Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Finger weg vom Sprengel Museum
Aus der Region Stadt Hannover Finger weg vom Sprengel Museum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 01.05.2018
In der Debatte um den Brandschutz im Sprengel Museum tut mehr Sachlichkeit Not. Quelle: Philipp von Ditfurth
Anzeige
Hannover

Wie viel ist Politikern in Stadt und Land ein Kunstmuseum wert, das in Deutschland und Europa seinesgleichen sucht? Viel kann es nicht sein, wenn man die Debatte um die Kostenexplosion bei der Sanierung des Sprengel Museums verfolgt. Minister, Politiker und Verwaltungsbeamte überbieten sich in Schuldzuweisungen und verfolgen dabei ihre eigenen Interessen. Dabei ist noch nicht einmal völlig geklärt, warum die Kosten für den Brandschutz von vier auf elf Millionen Euro angestiegen sind. Zur Sache bitte, möchte man den Beteiligten zurufen. Denn ein Kunstmuseum von Weltruf darf nicht zum Spielball von parteipolitischem Gezänk werden. 

Die Kostenexplosion beim Sprengel Museum, das jeweils zur Hälfte von Stadt und Land getragen wird, platzt hinein in die Rathausaffäre um Kulturdezernent Harald Härke und in die Anfangsphase der rot-schwarzen Regierungsarbeit auf Landesebene. Je nach Interessenlage zeigt man in Stadt und Land mit dem Finger auf einen anderen Schuldigen. 

Im hannoverschen Rathaus gilt der angeschlagene Kulturdezernent als Buhmann, zumindest bei der Stadtspitze und weiten Teilen des Ampel-Bündnisses im Rat (SPD, Grüne, FDP).  Tatsächlich hat Härke eine unglückliche Figur abgegeben, als er im Kulturausschuss auf bohrende Fragen nach den Ursachen des Kostenanstiegs auf stur schaltete, sich als „kleiner Dezernent“ darstellte, der nichts zu entscheiden habe, und mit dem Finger auf seine Kollegin, Wirtschafts- und Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette zeigte. 

Der SPD kommt ein solcher Fauxpas  sehr gelegen. Sie will den ungeliebten Kulturdezernenten ohnehin so rasch wie möglich loswerden. Die SPD befürchtet zu Recht, dass die Härke-Affäre auch Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) in den Abgrund reißt. Die Sozialdemokraten suchen seit Monaten genügend Stimmen für eine Abwahl des Kulturdezernenten. Williger Helfer ist die FDP, die Härke im Kulturausschuss als inkompetent gebrandmarkt hat. Erschwerend kommt für Härke  jetzt ein weiterer Kostenanstieg beim Lernort zur NS-Geschichte im sogenannten Rathauskontor hinzu. Hier scheint er tatsächlich verschlafen zu haben, dass der Innenausbau für Ausstellungsräume kostspieliger ist als für Büros.

Die CDU im Rat will den Schwarzen Peter nicht annehmen. Die Christdemokraten sehen die Verantwortung  für die Misere letztlich bei OB Schostok. Die Kostenexplosion beim Sprengel Museum ist für die CDU ein willkommener Anlass, Schostok erneut Führungsschwäche vorzuwerfen. Mit den Parteifreunden im Landtag spielt die Rats-CDU über Bande.

Die Landtags-CDU ist einerseits an einem guten Verhältnis mit dem Koalitionspartner interessiert, lässt aber keine Steilvorlage aus, um der SPD-geführten Stadtverwaltung Stiche zu versetzen. Auch hier eignen sich die horrenden Sanierungskosten beim Sprengel Museum als Instrument. Die Landes-CDU wirft der Stadt Planungsfehler beim Brandschutz vor und kommt zugleich mit dem Vorschlag um die Ecke, dass ein herausragendes Museum nur von einem Paar Hände getragen werden sollte. Das Vorgehen ist durchsichtig: Die Landesregierung plant die feindliche Übernahme einer prestigeträchtigen Institution.

Bei all dem Kalkül haben die Veranantwortlichen die wichtigsten Fragen noch nicht geklärt: Wann muss mit der Sanierung spätestens begonnen werden, damit das Museum nicht aus Brandschutzmängeln geschlossen wird? Wie lassen sich die Bauarbeiten bewerkstelligen, sodass möglichst wenig Ausstellungsfläche entfällt? Klar sollte sein, dass es um Größeres geht als politische Etappensiege. Das Sprengel Museum ist einzigartig – für Stadt und Land.

Von Andreas Schinkel

Kuriose Konzertlocation: Das Hip-Hop-Duo 257ers ist am Freitagabend in einem Penny-Markt in Hannover-Vahrenwald aufgetreten. Die 257 Tickets konnten Fans nur bei einem Online-Gewinnspiel ergattern.

27.04.2018

Bei einem Unfall auf der A2 ist am Freitagabend ein 18-jähriger Motorradfahrer gestorben. Fünf weitere Personen wurden teilweise schwer verletzt. Die Fahrbahn war bis in die frühen Morgenstunden gesperrt.

28.04.2018

Die Diakovere startet ab heute das Strochentaxi: Mütter oder Eltern werden mit dem Neugeborenen am Henrietten- oder Friederiekenstift abgeholt und nach Hause gefahren.

30.04.2018
Anzeige