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Stadt Hannover Totes Baby im Koffer: Anklage gegen Mutter
Aus der Region Stadt Hannover Totes Baby im Koffer: Anklage gegen Mutter
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15:55 28.12.2016
In diesem Haus in Vahrenwald war in einem Koffer ein lebendes Baby entdeckt worden, außerdem das Skelett eines toten Säuglings. Quelle: Archiv
Hannover

Drei Monate nach dem Fund eines lebenden und den Überresten eines toten Babys in einem Koffer hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage gegen die Mutter der Kinder erhoben. Die Anwälte werfen der 22-Jährigen versuchten Totschlag sowie Aussetzung und Verletzung der Fürsorgepflicht vor. Der Prozess gegen Laura S. soll voraussichtlich im Februar vor dem Schwurgericht am Landgericht beginnen, angesetzt sind fünf Verhandlungstage.

Laura S. hatte am 26. September dieses Jahres ein kleines Mädchen zur Welt gebracht. Ihr Freund, mit dem sie sich seit Sommer eine Wohnung in Vahrenwald teilte, und ihre Mutter wollen von der Schwangerschaft nichts bemerkt haben. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft soll S. das Kind in den Koffer gelegt und sich nur sporadisch um das Mädchen gekümmert haben. Später soll sie den Koffer sogar verschlossen haben. „Durch ihr Handeln [habe sie] eine Unterkühlung beziehungsweise den Tod des Kindes infolge Erstickens zumindest billigend in Kauf genommen“, heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft.

Am 29. September, drei Tage nach der Geburt, entdeckte schließlich Rico P., der Freund der Angeklagten, das Baby und alarmierte die Polizei. Diese fand in dem Koffer jedoch auch Knochen eines weiteren Babys. Untersuchungen ergaben, dass Laura S. es im Januar 2015 geboren haben muss. Es sei aber nicht mehr festzustellen, ob das Baby gelebt habe, daher werden die Ermittlungen wegen des Verdachts des Totschlags eingestellt. Laura S. indes beteuert, das Kind sei bereits tot gewesen, als sie es zur Welt brachte.

Auch das noch lebende Kind habe sie nicht töten wollen, lässt sie durch ihren Anwalt Matthias Waldraff mitteilen. „Meine Mandantin war tief verzweifelt und hat in einer seelischen Notlage gehandelt“, sagt er. Was in den Tagen vor dem Fund wirklich passiert ist, soll erst im Prozess zur Sprache kommen, doch Laura S. zeigt sich reuig. „Sie weiß, dass sie verantwortungslos gehandelt hat und empfindet dem Kind gegenüber tiefe Schuld“, sagt Waldraff. Ihre Zeit im Gefängnis empfinde sie als Buße und habe deshalb keinen Haftprüfungsantrag stellen wollen, wie ihr ehemaliger Pflichtverteidiger Björn Nordmann angeregt hatte. Laura S. sitzt seit 29. Oktober in Untersuchungshaft, die Polizei hatte sie an ihrem Ausbildungsplatz in einem hannoverschen Hotel festgenommen.

S. kündigte an, sie wolle sich vor Gericht umfassend äußern. Auch gegenüber einem Gutachter hat sie sich nach Angaben von Waldraff schon erklärt. Sie sei sich sicher gewesen, dass dem Kind in dem Koffer nichts geschehen könne, während sie arbeiten ging. Der Koffer hatte in einem Nebenraum der Wohnung gestanden, in dem das Paar Kisten und andere Gegenstände aufbewahrt hatte, die nach dem Umzug in die neue Wohnung noch keinen Platz gefunden hatten. Rico P. halte nach Angaben Waldraffs weiter zu seiner Freundin. Gleichzeitig bekräftigt er, er habe von dem Kind oder der Schwangerschaft nichts gewusst. Er wird als Zeuge im Prozess auftreten.

Wo das kleine Mädchen derzeit ist, dazu wollte Waldraff nichts Genaues sagen. „Sie ist in guten Händen und Frau S. ist glücklich, dass es ihr gut geht.“ Nach dem Fund war das Baby ins Krankenhaus gekommen, wo sich der Gesundheitszustand schon nach einigen Tagen gebessert hatte. Das Jugendamt hatte für kurze Zeit die Aufsicht übernommen, danach sollte das Kind in eine Pflegefamilie kommen.

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