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Stadt Hannover Verkauft oder geschlachtet? 25 Pferde sind verschwunden
Aus der Region Stadt Hannover Verkauft oder geschlachtet? 25 Pferde sind verschwunden
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00:16 16.12.2017
Wie vom Erdboden verschluckt: Wim Bob ist eines der Pferde, das seinen Lebensabend auf dem Hof in Grasberg verbringen sollte. Nun fehlt von ihm und 24 weiteren Tieren jede Spur.  Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

 Sie heißen Sunny, Kalle, Nicki, Picasso und Snowflake und haben ihre ehemaligen Besitzer teils über Jahrzehnte begleitet. Jetzt sind 25 Pferde aus Hannover und der Umgebung spurlos verschwunden – ihre früheren Halter suchen nach ihnen. Die alten und teilweise kranken Pferde sollten einen schönen Lebensabend als sogenannte Beistellpferde verbringen, die nicht mehr geritten werden, aber anderen Pferden in Ställen und auf Weiden Gesellschaft leisten. Einige der Tiere sind 25 Jahre alt.

„Mein Wim Bob sollte nie ein Wanderpokal werden“, sagt eine der betroffenen Halterinnen. Ihren Wallach habe sie schon als drei Wochen altes Fohlen gekannt und großgezogen. Als das Pferd alt war, konnte sie es nur noch selten reiten, weil es oft lahmte. „Weil das Gestüt, bei dem er untergebracht war, verkleinert werden sollte, musste ich für ihn einen neuen Stall finden“, sagt die 48-Jährige, die namentlich nicht genannt werden möchte. Sie war bereit, mehrere Hundert Euro monatlich für eine Unterkunft für den Wallach auszugeben. Bis sie schließlich auf einen Hof und eine Pferdehalterin in Grasberg im Kreis Osterholz stieß. Per Anzeige bei Ebay habe dort eine Frau nach einem Beistellpferd für ihre Zuchtstute gesucht. „Sie versicherte ihm einen Platz auf Lebenszeit, und ich war mehrfach auf dem Hof, um mich von den Haltungsbedingungen zu überzeugen“, sagt die Burgdorferin. Für einen symbolischen Kaufpreis von einem Euro wechselte der Fuchs Wim Bob dann den Besitzer – unter der Maßgabe, dass er nicht mehr weiterverkauft wird.

Monate später stolperte die Burgdorfer Pferdeliebhaberin bei Facebook über eine Anzeige: Eine Frau suchte nach ihrem früheren Pferd, das ebenfalls in Grasberg als Beistellpferd für eine Zuchtstute gehalten werden sollte, aber plötzlich nicht mehr auf dem Hof war . „Mir ist es kalt den Rücken runter gelaufen – sofort dachte ich an Wim Bob“, erzählt die 48-Jährige. „Die geschilderten Umstände der Besitzübertragung in diesem Fall waren nahezu identisch mit der Geschichte meiner Mandantin“, sagt Anwalt Felix Adamczuk, den die Burgdorferin mittlerweile eingeschaltet hat. Über Facebook verfasste die 48-Jährige eine Suchanzeige nach ihrem eigenen Pferd. „Und plötzlich meldeten sich immer mehr Menschen, die ihre Pferde der gleichen Frau anvertraut hatten“, erzählt sie. Auf dem Hof in Grasberg seien die Tiere allerdings nicht mehr. Zwischen 2014 und 2016 hätten mindestens 25 Reiter ihre Tiere dort an die Frau oder deren Partner abgegeben. „Sie haben von drei Höfen in Loxstedt, Beverstedt (beide Kreis Cuxhaven; d. Red.) und Grasberg aus agiert“, berichtet eine Halterin. Die Frau aus Beverstedt habe teils auf Anzeigen geantwortet und teilweise selbst Annoncen geschaltet. Nun vermuten die Pferdefreunde Schreckliches: Sind die Tiere trotz Alter, Krankheiten und anders lautender Zusagen weiterverkauft oder gar zum Schlachter gebracht worden? 

