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Stadt Hannover Versuchter Mord: Mann zu 14 Jahren Haft verurteilt
Aus der Region Stadt Hannover Versuchter Mord: Mann zu 14 Jahren Haft verurteilt
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00:16 03.06.2017
Von Michael Zgoll
Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt gestanden, dass er Ende November in Hameln die 28-Jährige auf grausame Weise töten wollte.  Quelle: dpa
Hannover

Nurettin B., der seine ehemalige Lebensgefährtin im vergangenen November hinter seinem Auto durch Hameln schleifte, ist vom hannoverschen Schwurgericht zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt worden. Wie der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch in Richtung des Opfers sagte, gehe es in einem rechtsstaatlichen Verfahren darum, ein gerechtes Urteil zu fällen - nicht Rache zu üben. Verurteilt wurde B. wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Dass der Angeklagte zudem seine Fahrerlaubnis für fünf Jahre verliert, dürfte für diesen sicher keine Rolle spielen.

Nach Ansicht der Kammer war der 39-Jährige zur Tatzeit voll steuerungsfähig, handelte nicht im Affekt. B. habe am Tattag im November 2016 aufgrund der früheren Unterhalts-Auseinandersetzungen mit der 28-jährigen Kurdin "gekocht und gebrodelt" und sie töten wollen. Allerdings hätte B., so Rosenbusch, im Zuge des mehrstufigen Verbrechens mehrfach die Gelegenheit gehabt, seine Ex-Partnerin unmittelbar zu töten: Indem er nochmals mit dem Messer zugestoßen oder ihr den Schädel mit der scharfen Seite der Axt gespalten hätte. Dass er seine Ex-Partnerin mithilfe seines Autos durch die Hamelner Innenstadt geschleift habe, was menschenverachtend und erniedrigend gewesen sei, deute auf ein erweitertes Motiv hin: "Er wollte die Frau schinden." 

Staatsanwältin Ann-Kristin Fröhlich hatte eine lebenslange Freiheitsstrafe für den 39-Jährigen gefordert. Verteidiger Matthias Waldraff  plädierte auf eine Haftstrafe von lediglich 14 Jahren, Verteidiger Bastian Quilitz verzichtete in seinem Plädoyer auf die Nennung einer genauen Jahreszahl.

Der Angeklagte habe aus"gefühlloser und unbarmherziger Gesinnung" heraus gehandelt, so die Staatsanwältin, als er die 28-Jährige bei der Übergabe des kleinen Sohns auf offener Straße mit einem Messer attackierte, mit der stumpfen Seite einer Axt auf sie einschlug und schließlich mit einem Seil an die Anhängerkupplung seines Autos band und 208 Meter durch die Innenstadt schleifte. Die Blutspur, die später auf Asphalt und Kopfsteinpflaster mehrerer Straßen zu sehen war, habe deutlich gezeigt, dass das wimmernde Opfer bereits vor der Schreckensfahrt schwer verletzt war.

Nur mit viel Glück und nach einer Reanimation habe das Opfer überlebt, so Staatsanwältin Fröhlich, nur "einem Wunder gleich" seien bei der jungen Kurdin schwere Folgeschäden ausgeblieben. Allerdings hat die Verkäuferin immer noch unter etlichen psychischen und physischen Auswirkungen der Tat zu leiden, ist nach wie vor in der Obhut von Ärzten. "Sie ist nicht mehr die glückliche junge Mutter, die sie einmal war", erklärte ihr Anwalt Roman von Alvensleben. Auch er plädierte für eine lebenslange Haftstrafe. Nebenklage-Anwalt Raban Funk sprach von einem "fast schon krankhaften Ehrgefühl" und einem starken Hass des Angeklagten, gepaart mit Habgier, die zu der versuchten "Hinrichtung" geführt hätten.

