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Stadt Hannover Hänsel und Gretels aus fünf Jahrzehnten
Aus der Region Stadt Hannover Hänsel und Gretels aus fünf Jahrzehnten
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17:31 07.12.2014
Wiedersehen zum Bühnenjubiläum: 20 ehemalige Sänger von „Hänsel und Gretel“ haben sich in der Oper getroffen. Quelle: von Ditfurth
Hannover

Einige kamen aus Hannover, Isolde Siebert, die Ende der achtziger Jahre die Gretel spielte, reiste sogar aus der Schweiz an. Es ist in Hannover ein besonderes Jahr für die Oper von Engelbert Humperdinck: Seit 1964 wird sie hier in der Inszenierung von Steffen Tiggeler auf die Bühne gebracht und ist damit das am längsten gespielte Stück der Oper. Inzwischen hat es Kultstatus erreicht.

Seit 50 Jahren sitzt die Choreographie, seit 50 Jahren werden dieselben Kostüme, dieselben Requisiten und dasselbe Bühnenbild genutzt. Fast zumindest: Die Engelskostüme wurden 1997 runderneuert, auch die grünen Hügel der Kulisse wurden mal frisch bezogen und die Wollsocke von Gretel wird alle naselang von der Schneiderei neu gestrickt. „Und wichtig ist ja auch, dass jeder Sänger seine eigene Persönlichkeit mitbringt“, erklärt Charles Ebert, das werde natürlich berücksichtigt. „Doch den Geist haben wir erhalten!“ Seit 1980 ist Ebert Abendspielleiter der Produktion. In jeder Spielzeit freut er sich auf die Reaktionen vom Publikum, die immer spontan und echt seien.

Sänger schwelgen in Erinnerungen

Am Sonntagabend schwelgen die Hänsels und Gretels, die Hexen und Sandmänner in Erinnerungen. Fast jeder hat ähnliche Anekdoten erlebt, die sich durch die Jahrzehnte hindurch bewährt haben. Da wird erzählt, wie plötzlich vier Hexen auf der Bühne zu sehen waren: Eine echt und drei Puppen, die über die Bühne hinwegfliegen sollten. Oder die Geschichte vom Milchkännchen, von dem Leonard Delany mit seinem charmanten irischen Akzent zu berichten weiß.

Gleich im ersten Akt muss die Mutter das Kännchen aus Versehen umwerfen – weshalb sie keinen Milchreis kochen kann und ihre Kinder zur Beerensuche in den Wald schickt. Doch das Kännchen wollte so manches Mal nicht zerspringen. „Da musste ich einfach drauftreten, als es schon am Boden lag!“, erzählt der Sänger und lacht noch heute darüber. Der 82-Jährige ist wohl der älteste Anwesende, er spielte ab den sechziger Jahren über zwanzig Jahre lang den Vater von Hänsel und Gretel: „Ich habe hier heute viele Töchter“, sagt er kokett und zeigt schmunzelnd auf die anwesenden Gretels.

Eine von ihnen ist Karin Zelles. „Ich glaube, zwischen 1975 und 1985 habe ich so einige Hexen in den Ofen geworfen!“, erinnert sich die 74-jährige Sängerin. Sie sei entzückt, dass diese alte Inszenierung noch immer so taufrisch wirke. In den Sängern von heute sieht sie einen „ganz tollen Nachwuchs“ – und es sei ja keine leichte Partie, man benötige eine richtige Wagner-Stimme. Denn Humperdinck war Richard Wagners Schüler, das wird anhand des Stücks deutlich, das zwischen den einfachen Kinderliedern und den wagneresken kräftig-romantischen Stücken wechselt, die vom dichten Orchesterklang begleitet werden.

Auch Carmen Fuggiss weiß von den Herausforderungen an ihre Stimme zu berichten. Für die Sopranistin war dieses Stück jedoch immer eine Herzensangelegenheit: „In der Weihnachtszeit wurde man hier jedes Jahr wieder zum Kind, da war schon eine große emotionale Beteiligung vorhanden.“ Auch Garderobiere Ute Weichelt spürt, wie sich die Atmosphäre dieser Tage wandelt, es sei ein schönes Arbeiten, ohne Stress. Mit dem Probenbeginn weiß sie: „Jetzt fängt Weihnachten an.“

Von Katharine Derlin

Weitere Termine

Die nächsten Termine in der Weihnachtszeit sind: am 11., 12. und 16.12. um 18 Uhr, am 12.12. und 16.12. um 11 Uhr, am 14. und 21.12. sowie am 4.1. um 16 Uhr und außerdem am 26.12. um 18.30 Uhr. Die Kartenpreise liegen zwischen 18,50 Euro und 44 Euro.

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