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Stadt Hannover Wie viel Rassismus steckt in Videospielen?
Aus der Region Stadt Hannover Wie viel Rassismus steckt in Videospielen?
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21:40 17.12.2016
Von Michael Zgoll
Felix Schniz untersucht Videospiele auf rassistische Klischees. Quelle: Kutter
Hannover

Die typische Spielfigur in Ego-Shooter-Games, sagt Videospielforscher Felix Schniz, ist weiß, Anfang 30 und stammt aus dem Dunstkreis von Militär oder Polizei. Bei den ersten Computerspielen dieser Art hatte man noch keine Wahlmöglichkeit, musste die Charaktere der martialischen Rambos so nehmen, wie sie die Programmierer entwickelt hatten. Doch inzwischen, so Schniz, gibt es auf dem Videospielmarkt ein viel größeres Repertoire an frei wählbaren Figuren, wird auch der offene oder versteckte Rassismus in virtuellen Welten heiß diskutiert. Dieses Wochenende war der Doktorand der Klagenfurter Alpen-Adria-Universität zu Gast im Pavillon am Weißekreuzplatz, bot im Rahmen der einwöchigen Projektwoche „Spam Filter“ einen Workshop zum Thema „Ist Multiplayer Multi-Kulti?“ an.

Menschenbild aus Kolonialzeit

Auch in Fantasyspielen, weiß Schniz, stehe häufig ein „White Savior“ im Mittelpunkt, ein strahlender Held weißer Hautfarbe, der primitiven Völkchen als Erlöser und Retter zur Seite springt: „Das erinnert doch sehr an das Menschenbild aus kolonialen Zeiten.“ Schwarze Helden entdeckt man vor allem auf den Covern von Sportspielen, die US-Wettbewerbe wie American Football abbilden. Asiatische Ethnien finden sich vornehmlich auf dem eigenständigen Videospielmarkt in Fernost wieder.

Besonders spannend findet der 30-Jährige, der Anglistik und Amerikanistik studiert hat, die stark wachsende Zahl von Independent-Games. In einigen dieser von unabhängigen Entwicklern kreierten Videospielen – häufig gratis oder für fünf bis zehn Euro im Netz herunterzuladen – werde das Problem Rassismus ausdrücklich thematisiert. So ist eine Hauptfigur im Zombie-Abenteuer-Spiel „The Walking Dead“ ein Schwarzer, der mit rassistischen Anwürfen konfrontiert wird – und auf verschiedene Weise darauf reagieren kann.

Das Frauenbild ändert sich

Im Survival-Spiel „Rust“, das 2013 auf den Markt kam, weisen die Entwickler den Spielern seit 2015 eine Hautfarbe und seit 2016 ein Geschlecht zu – die diese dank einer unveränderbaren ID-Kennung nicht mehr abwählen können. „Das hat für viel Furore gesorgt, weil manche Gamer nicht als Schwarze unterwegs sein wollten und irgendwann aus dem Spiel ausgestiegen sind“, erklärt Schniz. Eine Replik aus einem Chatforum habe ihm besonders gut gefallen: „Wie viele Schwarze wurden jahrelang gezwungen, Weiße zu spielen?“

Auch das Frauenbild in Videospielen ändert sich partiell. Lara Croft ist nicht mehr so sexualisiert wie in den neunziger Jahren, Wespentaille und Riesenbusen sind reduziert. „Videospiele bilden kulturelle Landschaften ab, und diese werden immer mehr hinterfragt“, sagt Forscher Schniz. Besonders in Adventure-Games, Rollenspielen und experimentellen Computerspielen könne man seine Identitäten immer mehr mit- und umgestalten – und dabei viel über die eigene Kultur lernen. Zwei Download-Tipps hat der 30-jährige Ludwigsburger bei dieser Gelegenheit auch gleich parat: Das Familiendrama „Gone Home“ und „Papers, Please,“ ein Einwanderer-Auslese-Spiel.

Voll war es am Sonnabend in Hannovers City: Die Händlergemeinschaft spricht sogar vom bislang umsatzstärksten Sonnabend im Dezember. Trotz der vielen Einkäufer in der Stadt blieben Staus weitestgehend aus. Der Weihnachtsmarkt lockte am Wochenende besonders viele Auswärtige an.

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