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Stadt Hannover Unterwegs mit den Brandermittlern der Polizei
Aus der Region Stadt Hannover Unterwegs mit den Brandermittlern der Polizei
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15:09 07.12.2016
Suche in den Trümmern: Michael Krummel (großes Bild) und sein Kollege Michael Muszinsky inspizieren die Überreste eines Badezimmerschranks. Quelle: Dillenberg/Montage

An einem frostigen Wintermorgen stehen die beiden Brandermittler im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses in Wennigsen und begutachten ein winziges Badezimmer, das mehr Ähnlichkeit mit einer Räucherkammer hat als mit einem Ort der Reinlichkeit. Die beiden Männer brauchen Taschenlampen, um in der Schwärze mehr zu sehen als bloße Umrisse. Die Hände mit dicken Spezialhandschuhen geschützt, gräbt Krummel in unförmiger Dämmwolle, verrußten Holzsplittern und Resten der Wandverkleidung. „Hmmm“, macht Muszinsky.

Etwa 500-mal im Jahr rücken die Polizisten des Kommissariats 1.2 aus, wenn es in der Region gebrannt hat. Das sind rechnerisch 1,3 Brände am Tag. Die Beamten ermitteln, wenn das Feuer und der dadurch entstandene Schaden ein Fall für die Versicherung ist oder die Folge einer Straftat sein könnte. Etwa, wenn ein Auto in Flammen steht oder es im Haus brennt. Bei rund zwei Dritteln der Fälle kommen die Ermittler zu dem Ergebnis, dass ein technischer Defekt das Feuer ausgelöst hat – das andere Drittel sind Brandstiftungen. Doch nur bei einer von zehn Brandstiftungen wurde das Feuer absichtlich gelegt – bei rund 500 Feuern pro Jahr also in knapp 17 Fällen. Die Aufklärungsquote von Brandstiftungen – vorsätzlich oder fahrlässig – liegt derzeit bei 44,2 Prozent.

Ein Drittel Brandstiftungen

Brandstiftung ist in Muszinskys und Krummels neuem Fall unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen. Denn noch gibt ihnen das Badezimmer Rätsel auf. Drei Tage zuvor hatte es in dem Haus gebrannt, die Flammen hatten aus den Dachfenstern gelodert. Der Ruß jedoch führte Muszinsky und Krummel in die Etage darunter. Hier begutachten sie nun eine Ecke, in der die Feuerwehr bei den Löscharbeiten Wasser- und Heizungsrohre freigelegt hat. „Hier ist die schwärzeste Stelle, aber hier ist nichts“, sagt Krummel und zieht die Stirn kraus.

Hat ein Brandstifter mutwillig Feuer gelegt? Die Brandermittler der Polizei müssen Verbrechen von Unfällen treffen und aus dem Schutt nach Möglichkeit auf die Täter ziehen. Quelle: Uwe Dillenberg

Aus Sicherheitsgründen fahren immer zwei Ermittler zu einem Brandort, zehn Beamte arbeiten zurzeit insgesamt beim Kommissariat 1.2, sieben Männer und drei Frauen. Dazu kommt Hagen Schreiber, der Kommissariatsleiter. „Man muss ein Gefühl für Technik haben und sich für Brände interessieren“, sagt er. Bei Muszinsky war es weniger das Feuer, das ihn zu den Brandermittlern lockte, sondern eher die Aussicht auf geregelte Arbeitszeiten. 30 Jahre hatte er beim Kriminaldauerdienst im Schichtdienst gearbeitet. Jetzt ist er fast acht Jahre Brandermittler. „Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten, aber nach zweieinhalb Jahren, als ich das Wichtigste konnte, hat es Spaß gemacht“, sagt der heute 52-Jährige.