Monatelang hingehalten

„Mir wurde versprochen, dass ich das Pferd besuchen kann und ab und zu mal ein Foto geschickt bekomme“, erzählt eine weitere Frau aus Hannover. Monatelang sei sie hingehalten worden und habe schließlich einen Anruf vom Lebenspartner der Käuferin bekommen. „Er sagte mir, dass ich keine Rechte hätte und nicht mehr nach meinem Pferd fragen solle“, sagt die 43-Jährige. Sie habe sich von dem Mann bedroht gefühlt. 16 ehemalige Halter haben laut eigenen Angaben mittlerweile Anzeige gegen das Paar aus Beverstedt erstattet. Die Staatsanwaltschaften Hannover, Verden und Stade ermitteln. 

Das Kuriose: Alle Pferde haben sogenannte Lebensnummern, mit denen sie bei einem Verkauf auf die neuen Besitzer umgemeldet werden müssen. Verstirbt ein Pferd oder kommt es zum Schlachter, müssen die Abdecker die Pässe an die Vereine zurückschicken, bei denen die Pferde gemeldet sind. „Die Nummern sind aber alle noch nicht auf neue Besitzer umgemeldet“, erzählt eine Halterin. Trotzdem fehlt von den Hannoveranern, Polnischen Warmblütern und Holsteinern jede Spur. „Ich habe meinen alten Freund Wim Bob verraten – dieser Gedanke geht mir nicht aus dem Kopf“, sagt eine der Frauen mit Blick auf ihr Pferd. „Hier scheint ein Geschäft mit Emotionen gemacht zu werden“, sagt Anwalt Felix Adamczuk. Er spricht von einem „perfiden System“. „Es wurde offenbar viel Energie investiert, um den Besitzern Vorstellungen von einem schönen Platz für ihr Pferd zu suggerieren.“ 

Weitersuchen, bis Schicksal geklärt ist

Einige der Tiere sollen bereits verstorben sein. Auffällig dabei sei die immer gleiche Todesursache: Aortaabriss oder Kolik, eine Verstopfung, die bei Pferden leicht tödlich verlaufen kann. Doch auch die angeblich toten Tiere wurden bei den zuständigen Verbänden nicht abgemeldet. Einige der Pferde sollen gechipt sein. Mit diesen Chips sei es eigentlich ein Leichtes, die Tiere den Lebensnummern und Pässen zuzuordnen. „Auskünfte zu dem Verbleib der anderen Pferde werden von der Dame verweigert“, sagt die Burgdorferin. Wie die anderen Halter will sie die Hoffnung aber nicht aufgeben. Auch auf Anfragen der HAZ reagierte die Frau bislang nicht. „Wir werden so lange weitersuchen, bis das Schicksal der Pferde geklärt ist“, sagt sie. Man wolle die Tiere niemandem wegnehmen, sondern nur wissen, wie es ihnen geht.

Die juristische Seite

In ganz Niedersachsen ermitteln die Staatsanwaltschaften in den Fällen der vermissten Pferde. In Hannover liegt bislang eine Anzeige vor, in Stade sind es drei und in Verden sogar sechs. Die Staatsanwaltschaft Stade hat jedoch zwei Ermittlungen aufgrund „unbelegter Vermutungen“ eingestellt, teilt Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas mit. Das dritte Verfahren wurde Anfang Dezember allerdings wieder aufgenommen – die Anwältin der Geschädigten hatte Beschwerde eingereicht. Lutz Gaebel, Erster Staatsanwalt in Verden, berichtet von drei eingestellten Ermittlungen. Man sei zu „ähnlichen Ergebnissen“ gekommen wie in Stade. Drei Untersuchungen dauern noch an. Allerdings antworten beide Staatsanwaltschaften auf HAZ-Anfrage, die vermissten Pferde in keinem der Fälle gesehen zu haben. Eine Kontrolle, ob die Tiere noch auf dem Hof sind, fand demnach nicht statt. pah

Von Tomma Petersen und Peer Hellerling

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