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Stadt Hannover Der Gentleman der Wissenschaft geht
Aus der Region Stadt Hannover Der Gentleman der Wissenschaft geht
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00:16 29.12.2014
Von Saskia Döhner
Ein bisschen mehr Selbstbestimmtheit wäre schön: Uni-Präsident Prof. Erich Barke gibt zum Jahresende sein Amt ab. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Er ist das Gesicht der Leibniz Universität Hannover - hochgewachsen, ergrautes Haar, feine Gesichtszüge. Prof. Erich Barke passt gut in eine hanseatische Dinnerveranstaltung. Neun Jahre lang war Barke Uni-Präsident, am Sonntag wird er 68 Jahre alt - und zum Jahresende gibt er sein Amt auf. Vorzeitig zwar, aber angekündigt. Er war 2011 eigentlich für eine zweite, achtjährige Amtszeit gewählt worden. „Ich habe immer gesagt, dass nach drei Jahren Schluss ist“, sagt er. Der Abschied sei also lange geplant gewesen. Er falle ihm auch nicht schwer. „Ich gehe ganz entspannt und frohen Mutes in einen neuen Lebensabschnitt, der nicht durch gänzliche Leere ausgefüllt sein wird“, sagt er mit dem ihm eigenen Humor. Es sei an der Zeit, das Amt in jüngere Hände zu legen - und mal wieder selbst über seinen Terminkalender bestimmen zu können. „Ich lasse allenfalls das Wort Wehmut gelten.“ Seine Nachfolge tritt ab dem 1. Januar der Jurist Prof. Volker Epping an.

Alles purer Zufall

„Das Gesicht der Uni“ - so nennt auch der Investor David Grojnowski seinen alten Freund Erich Barke aus Lindener Kindheitstagen. Als Barke 2005 die Nachfolge des langjährigen Uni-Präsidenten Ludwig Schätzl antrat, hatte seine Frau gesagt, diese neue Herausforderung sei genau das Richtige für den damals 58-Jährigen. 1992 war er als Professor zurück an die Hochschule gekommen. Und so wurde er Präsident der Uni, an der er einst selbst Elektrotechnik studiert hatte. „Alles purer Zufall“, sagt Barke, „es hätte auch eine andere Hochschule sein können.“ Sieben Jahre hatte er bei Siemens in München gearbeitet und Mikrochips entwickelt. Der Weg zurück in die Wissenschaft war aber immer eine Option. Da kam der Ruf der Uni Hannover gerade recht.

Begrüßung 2005: Erich Barke hält erstmals die Rede für die Erstsemester im Lichthof. Quelle: Koch

Mehr Selbstbestimmung zu bekommen sei ein Grund gewesen, Hochschullehrer zu werden, erinnert sich Barke: „Die ist dann die Jahre über im Präsidentenamt wieder verloren gegangen.“ Die Bilanz seiner Amtszeit fällt so aus, wie der Präsident ist: ausgewogen und sachlich. „Manches ist mir gelungen, manches auch nicht.“ Eines seiner Hauptziele war es, eine Hochschule mit einem breiten Lehrfundament aufzubauen: „Das haben wir erreicht.“ Die Leibniz- Universität sei keine Sparten-Uni. Eine Landeshauptstadt könne sich dies auch gar nicht leisten. Das Lehramt für Grund-, Haupt- und Realschulen ist von der früheren schwarz-gelben Landesregierung im Zuge der Umstrukturierung nach Hildesheim verlegt worden, geblieben sind die Lehrämter für Gymnasien, für berufsbildende Schulen und für Sonderpädagogik. Nicht alle Fächer könnten auf Dauer erhalten werden, sagt Barke, so wünschenswert dies auch wäre. Gerade wurde der Bachelor-Studiengang Technische Physik geschlossen, weil es nicht genug Studierende dafür gibt. Produktionstechnik, Quanten- und Gravitationsphysik sowie Biomedizintechnik seien die großen Stärken der Hochschule in der Forschung. Der Bereich Energietechnik habe sich sehr gut entwickelt - auch im Verbund mit anderen Hochschulen zum Beispiel in Oldenburg und Bremen. „Unser Stellenwert in der Stadt ist gestiegen“, stellt Barke fest. Er hat immer für eine enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft geworben. Kein Wunder, dass der Professor und seine Frau, eine Innenarchitektin, beim Sommerfest der Unternehmerverbände Niedersachsen gern gesehene Gäste sind. Eine „nach außen wie innen kommunikationsfreudige Uni“ sei immer sein Credo gewesen. „Eine Uni ist keine Firma, wo der Vorstand bestimmen kann, wo es langgeht. Ein Uni-Präsidium kann nur die Rahmenbedingungen schaffen.“ Und „nicht jammern, gestalten“, schiebt er hinterher.

