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Stadt Hannover Was bleibt nach 40 Jahren Gorleben?
Aus der Region Stadt Hannover Was bleibt nach 40 Jahren Gorleben?
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00:15 18.02.2017
Von Michael B. Berger
„Eine katastrophale Fehlentscheidung“: Im Wendland lagert der Atommüll in Castoren in einer Halle - er hätte schon längst unter Tage im Salz verschwunden sein sollen. Quelle: Stefan Sauer
Hannover

Die Reaktion kam prompt. Sie kam von der Regierung in Bonn, vom Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD). Gorleben als künftige Atommülldeponie? Viel zu nah an der Grenze zur DDR, merkte die Bundesregierung an. „Harte Bonner Kritik an Albrecht“, titelte diese Zeitung am 23. Februar 1977 - vor 40 Jahren, als Niedersachsens damaliger Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) beschlossen hatte, im bis dahin kaum bekannten Dorf Gorleben ein „Nukleares Entsorgungszentrum“ hochzuziehen. Vor allem mit strukturpolitischen Überlegungen begründete der Christdemokrat seine Vorentscheidung, die dem armen Landkreis Lüchow-Dannenberg bis zu 4000 neue Arbeitsplätze bescheren sollte und die Bundespolitik für Generationen beschäftigte - und entzweite.

„Das war wohl in mehrfacher Hinsicht einer der teuersten Fingerzeige in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“, meint heute Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) - finanziell wie auch politisch. Wenzel erinnert daran, wie Ernst Albrecht Ende Februar auf einer Karte auf einen entlegenen Winkel Niedersachsens zeigte, fünf Kilometer vor der Grenze zur DDR - eine „katastrophale Fehlentscheidung“, meint Wenzel. Denn bei einer vorangegangenen Suche der Bundesregierung nach einem möglich Atommüllstandort habe Gorleben gar nicht auf der Liste geeigneter Standorte gestanden, sondern einer im Emsland, einer in Unterlüß (Kreis Celle) und einer im Lichtenmoor bei Nienburg, wo aber die CDU-Abgeordneten rebellierten. So sei Albrecht „in einer Mischung aus Willkür und Vetternwirtschaft“ auf das strukturschwache Gorleben gekommen - ein Projekt, für das im Laufe der Jahrzehnte mehr als 1,6 Milliarden Euro verbaut worden seien, sagt der Minister. „Ich bin aber ziemlich sicher: Gorleben ist Geschichte.“

Anlage allmählich abgerüstet

Doch noch ist das ein Glaubenssatz, denn offiziell ist Gorleben noch immer ein möglicher Standort - auch wenn die rot-grün geführte Landesregierung in Hannover einiges getan hat, um den Eindruck zu entkräften, letztlich werde trotz neuem Standortsuchverfahren wieder die Wahl auf das Wendland fallen, weil in Gorleben schon so viel investiert worden ist.

So rollen seit 2011 keine Castortransporte mehr nach Gorleben, die hochradioaktive Fracht in das oberirdische nicht weit vom Salzstock entfernte Zwischenlager gebracht haben - nicht selten begleitet von bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen. So wird der festungsähnliche Charakter des Gorlebener Bergwerks etwas abgerüstet, wurde Personal für die Sicherung der Anlage abgebaut und die öffentlichen Grubenfahrten ganz eingestellt - gegen den Protest des Betriebsrates auf der Anlage. „Aber erst wenn der Bericht der Endlagersuchkommission auf wissenschaftlicher Basis umgesetzt ist, wird Gorleben endgültig Geschichte sein“, glaubt der niedersächsische Umweltminister und rechnet damit, dass dies in fünf Jahren der Fall sein könnte.

Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative Umweltschutz traut dem Braten noch nicht. „Es ist doch ein Leichtes, den Salzstock aus dem Stand-by zu holen“, sagt der Anti-Atom-Veteran, der seit 40 Jahren gegen die Anlage im Wendland streitet. Und die Angst in der Bundesrepublik sei groß, mit einem neuen Standort „das ganze, alte Fass wieder aufzumachen“. Da gebe es doch einen „Riesenegoismus“ unter den Ländern.

Deshalb werden am Sonnabend wieder die Traktoren der Bäuerlichen Notgemeinschaft nach Lüchow rollen - in Erinnerung an 40 Jahre Streit um Gorleben.

Die Suche nach einem Endlager geht noch bis 2031

Das Ziel ist ehrgeizig: Bis 2031 soll ein Endlager für hochradioaktiven Müll gefunden sein. So steht es im Endlagersuchgesetz.

Für eine gezieltere Suche sind einige Voraussetzungen geschaffen worden. Eine vom Bundestag eingesetzte Expertenkommission hat im vergangenen Sommer Empfehlungen abgegeben und Vorschläge für das Verfahren des Auswahlprozesses erarbeitet. Die Beteiligung der Öffentlichkeit am Verfahren soll vom neuen Bundesamt für kerntechnische Entsorgung in Berlin organisiert werden, das die neue Bundesgesellschaft für Endlagerung in Peine überwachen soll.

Daneben hat der Bund noch ein Nationales Begleitgremium geschaffen, das unter Vorsitz der Politikwissenschaftlerin Miranda Schreuers und des früheren Bundesumweltministers Klaus Töpfer steht. Am vergangenen Freitag veranstaltete das Gremium in Berlin seine erste Informationsveranstaltung, zu der 170 Gäste aus Bürgerinitiativen kamen.

Man könne das Thema „unverkrampfter angehen als früher“, meint der CDU-Landtagsabgeordnete Martin Bäumer, da die Frage der Zukunft der Kernenergie für Deutschland geklärt sei. Aber am Ende werde es zum Schwur kommen, wenn ein Standort gefunden worden sei – „und die Leute fragen: Warum ausgerechnet bei uns?“ Niedersachsens Umweltminister Wenzel will nicht ausschließen, dass Niedersachsen auch dann in die Pflicht genommen würde, wenn der Standort nicht Gorleben heißt.

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