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Stadt Hannover Stadtführung auf Latein widmet sich Leibnitio
Aus der Region Stadt Hannover Stadtführung auf Latein widmet sich Leibnitio
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00:16 31.10.2018
Lateinlehrer Christian Löhr (r.) erläutert anhand einer historischen Karte, wo die Stadtmauer verlief. Quelle: Samantha Franson
Hannover

 Es sind gut 30 Wissbegierige, die mehr erfahren wollen über Leben und Wirken von Godefrido Guilielmo Leibnitio und Carolina Lucretia Herschel in Hanoveram. Damals, im 17., 18. und 19. Jahrhundert. Die gut zweistündige Stadtführung beginnt am Bronze-Schattenriss von Gottfried Wilhelm Leibniz – am nördlichen Rand des Georgsplatzes – und führt über Aegidienkirche und Altstadt bis zur Neustädter Hof- und Stadtkirche. Leibnitio? Hanoveram? Der Fremdenführer auf dieser Tour heißt Christian Löhr. Er ist Lateinlehrer an der Wilhelm-Raabe-Schule, ist Mitglied im Verein „Europäische Lateinwochen“. Und darum gibt der 48-Jährige all sein Wissen über den Universalgelehrten, die Astronomin und ihre engen Verbindungen zum historischen Hannover auf Latein wieder. Teils abgelesen vom Blatt, teils in freier Rede. Und man hat das Gefühl: Sein Publikum versteht ihn.

Rundgänge für Schulklassen

Der Altersdurchschnitt der Zuhörerschaft liegt bei fünfzig Jahren, natürlich sind etliche Lateinlehrer dabei. Viele Teilnehmer kommen von außerhalb, hatten in den Vormonaten auch schon das Herbsttreffen der „Septimana Latina“ besucht. In einem hessischen Örtchen haben 60 Altsprachler zwischen 15 und 75 Jahren eine Woche lang diskutiert, Theater und andere Spiele gespielt, und all das auf Latein. „Wir wollen demonstrieren, dass man diese Sprache auch im Alltag verwenden kann, dass Latein keine tote Schriftsprache ist“, erläutert Löhr. Die Kunst bei den Stadtführungen sei, ergänzt der 48-Jährige, dass auch die weniger in Latein Bewanderten alles verstehen; immerhin bietet der Lehrer auch für Zehnt- und Elftklässler des Südstädter Gymnasiums Hannover-Rundgänge an.

Natürlich gab es in der Antike noch keine Begriffe wie Autobahn, Schreibmaschine oder Internet. „Aber viele Worte lassen sich ganz einfach neu herleiten, etwa für das Internet“, sagt Löhr. Inter heißt inmitten, Net oder Netz heißt rege, also gibt es nun auch im Lateinischen das „Interrege“. Und eine U-Bahn? Nennt man „Tramen subterraneum“, einen unterirdischen Zug.

Leichter als Englisch?

Nicht-Lateiner sind auf dieser speziellen Stadtführung, die den Spuren von Leibniz und Herschel folgt, verloren. Mögen sie auch Brocken wie „domina“, „anno“ oder „morte“ verstehen, mögen sie auch aufhorchen, wenn sie die Worte „Osterstraße“ oder „Celle“ in reinem Hochdeutsch vernehmen, so hilft das doch nicht wirklich weiter. Da geht es Wolfram Bohmhammel aus Berlin ganz anders. Munter diskutiert der Berliner Lateinlehrer mit Christian Löhr in seiner Lieblingssprache, ob das Stadtmauer-Fragment nahe der Osterstraße vielleicht doch eher sieben als fünf Meter hoch ist. „Ich finde, dass Englisch schwerer auszusprechen ist als Latein“, erklärt der 60-Jährige anschließend. Nun ja, ist halt alles eine Frage der Gewöhnung.

Eine Teilnehmerin dieser Führung für Altphilologen ist Lektorin und Sprachwissenschaftlerin Eltje Böttcher. Sie arbeitet gerade an ihrer Dissertation über Ovid, bietet Führungen in lateinischer Sprache im Museum August Kestner und Sprach-Workshops für Schulklassen an. Dieser Tage erscheint ein neues Taschenbuch vor ihr: „Lateinisch sprechen im Unterricht.“ Gut möglich, dass auch Sprachlehrer Löhr einen Blick ins Buch werfen wird.

Von Michael Zgoll

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