Barke bleibt ein Verfechter von Studiengebühren

Aber jammern müsse man als Präsident auch manchmal, etwa über die mangelnde staatliche Ausstattung. Seit zehn Jahren habe das Land die Grundfinanzierung für die Hochschulen nicht erhöht: „Das ist unsäglich.“ Ganz ohne einen privaten Anteil werde man bei der Finanzierung der Hochschulen nicht auskommen. Der 67-Jährige verweist auf die Drittmittel, die sich an der Uni Hannover von 50 auf 100 Millionen Euro verdoppelt haben. Auch wenn das Thema Studiengebühren gerade politisch passé sei: „In fünf oder zehn Jahren ist es wieder auf der Tagesordnung.“ Barke war immer ein Verfechter der Studiengebühren - und ein breites Stipendiensystem nach angloamerikanischem Vorbild, damit der Geldbeutel nicht über die Aufnahme eines Studiums entscheide. Vom Konzept der offenen Hochschule ist er überzeugt, warnt aber vor einer Absenkung der Qualität: „Man kann nicht allen versprechen, dass sie studieren können und einen Abschluss erhalten.“ Allerdings müssten alle Studenten so gut wie möglich unterstützt und beraten werden, um Abbrüche zu vermeiden.

Ausstellung zur Fußball-WM 2006: Barke mit Herbert Schmalstieg (r.) und Jugendlichen. Quelle: Surrey

Viel hält er von Forschungsverbünden und interdisziplinären Projekten. Mit der Niedersächsischen Technischen Hochschule (NTH), der inzwischen auf Eis gelegten Allianz der TU Braunschweig, der TU Clausthal und der Uni Hannover, ist er nie ganz warm geworden. Vorrang hatte für ihn die Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen in Hannover - der Medizinischen Hochschule und der Tierärztlichen Hochschule. Stolz ist der scheidende Präsident, dass die Uni trotz anfänglicher Widerstände jetzt den Namen „Leibniz“ trägt. Der vereine Ingenieur-, Natur- und Geistes- sowie Gesellschaftswissenschaften und sei damit der ideale Namensgeber: „Leibniz ist eine Marke geworden.“

Barke engagiert sich weiterhin in Hannover

Barke lebt in der Nordstadt - er braucht das City-Gefühl. „In Kirchrode könnte ich nicht wohnen.“ Nach dem Ende seiner Amtszeit will er sich stärker um seine Doktoranden kümmern, Sport treiben, reisen („zum Beispiel nach China“) und wieder Modellbauschiffe bauen. Sein 31-jähriger Sohn, der nach einem Elektrotechnikstudium jetzt bei VW in Wolfsburg arbeitet, wird ihm da wohl nicht so viel helfen können wie früher.

Oberbürgermeister Stefan Schostok sagt etwas, was aufhorchen lässt: „Meine große Hoffnung ist, dass Erich Barke uns mit seiner großen Kooperationsfähigkeit und ausgezeichneten Vernetzung auch zukünftig in Hannover und darüber hinaus zur Verfügung steht.“ Das Gesicht des scheidenden Uni-Präsidenten wird man künftig wohl doch noch bei einigen Dinnerveranstaltungen sehen.

Die Leibniz-Universität

Ungebrochener Zulauf: Im laufenden Wintersemester 2014/2015 ist die Zahl der Studierenden an der Leibniz-Universität auf rund 25700 angewachsen – so viele wie zuletzt vor zehn Jahren, darunter sind aktuell 4533 Erstsemester. Der doppelte Abiturjahrgang 2011 hatte der Leibniz-Universität 4700 Studienanfänger beschert. Fast ebenso hoch ist die Zahl der Mitarbeiter der Hochschule. Es sind genau 4741 Beschäftigte. Im vergangenen Jahr lag der Uni-Etat bei 441,8Millionen Euro. Die Hälfte davon macht der Landeszuschuss mit 222,6 Millionen Euro aus, 101,8 Millionen Euro sind Drittmittel (23 Prozent), 58,3 Millionen Euro sind Sondermittel (13 Prozent).

An Studienbeiträgen kamen 16,8 Millionen Euro herein, das macht einen Anteil von vier Prozent an dem Budget aus. 3456 Studenten haben 2013 ihren Abschluss absolviert. Die Uni ist viel mehr als Hauptgebäude und Conti-Campus. Sie ist über das gesamte Stadtgebiet verteilt. In Garbsen soll in den nächsten Jahren für den Bereich Maschinenbau ein ganz neuer Campus entstehen, die Kosten dafür werden mit 90 Millionen Euro veranschlagt. Wäre die Leibniz-Uni als eine Hochschule mit der Medizinischen Hochschule Hannover und der Tierärztlichen Hochschule vereint, läge Hannover im Ranking der Deutschen Forschungsgesellschaft auf Platz 6.

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