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Stadt Hannover Warum wir das Godshorner Bad vermissen werden
Aus der Region Stadt Hannover Warum wir das Godshorner Bad vermissen werden
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18:20 31.08.2017
Von Bernd Haase
Das Bad Godshorn wird geschlossen. Quelle: Bismarck
Hannover

Meine Heimatstadt durchzieht gerade ein Hauch von Wehmut. Nach 45 Jahren schließen sie das Hallenfreibad in Godshorn, weil sie in der Langenhagener Stadtmitte ein neues bauen. Das heißt dann nicht mehr Hallenfreibad, sondern Sport- und Erlebnisbad Wasserwelt und kostet Millionen.

Das Godshorner Bad ist formell einer der typischen Schwimmkästen, die man in den Siebzigerjahren flächendeckend in die Landschaft setzte, indem man Gruben aushub, die Wände mit Beton begradigte und hellblau verkachelte.

Batteriebetriebener Kassettenrekorder

Das ist aber nur die nüchterne, pragmatische Sichtweise. Das Godshorner Bad ist ein Ort, an dem ich das erste Mal auf dem Drei-Meter-Brett stand und nicht mehr zurück konnte, weil ich mich sonst dort nie wieder hätte blicken lassen können. Es ist der Ort, an dem wir versuchten, eine perfekte Arschbombe zu servieren. Es ist der Ort, der nach Frühschwimmen mit Badekappenzwang aussah und nach Chlor roch. Es ist der Ort, an den wir trotzdem gingen, weil wir einem pubertären Drang gemäß gucken wollten, was sich in den Oberteilen der Bikinis verbarg. Es ist der Ort, an dem wir so lange mit Wasser spritzten, bis der Bademeister pfiff. Es ist der Ort, an dem wir im Sommer auf der Liegewiese Musik aus dem batteriebetriebenen Kassettenrekorder hörten und die „Bravo“ lasen. Es ist der Ort, an dem wir uns regelmäßig einen Sonnenbrand holten, weil es nur Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor zwei gab und eincremen sowieso was für Luschen war. Es ist der Ort, in dem in der Cafeteria der stadtweit erste Flipperautomat stand und wir dort immer Pommes und Fanta bestellten. Es ist der Ort, an dem meine Tochter schwimmen lernte, das erste Mal auf dem Drei-Meter-Brett stand und nicht mehr zurück konnte, weil sie sich sonst ...

Das Godshorner Bad war ein Erlebnisbad. Mal sehen, ob das neue mithalten kann.     

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