Die Anklagevertreterin bestritt die Version des Angeklagten und seiner Verteidiger, das Verbrechen sei eine spontane Tat aus einem Affekt heraus gewesen. Das feststehende Ikea-Küchenmesser und die exakt im Kofferraum des Passats platzierten Werkzeuge wie die Axt und das mit zwei Schlingen präparierte Seil sprächen für einen durchdachten Plan von B., seine frühere Partnerin und die Mutter seines dreijährigen Sohns auf grausame Weise umzubringen. Er habe das Hinterherschleifen als Methode gewählt, um "seine Macht in aller Öffentlichkeit zu demonstrieren" und die 28-Jährige "öffentlich zu demütigen und zu erniedrigen". Auslöser für den Mordanschlag war eine große Verärgerung vonseiten B.s, der mit seinen Unterhaltszahlungen erheblich in Rückstand war und mit den Ansprüchen der selbstbewussten und politisch aktiven Verkäuferin nicht umgehen konnte.

Angeklagter bot Schmerzensgeld

Nurettin B. hatte sich zu Beginn des Verhandlungstages per Vergleich bereiterklärt, dem Opfer 137.000 Schmerzensgeld zu zahlen. Außerdem überlässt er der 28-jährigen Kurdin seinen VW Passat CC im Wert von 12.000 Euro. Einen entsprechenden Vergleich verlas der Vorsitzende des  Schwurgerichts, Wolfgang Rosenbusch, am späten Vormittag. Wie Verteidiger Waldraff erläuterte, ist der Angeklagte Eigentümer einer Immobilie, die einen Wert von 130.000 bis 150.000 Euro hat. Für das Mehrfamilienhaus, dessen Erwerb die ganze Familie von B. mitfinanziert haben soll und das lediglich mit Ansprüchen Dritter in Höhe von 13.500 Euro belastet ist, wird demnach namens der 28-Jährigen eine Sicherungshypothek ins Grundbuch eingetragen.

Für Staatsanwältin Fröhlich war diese Entschädigungszahlung aber kein Grund, sich für eine mildere Strafe auszusprechen. Ihr habe der "kommunikative Prozess" vonseiten des Angeklagten gefehlt, den Schaden gegenüber seinem Opfer glaubhaft wiedergutmachen zu wollen. Demgegenüber verwies Verteidiger Waldraff auf die "überragende Bedeutung" des Schmerzensgeldes: "Unser Mandant hat dem Opfer damit sein gesamtes Vermögen übereignet, das hätte er nicht tun müssen." B. habe das Verbrechen in "schonungsloser Weise" gestanden, sei aber nicht nur das Monster, als das er derzeit dargestellt werde. So habe er in den vorherigen Jahrzehnten seines Lebens in Deutschland auch viele gute Seiten an den Tag gelegt: Fleiß, Kinderliebe oder Sportsgeist im Verein. Verteidiger Quilitz erinnerte daran, dass B. bereits zweimal wegen Depressionen in ärztlicher Behandlung war und stark unter dem Tod seiner Mutter gelitten habe.

Die Kammer betonte, dass die Schmerzensgeldzahlung bei der Strafzumessung durchaus eine Rolle gespielt habe. Der Angeklagte habe damit - ebenso wie mit seinem Geständnis - Verantwortung für seine Tat übernommen. Das Schwurgericht, so Rosenbusch, habe dies im Sinne eines von Staats wegen erwünschten Täter-Opfer-Ausgleichs berücksichtigt.

Nurettin B. verfolgte die Verhandlung mit nahezu unbewegtem Gesichtsausdruck, wie auch schon die übrigen Prozesstage. In seinem knappen Schlusswort sagte er in Richtung seiner ehemaligen Lebensgefährtin: "Es tut mir unendlich leid, was ich Dir und Deinem Sohn angetan habe." Doch die junge Kurdin reagierte darauf genauso wie auf die Genesungswünsche von Verteidiger Quilitz: Sie drehte den Kopf beiseite und schloss die Augen. Ihr sehnlichster Wunsch war, das hatte Nebenklage-Anwalt von Alvensleben wenige Stunden zuvor erklärt, dass ihr Ex-Partner zu lebenslanger Haft verurteilt wird. Diesen Wunsch hat ihr die Kammer nicht erfüllt. 

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