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Stadt Hannover Sind Heißhungerattacken bald therapierbar?
Aus der Region Stadt Hannover Sind Heißhungerattacken bald therapierbar?
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00:18 18.08.2017
Von Mathias Klein
Die rund vier Monate Behandlung per E-Mail kann praktisch unmittelbar gestartet werden. Quelle: Imago
Hannover

Am Beginn ihrer Therapie der sogenannten Binge-Eating-Störung (Binge ist Englisch für Gelage) steht ein persönliches Gespräch von Patient und Therapeut, dann folgen regelmäßige Kontakte via E-Mail. Im Fokus steht dabei die Anleitung zur Selbsthilfe der Patienten.

Menschen die an der Binge-Eating-Störung leiden, kennen dieses Verhalten: Sie versuchen den ganzen Tag, sich diszipliniert zu ernähren und sorgen für Bewegung, nehmen eher mal die Treppe als den Fahrstuhl, gehen vielleicht sogar zum Sport oder regelmäßig joggen - doch dann kommt ganz plötzlich ein unwiderstehlicher Drang nach Schokolade oder dem, was der Kühlschrank sonst so hergibt. Erst ein kleines Stück, dann noch eins und noch eins, schnell ist die ganze Tafel Schokolade aufgegessen. Das Verhalten kann zu starkem Übergewicht führen, was wiederum die zu Frustration und die Essstörung verstärkt. „Die Essanfälle werden meist durch negative Gefühle ausgelöst“, die durch das Essen unterbrochen werden“, erläutert de Zwaan die Ursachen.

De Zwaan, Direktorin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, und ihre Leipziger Kollegin Hilpert haben nun die Wirkung der konventionellen Verhaltenstherapie und der Internetanleitung zur Selbsthilfe verglichen. An ihrer Studie nahmen insgesamt 180 Patienten teil - verteilt auf die beiden Therapieformen. Bei allen Teilnehmern der Studie verringerten sich die Essanfälle deutlich. Auch andere Schwierigkeiten wie zum Beispiel depressive Verstimmungen, Ängste und die Sorge um das Gewicht nahmen ab. Die persönliche Therapie wirkte schneller, stellten die beiden Expertinnen fest. Direkt nach der Behandlung und sechs Monate später hatten diese Patienten deutlich weniger Essanfälle als die anderen. Doch nach 18 Monaten hatten sich die Effekte angeglichen. „Die Therapie über das Internet stellt somit eine gute Alternative dar“ sagt de Zwaan.

Für Patienten mit der Binge-Eating-Störung ist das außerordentlich gute Nachricht. Denn die Therapieplätze für sie sind rar, wie MHH-Professorin de Zwaan erklärt. Die rund vier Monate Behandlung per E-Mail kann praktisch unmittelbar gestartet werden, gegebenenfalls sogar während der Wartezeit auf einen konventionellen Therapieplatz. Außerdem hätten „viele Patienten weniger Hemmungen, ein solches Programm durchzuarbeiten, als zu therapeutischen Sitzungen zu gehen“, sagt die Professorin. Die Onlinebehandlung verbiete sich nur, wenn ein Patient schwere andere psychische Leiden habe oder sogar Suizidgefahr bestehe.

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