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Stadt Hannover Wann sind Kinder alt genug für die 1. Klasse?
Aus der Region Stadt Hannover Wann sind Kinder alt genug für die 1. Klasse?
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09:41 13.01.2017
Von Bärbel Hilbig
Immer früher: Viele Kinder kommen bereits mit fünf Jahren in die Schule. Fotos: Eberstein, Steffen (Archiv) Quelle: Peter Steffen
Hannover

Eines liegt für Schulleiterin Katja Adelt auf der Hand: Vor allem für viele Jungen kommt eine Einschulung vor dem sechsten Geburtstag deutlich zu früh. Dass Eltern in ganz Niedersachsen jetzt gegen die bereits vollzogene Senkung des Einschulungsalters protestieren, können viele Lehrer gut nachvollziehen. An der Grundschule Grimsehlweg, die Katja Adelt leitet, haben die Lehrer in Absprache mit den Eltern im vergangenen Jahr 16 von gut 100 Kindern von der Einschulung zurückgestellt - fast alles Jungen, die erst im September Geburtstag haben. Warum müssen Kinder mit fünf in die Schule? Sie hinken im allem hinterher. Die Gefahr ist groß, dass sie später eine Klasse wiederholen, sagen manche Experten

Viele Grundschulen laden ihre zukünftigen Erstklässler zu einer Art Probeunterricht. Besonders wenn Schularzt und Erzieher im Kindergarten Zweifel an der Schulfähigkeit eines Kindes haben, beobachten die Lehrer sein Verhalten in der Gruppe. Kann das Kind einen Stift halten und seine Jacke selbst ausziehen? Weiß es, was ein Fenster ist? Wie geht es mit anderen Kindern um? „Manche Kinder haben nach zehn Minuten keine Lust mehr“, berichtet Adelt. Keine gute Voraussetzung für die Schule.

Doch eine Rückstellung bedeutet für die Kinder oft eine Enttäuschung. „Manchmal tun mir die Erstklässler leid. Das Gros der Fünfjährigen, die durch die Neuregelung jetzt automatisch in die Schule kommen, hätten wir vor zehn Jahren nicht als Kann-Kinder eingeschult“, sagt Felizitas Teske, Leiterin der Bonifatiusschule. Viele Eltern von sehr jungen Kindern, berichtet die Leiterin der Friedrich-Ebert-Schule Christiane Kröger, lassen sich nicht vom Schulbesuch abraten. „Diese Schüler müssen immer obertourig arbeiten. Auch, dass sie in einer großen Gruppe lernen müssen, bedeutet für sie eine unglaublich große Anstrengung.“

Michaela Venskaitis, Leiterin der Grundschule Im Kleefelde, teilt die Bedenken nicht. „Wie früher sehen wir uns vor der Entscheidung die Fähigkeiten der einzelnen Kinder an.“ Den Start in die Schulzeit haben die Lehrer angepasst. „Wir geben viel Zeit zum Kennenlernen und fangen später mit dem Lernen an.“

Nachgefragt bei Eva Busch, Leiterin des 
Winnicott-Instituts

„Kinder müssen lange still sitzen können“

Was halten Sie davon, Kinder immer früher einzuschulen?

Ich sehe keinen Grund dafür, außer dass man Kosten für die teureren Kindergartenplätze spart. Kinder müssen schulreif sein, wenn sie in die Schule kommen. Bestimmte Entwicklungen in ihrer Persönlichkeit müssen abgeschlossen sein, damit sie sich in einer Klasse sicher bewegen können. Das ist in der Regel mit sechs Jahren der Fall.

Was für Entwicklungen sind das?

Kinder müssen in der Lage sein, in einem vollen Klassenzimmer zu sitzen und selbstständig zu lernen: ohne einen Erwachsenen neben sich wie im Kindergarten, ohne direkten Körperkontakt zum Lehrer. Sie müssen lange still sitzen können. Man mutet in der Schule auch Sechsjährigen schon viel zu, was ihrem Bewegungsdrang nicht entspricht.

Gilt das für Jungen genauso wie für Mädchen?

Nein. Für Jungen ist eine frühe Einschulung oft noch schwieriger. Sie entwickeln sich bis zur Pubertät langsamer als Mädchen. Manchmal sind es nur wenige Monate, manchmal ist es ein Jahr. Wird früher eingeschult, muss man sich nicht wundern, wenn sich in den Klassen immer mehr unruhige, wilde Jungen finden.

Gibt es noch andere Gründe gegen die frühe Einschulung?

Das Schulsystem in Niedersachsen verändert sich sehr schnell. Die Inklusion zum Beispiel ist weit davon entfernt, in den Schulen gefestigt zu sein. Lehrer und Eltern sind verunsichert. Gerade jüngere Kinder kommen mit dieser Verunsicherung nur schlecht zurecht.

Interview: Jutta Rinas

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