Arbeiten nach dem Ausschlussprinzip

Brandermittler arbeiten nach dem Ausschlussprinzip. Sie folgen der Spur des Feuers und schauen sich dort um, wo es seinen Anfang genommen hat. „Das ist meistens da, wo die größten Schäden zu sehen sind“, sagt Muszinsky. Doch in diesem Badezimmer passt etwas nicht zusammen. Denn die Ecke, die sie jetzt inspizieren, lag hinter einer Wandverkleidung und konnte deshalb nicht in Brand gesetzt worden sein. Elektrische Leitungen sind aber auch nirgends zu sehen.
Wer beim K 1.2 arbeitet, hat sich nicht nur an schmutzige Kleidung gewöhnt, sondern auch daran, dass die Ermittlungen mitunter sehr knifflig sein können. „Eigentlich ist es wie im Sport: Man spielt auf Sieg, muss aber auch Niederlagen einstecken können“, sagt Muszinsky. „Es ist nicht selten, dass wir zu keinem oder nur einem vagen Ergebnis kommen.“ Denn das Feuer hat oft die Spuren zerstört.

Das macht besonders die Suche nach Tätern schwer, wenn Brandstiftung die Ursache war. Als im September etwa der Spanische Pavillon auf dem Expo-Gelände brannte, forderten Muszinsky und seine Kollegen die Drehleiter der Feuerwehr an, um sich einen Überblick zu verschaffen. Denn hinein konnten sie nicht, es bestand Einsturzgefahr. „Von oben haben wir gesehen, dass sich drei Feuer von entgegengesetzten Gebäudeteilen aus aufeinander zubewegt hatten“, sagt Muszinsky. Ein deutliches Zeichen für einen mutwillig gelegten Brand. Noch sind sie auf der Suche nach den Tätern. Weil es meist keine Indizien am Tatort gibt, nutzen die Polizisten andere Methoden, um Brandstiftern auf die Spur zu kommen. „Wir werten zum Beispiel Verkehrs- oder Telefonverbindungsdaten aus“, sagt Krummel. Wessen Handy hat sich in der fraglichen Zeit ins Netz an diesem Ort eingewählt oder wer war in der Nähe unterwegs? Dazu kommen Aussagen von Zeugen, je mehr, desto besser. „Manchmal ist der Täter bekannt, aber uns fehlen die Beweise, um ihn dingfest zu machen“, sagt Krummel.

Manchmal fehlen nur Beweise

Auch Krummel kommt vom Kriminaldauerdienst, gehörte neun Jahre lang zu den Ersten an Tat-und Unfallorten. Dann wollte er etwas anderes machen – und entschied sich für die Brandermittler. „Mich fasziniert die Bandbreite der Fälle, die man bearbeitet. Vom kleinen Brand in der Garage bis zum Großbrand in einer Lagerhalle ist alles dabei.“ Doch es gibt auch Momente, die er lieber verdrängt: Drei Brandleichen hat er während seines knappen Jahrs bei den Brandermittlern schon gesehen. „Wenn Menschen zu Schaden kommen, geht das immer nahe“, sagt er.

Als das Badezimmer in Wennigsen brannte, war zum Glück keiner der Bewohner im Haus. Während der 33-jährige Krummel noch Fotos von der Ecke mit den Rohren macht, um die Ermittlungen zu dokumentieren, hat Muszinsky das Loch in der Decke näher inspiziert, durch das sich das Feuer ins Obergeschoss durchgefressen hat. Es befindet sich genau gegenüber der Ecke. Und dort, in einer Lücke in der Wand, hat Muszinsky etwas entdeckt. Er kramt in den Trümmern herum – und zieht ein Kabel heraus. „Eins zu null für uns“, sagt er zu Krummel, und Erleichterung ist in seiner Stimme zu hören. Nun geht die Auflösung schnell. Freiliegende Drähte haben hinter der Wandverkleidung einen Schwelbrand ausgelöst. Das Feuer kokelte tagelang vor sich hin, bis es ein Loch in die Wand brannte. Der einströmende Sauerstoff fachte es an, und schon züngelten die Flammen.

Die beiden Brandermittler packen ihre Arbeitsutensilien ein, hier sind sie fertig. Doch Muszinsky lenkt den dunkelblauen Sprinter nicht in Richtung Hannover, sondern weiter nach Süden. Auch in Springe muss ein Brandort untersucht werden, und das Rätseln im Dreck beginnt von vorn.

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