.40 Uhr, als ein aus Neustadt kommender Regionalexpress mit Tempo 160 auf einen Lkw prallte, der gerade über die Schienen der Strecke Hannover-Bremen rollte. Andreas L. hatte aufgrund eines fatalen Irrtums die Behelfsschranke geöffnet, die hier wegen einer zwei Wochen zuvor eingerichteten Baustelle installiert war. Der 59-jährige Fahrer, der für eine Fensterbaufirma aus dem Landkreis Diepholz arbeitete, war sofort tot. Im Zug wurden zwölf Fahrgäste verletzt, fünf von ihnen schwer.

Zunächst war dem Schrankenwärter im Zuge einer Dreier-Telefonkonferenz mit den Fahrdienstleitern aus Neustadt und dem Nachbarort Hagen ganz korrekt mitgeteilt worden, dass ein Zug aus Neustadt unterwegs sei und in wenigen Minuten den Bahnübergang Eilvese erreichen werde. Dann aber hatte der Fahrdienstleiter aus Hagen einen Zug aus der Gegenrichtung zunächst mit falscher Zugnummer angekündigt, dies aber unmittelbar darauf korrigiert. Weil Andreas L. nun irritiert war, rief er den Hagener Fahrdienstleiter erneut an und fragte, ob denn nun zwei Züge aus Hagen kämen – was dieser fatalerweise bejahte. Nachdem ein Regionalexpress aus Hagen den Bahnübergang überquert hatte, dachte L., er habe aufgrund des generell gültigen Blockabstands zwischen Zügen zwei bis drei Minuten Zeit, um die Schranke kurz zu öffnen. Doch der todbringende Zug kam aus der Gegenrichtung.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Bewährungsstrafe von vier Monaten gefordert, Verteidiger Kai Peters für eine Verwarnung mit Strafvorbehalt plädiert. Er sprach von einer „Kette von Fehlern, an deren Ende mein Mandant steht“. Peters stellte die Frage, ob dem Hagener Fahrdienstleiter nicht mehr Schuld zuzumessen sei als Andreas L. Doch dieser stehe an diesem Tag nicht vor Gericht, stellte Richterin Ziehn in der Urteilsbegründung klar. Sie billigte dem 37-jährigen Schrankenwärter zu, in der „Eile des Geschäfts“ und unter sicher nicht einfachen Arbeitsbedingungen „verwirrt“ gewesen zu sein, sagte aber auch: „Wenn man sich nicht sicher ist, darf man die Schranke nicht öffnen und sich mit einer Nachfrage nicht nur an den Fahrdienstleiter wenden, der schon zuvor eine fehlerhafte Ansage gemacht hat.“

„Geldstrafe angemessen“

Der Strafrahmen für eine fahrlässige Tötung, so Pamela Ziehn, sei der gleiche wie für einen einfachen Diebstahl oder eine einfache Körperverletzung. Auch bei diesen Delikten werde ein Ersttäter, der sich bisher nie etwas habe zuschulden kommen lassen, nicht gleich zu einer Haftstrafe verurteilt – auch wenn die Folgen des Irrtums von Andreas L. schrecklich gewesen seien und ein Menschenleben gekostet hätten. Insofern sei eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen, die noch nicht zu einem Eintrag ins Führungszeugnis führt, angemessen. Die – erwachsene – Tochter des getöteten Lkw-Fahrers, die als Nebenklägerin im Saal saß, nahm das Urteil ohne sichtbare Gefühlsregung zur Kenntnis. „Ihr geht es nicht um Rache, sie will die Sache nur vollständig aufgeklärt sehen“, sagte ihr Anwalt Vyacheslav Varavin. Aber auch sie teile die Auffassung des Gerichts, dass L. die Schranke niemals hätte vorzeitig öffnen dürfen.

Über das Eilveser Unglück hinausgehend war die Zeugenaussage eines leitenden Mitarbeiters der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung interessant. Der 55-jährige Verkehrsingenieur äußerte sich kritisch zum System der Sicherungsposten an Bahnübergängen. So habe es in Deutschland zwischen 2015 und 2017 rund 80 gefährliche Zwischenfälle an höhengleichen Bahnübergängen gegeben, wo Sicherungsposten Fehler gemacht hätten. Weitere zehn Vorfälle beruhten auf fehlerhaften Meldungen von Fahrdienstleitern. Seit Längerem erprobe die Bahn ein „Nachwarnsystem“, für das aber noch keine Serienzulassung vorliege. „Es gab schon Fälle, wo dieses Nachwarnsystem Unfälle verhindert hat“, sagte der Experte. Die Bundesstelle für Unfalluntersuchung habe der Bahn die „Sicherheitsempfehlung“ gegeben, dieses technische Hilfsmittel so schnell wie möglich einzusetzen – doch passiert ist bislang nichts.

Von Michael Zgoll

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