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Wunder brauchen Willensstärke

20 Jahre Stiftung Neurobionik Wunder brauchen Willensstärke

Die Stiftung Neurobionik feiert mit 700 Gästen im Theater am Aegi ihr 20-jähriges Bestehen – und hat in Samuel Koch ein Idol gefunden. Koch bot eine ergreifende Theaterperformance.

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Prof. Madjid Samii und Samuel Koch bei der Gala zum Jubiläum der Sriftung Neurobionik im Theater am Aegi.

Quelle: Frank Dröse

Hannover. Kann Samuel Koch wieder stehen? Für einen Moment scheint es, als seien die Gäste bei der Gala zum 20. Geburtstag der Stiftung Neurobionik Zeugen einer Wunderheilung. Koch war beim Versuch eines Saltos auf Stelzen über ein fahrendes Auto in der Sendung „Wetten, dass …?“ gestürzt und ist seither vom Hals abwärts weitgehend gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Die Aufklärung zeigt den staunenden Besuchern im Theater am Aegi dann aber: Hier geht es nicht um Wunder – wohl aber um etwas Wunderbares.

Koch zeigt eine Performance zu Franz Kafkas Erzählung „Ein Bericht für eine Akademie“. Sie ist Teil seiner Abschlussarbeit für die Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik, Theater und Medien. Er hat sich vor den Körper eines schwarz gekleideten und deshalb kaum zu sehenden Kommilitonen schnallen lassen, und als dieser sich erhebt, scheint auch Koch aufzustehen.

Als Prof. Madjid Samii vor 20 Jahren die Stiftung gründete, wollte er Großes erreichen. Er hatte damals von einer Vision gesprochen: „Blinde sollen wieder sehen, Taube wieder hören, Gelähmte wieder gehen.“ Vor mehr als 700 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport, darunter auch Oberbürgermeister Stefan Schostok, 96-Boss Martin Kind und Uni-Präsident Prof. Erich Barke, lobte der deutsch-iranische Neurochirurg Samii nun Samuel Koch: „Sie sind für mich ein Idol.“ Der so Gepriesene wehrte indes ab: „Am meisten Hoffnung schöpfe ich, wenn ich mich mit anderen Versehrten austausche. Die sind viel mehr Vorbild als ich.“

Von dem Auftritt war auch Scorpions-Sänger Klaus Meine sichtlich gerührt. Das von ihm komponierte Stiftungslied „Maybe I, Maybe You“ widmete er kurzerhand Koch. „Sie sind ein großer Hoffnungsträger“, sagte Meine. Für ausgelassene Stimmung im Saal sorgte er schließlich mit dem iranischen Song „Gole Sangam“ (zu Deutsch: „Steinblume“), den er gemeinsam mit dem griechischen Tenor Mario Frangoulis und dem Mädchenchor Hannover sang. „Der Song ist für die vielen Gäste, die aus dem Iran angereist sind“, sagte Meine. Auch der bekannte iranische Pianist Anoushiravan Rohani kassierte euphorischen Applaus.

Bei der Gala im Theater am Aegi gab es nicht nur Künstler zu erleben. Es wurden auch Preise verliehen: Für ihr Engagement bei der Ausbildung von jungen Neurochirurgen in Afrika wurden Prof. El Khamlichi sowie die zwei deutschen Unternehmen Carl Zeiss aus Jena und Aesculap aus Tuttlingen ausgezeichnet. „Der Name von Samii und Hannover ist in den Köpfen von allen Neurochirurgen in Afrika“, sagte El Khamlichi, der damit auch auf das von Samii gegründete International Neuroscience Institute anspielte. Die Ausgezeichneten stifteten ihr Preisgeld von jeweils 10 000 Euro sogleich an das Projekt „Afrika 100“. Mithilfe des Programms sollen 100 junge Neurochirurgen in Afrika geschult werden.

Die Stiftung Neurobionik unterstützt Forschungsprojekte, die sich mit der Reparatur geschädigter Nervenzellen durch winzige elektronische Implantate beschäftigen. Dabei werden Methoden von Neurowissenschaften, Biologie und Technik vereint – Samii prägte dafür den Begriff Neurobionik. Eine Offenbarung hatte bei der Gala auch OB Schostok zu machen: „Ich bin selbst Nutznießer ihrer Forschung“, sagte er. Ein Tumor im Rückenmarkskanal sei erfolgreich von einem von Samii ausgebildeten Chirurgen operiert wordene. „Ich bin Ihnen zu Dank verpflichtet.“

Stiftung Neurobionik

Die Stiftung Neurobionik unterstützt Forschungsprojekte, die sich mit der Reparatur geschädigter Nervenzellen mithilfe winziger elektronischer Implantate beschäftigen. Dabei werden Methoden von Neurowissenschaften, Biologie und Technik vereint – Professor Samii prägte dafür den Begriff „Neurobionik“. Seit Bestehen der Stiftung konnten mehr als 50 Projekte und weit mehr als 100 junge Wissenschaftler gefördert werden.

sn/sfu

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